SARNEN: Der Kebab-Brater zieht vom Bahnhof direkt vor die Migros

Ab sofort bedient Ali Sari seine Kundschaft auf dem Parkplatz beim Sarnen-Center – bis in einem Jahr sein neues Central-Kebap-Haus am bisherigen Standort beim Bahnhof fertig gebaut ist.

Christoph Riebli
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Für ihn geht es vorläufig vom Kebap-Haus in den Imbisswagen: Ali Sari auf dem Parkplatz beim Sarnen-Center.

Für ihn geht es vorläufig vom Kebap-Haus in den Imbisswagen: Ali Sari auf dem Parkplatz beim Sarnen-Center.

Christoph Riebli

christoph.riebli@obwaldnerzeitung.ch

An bester Lage direkt beim Bahnhof des Obwaldner Hauptortes betreibt Ali Sari seit 2007 das Central-Kebap-Haus. Am Sonntag verkaufte er nun am Grundacherweg 1 vorläufig seinen letzten Kebap: Das über 100-jährige gelbe Haus beim Bahnübergang wird abgerissen, Sari bezieht derweil auf dem Parkplatz bei der Migros (Sarnen-Center) einen Imbisswagen. «Das ist eine gute Zwischenlösung, sonst würde ich all meine Kunden verlieren», sagt der 53-jährige Unternehmer.

Eine Zwischenlösung ist es, weil am Grundacherweg bis im März 2018 das neue Central-Kebap-Haus aus dem Boden wächst, in das der eingebürgerte türkische Kurde all seine Ersparnisse steckt. Nebst Kebap-Lokal entstehen so zusätzlich eine 3½ - und zwei 4½ -Zimmer-Wohnungen.

Doppelspurausbau als Auslöser

Nicht ganz unschuldig daran ist die Zentralbahn: Auslöser für Saris Bauprojekt war der Doppelspurausbau beim Bahnhof. «Aufgrund des zusätzlich benötigten Platzes für das neue Gleis brauchte die Zentralbahn drei Quadratmeter meines Landes», erzählt Sari. Die beiden Parteien wurden handelseinig, und Sari hat sich zudem entschlossen, das in die Jahre gekommene Haus durch einen Neubau zu ersetzen, der nun etwas zurückversetzt zu den Gleisanlagen entstehen wird. «Rund 3 ? Jahre Planung stecken dahinter. Es ist halt ein kritischer Ort, weil er so zentral gelegen ist», meint Sari zum zurückgelegten bürokratischen Marathonlauf.

Seit Montag verkauft er seine Kebaps nun aus einem Imbisswagen heraus, welchen der gelernte Schweisser und Schlosser selbst für seine Bedürfnisse angepasst hat. Doch wie hat er es geschafft, sich den Standort auf dem Parkplatz direkt vor der Migros zu angeln? «Das hat einen Zusammenhang mit der Doppelspur», antwortet Sari. Normalerweise toleriere die Gemeinde, welcher der Parkplatz gehört, dort keine Essensstände. Gutmütigerweise habe man ihm aber eine Bewilligung erteilt, solange die Bauarbeiten direkt an den Bahngleisen andauern.

Mageres Zwischenjahr befürchtet

Herausgefordert ist Sari ebenfalls in Giswil: Ende Monat muss er seinen zweiten Kebap-Stand vor dem Giswiler Bahnhof entfernen, weil die Zentralbahn bis 2019 für beinahe 5 Millionen Franken einen neuen Bahnhof baut, ohne Platz für den Kebap-Stand zu lassen (wir berichteten). «Ich bin momentan auf der Suche nach einem neuen Standort», erzählt Ali Sari, der deshalb von weiteren finanziellen Einschnitten ausgeht. «Ich rechne in diesem Zwischenjahr mit rund 50 Prozent weniger Umsatz.» Zwei Teilzeitmitarbeiter kann er vorläufig nicht mehr einsetzen, der Chef und ein Mitarbeiter teilen sich bis auf weiteres die Schichten.

Ob es den Unternehmer am Schluss tatsächlich so hart trifft, wird sich zeigen. Herauszufinden gilt es zudem das Kundenverhalten am neuen Standort in Sarnen, an welches Sari auch die Ladenöffnungszeiten anpassen will. Zwischen altem und neuem Verkaufslokal liegen gerade mal 200 Meter – eine Distanz, welche die Stammkundschaft kaum stören wird. Kebap-Konkurrenz direkt im Dorf hat Sari nämlich keine.