SARNEN: Dorfkern wird für 12 Tage «autofrei»

Das Jodlerfest wirft seine Schatten voraus. Die Aufbauarbeiten haben begonnen. Bereits ab nächster Woche ist der Dorfkern für den Verkehr gesperrt.

Matthias Piazza
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Wird gesperrt: Dorfplatz in Sarnen. (Archivbild Adrian Venetz)

Wird gesperrt: Dorfplatz in Sarnen. (Archivbild Adrian Venetz)

Das Zentralschweizerische Jodlerfest rückt näher. Ab Freitag, 26. Juni, werden 3500 Aktive und 50 000 Besucher erwartet. Nach rund drei Jahren Vorbereitung am Schreibtisch nimmt das Jodlerfest jetzt konkret Gestalt an. Gestern starteten die aufwendigen Aufbauarbeiten. So wird ein autonomes Stromnetz fürs Jodlerdorf eingerichtet. «Der Strombedarf entspricht einem mittleren Industriebetrieb. Mit der autonomen Versorgung gefährden wir nicht das Netz der Anwohner und der Geschäfte im Dorf», erklärt Ernst Vogler, der im Organisationskomitee für die Infrastruktur zuständig ist.

Verkehr wäre ein Sicherheitsrisiko

Nächste Woche gehts dann mit den Aufbauarbeiten in die heisse Phase. Sperrungen werden unumgänglich. So sind die Brünigstrasse (von Hotel Krone bis Rütistrasse), die Post-, Bahnhof- und Landenbergstrasse sowie die Grossgasse für den Strassenverkehr gesperrt – und zwar vom 22. Juni bis 3. Juli. «Rund 40 Festwirtschaftsbetriebe, darunter kleinere und grössere Zelte, müssen aufgebaut werden, brauchen Strom, Beleuchtung, Wasser, verursachen Abwasser. Der Verkehr würde ein Sicherheitsrisiko darstellen», begründet Ernst Vogler die Massnahme. Im Einsatz für das gesamte Fest stehen rund 3000 ehrenamtliche Helfer. Zusätzlich stehen Angehörige des Zivilschutzes für den Auf- und Abbau zur Verfügung.

Die rund 200 betroffenen Anwohner mit Parkkarten dürfen alternativ auf dem Parkplatz Ei parkieren. Betroffen von der Sperrung sind auch rund 60 Geschäfte: Sie werden mit dem Auto nicht erreichbar sein. «Mit dem ‹Info Sarnen› und einem Stand am vergangenen Samstag am Sarner Wochenmarkt haben wir die Anwohner über die Behinderungen informiert. Es kamen keine kritischen Rückmeldungen», hält Ernst Vogler fest. Auch die Geschäfte hätten viel Goodwill gezeigt. «Sie sind vom Fest begeistert, schmücken ihre Schaufenster speziell. Die Restaurants und Hotels als Partner des Jodlerfestes erwarten hohe Umsätze.» Staus oder grössere Wartezeiten bleiben laut Ernst Vogler aus, dank signalisierten Umfahrungsmöglichkeiten rund um den Dorfkern.

Bäckerei schliesst

Wegen der Sperrung schliesst Beck Berwert das Geschäft am Dorfplatz von kommenden Montag bis Donnerstag – und auch während der Abbauarbeiten eine Woche später bis am Mittwoch. «Wenn wir mit dem Auto nicht erreichbar sind, bleiben die Kunden grösstenteils aus», weiss Inhaber Marco Berwert aus Erfahrung mit anderen Grossanlässen. Trotzdem rechnet er unter dem Strich nicht mit Umsatzeinbussen – dank der Festteilnehmer. «Wir haben während des Festes unsere Öffnungszeiten ausgedehnt und das Sortiment entsprechend angepasst. Statt Brot bieten wir dann vermehrt Desserts und kleine Snacks an.» Zudem darf er die Festbetriebe mit Brot beliefern. Für die Strassensperrungen zeigt er Verständnis, die Kommunikation mit den Verantwortlichen klappe gut. (Normal offen bleibt die Filiale im Lindenhof.)

Zweischneidiges Schwert

«Für die Sperrung haben wir Verständnis, und wir hoffen, dass sich unsere Kunden nicht davon abschrecken lassen», meint Marcel Spichtig, Geschäftsführer der Papeterie Spichtig am Dorfplatz.

«Feste sind immer ein zweischnei­diges Schwert. Vor allem Hotels und Restaurants profitieren davon, während Geschäfte wegen der Sperrung eher das Nachsehen haben», weiss Alois Britschgi, Präsident des Vereins Sarner Fachgeschäfte mit rund 100 Mitgliedern. Die entstandenen Umsatzeinbussen seien schwer bezifferbar, aber wohl zu verkraften. «Solche Anlässe machen Sarnen bekannter, wovon die Läden indirekt auch profitieren.» Die angekündigten Sperrungen seien von den Mitgliedern denn auch gut aufgenommen worden.