SARNEN: Die kinderlose Fasnacht ist passé

Die Eltern sind seit fast 20 Jahren dabei. Am Schmutzigen Donnerstag feierten sie nun mit ihren Kindern als Imker und Bienen Umzugspremiere.

Primus Camenzind
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Summ, summ, summ: So traten die Imker am Sarner Kinderumzug an. (Bild: Adrian Venetz (Sarnen, 23. Februar 2017))

Summ, summ, summ: So traten die Imker am Sarner Kinderumzug an. (Bild: Adrian Venetz (Sarnen, 23. Februar 2017))

Primus Camenzind

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Fragen Sie unseren Pressesprecher», meint ein Imker, von dem wir 90 Minuten vor dem Start den Namen seiner ­Sujetgruppe erfahren möchten. Kurz vor dem Beginn des Lälli-Kinderumzugs gab uns dann Tres Moser, ebendieser Pressesprecher, bereitwillig Auskunft. «Wir sind die Dorfbachsörmeln Plus und nennen uns so, weil wir Eltern früher alle in Niederkilch bei Oberkilch in der gleichnamigen Guggenmusig aktiv waren.» Bei dieser etwas diffusen Herkunftsangabe liessen wir es bewenden, denn Tres versicherte uns, dass nun alle Bienen und Imker «Obwaldner Status» geniessen. «Ausgenommen ein Österreicher, aber der fehlt heute.»

Das Sujet ist ein reiner Zufall

Bienen sind natürlich auch an einer Fasnacht des Fliegens kundig. Also wollten wir vom Pressesprecher wissen, welchen Bezug er zum Sujet der Lälli-Zunft – «nur fliegen ist schöner» – herstellt: «Mehr oder weniger ein Zufall», liess Tres verlauten. «Wir Väter wollten grundsätzlich Imker darstellen, und unseren Kindern und Frauen blieben natürlich die Bienen.» Der Pressesprecher machte allerdings kein Geheimnis daraus, dass er auch ausserhalb seines fasnächtlichen Bienenvolkes sehr gerne fliegt. «Mit Frau und Kind überallhin.»

Für Nachwuchs sorgen

Die Imker und ihre Königsbienen denken an die Zukunft ihres närrischen Volkes. «Nach all den Jahren ohne Kinder stopften wir sie jetzt in ihre schwarz-gelb-gestreiften Gewänder, laufen mit ihnen den Umzug und sorgen so für fasnächtlichen Nachwuchs», betont Tres Moser. Obwohl er überzeugt ist, dass die Kinder gerne als Bienen teilnehmen, legt er Wert darauf, dass es sich beim diesjährigen Sujet seines Schwarms um einen «rein väterlichen Entscheid» handelt. «Das wird sich in einigen Jahren sicher ändern», fährt er allerdings kleinlaut fort.

Immerhin, es wird längerfristig geplant. «Wir wollen wachsen. Wenn wir die ‹Konkurrenz› beobachten, können wir auf Dauer nicht mit unserem kleinen Wägeli hinten anstehen.» Der Pressesprecher denkt nicht an personelles Wachstum, «aber an etwas mehr Bastelarbeit», betont er. Die Rangierung durch die Umzugsjury sei Nebensache. «Vorderhand haben wir keine Ambitionen», bekräftigt unser Gesprächspartner. Am grossen Sarner Lälli-Umzug vom nächsten Dienstag seien die Imker und ihre Bienen unbedingt wieder dabei, erklärt uns Tres. «Nicht offiziell und ohne Nummer. Wir freuen uns ganz einfach darauf, mitzulaufen.»

Eine alte Seilschaft

Unter einer riesigen Imker-Kopfbedeckung, von Bienenstichen durch den Schleier geschützt, entdecken wir Fabrizio Raffa, Sängerin aus «Schluneggers Heimweh», dem inzwischen wohl bekanntesten Männerchor der Schweiz. «Eine alte Seilschaft, diese Imker­truppe», klärt er uns auf. Zusammen mit Tres Moser stand Raffa nämlich schon vor vielen Jahren als «Showstars» auf der Bühne. Gegenwärtig ist der Sänger viel unterwegs – Auszeichnungen, Konzerte und «demnächst gehts mit Heimweh auf Tournee», teilt er uns mit. So oder so, der Kinderumzug sei ihm wichtig. «Ich mache deshalb schon seit Jahren mit.»

Es wird Zeit: Die Imker lassen ihre Bienen ausschwärmen und summen, der Kinderumzug beginnt.