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SARNEN: Durch Kiss-Einsatz entstand Freundschaft

«Braucht es Kiss?», hiess die wesentliche Frage an einem Podium der Genossenschaft für Zeitgutschriften. Die Antwort war einhellig Ja. Dennoch gibt es Geldsorgen.
Marion Wannemacher
Kurt Holer aus Sarnen hütet Katze und Haus von Verena Abächerli, Sarnen, wenn diese verreist. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 8. Mai 2017))

Kurt Holer aus Sarnen hütet Katze und Haus von Verena Abächerli, Sarnen, wenn diese verreist. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 8. Mai 2017))

Kiss hatte eingeladen, und viele kamen. Im Saal der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde in Sarnen besetzten Vertreter von Organisationen rund um Pflege und Alter, Behörden, Delegationen von Gemeinderäten sowie zahlreiche Privatpersonen die Stühle bis auf den letzten Platz. Präsidentin Pia Halter sagte: «Bis 2030 wird es doppelt so viele ältere Menschen wie jetzt geben.» Die Nachbarschaftshilfe mit Zeitgutschriften sei ein Beitrag, dass Menschen länger daheim bleiben könnten. Auch die zwischenmenschlichen Begegnungen seien wichtig.

Anschubfinanzierung ist ausgelaufen

Punkto Finanzen machte Pia Halter deutlich, dass Kiss jährlich einen Aufwand von 100000 Franken habe. Darin enthalten sind 12000 Franken Betriebsaufwand sowie eine volle Stelle für die Geschäftsleiterin. Diese brauche es für Koordination und Begleitung der sogenannten Tandems, der Geber und Nehmer, begründete Geschäftsleiterin Marianne Marchello-Gisler. Die Anschubfinanzierung vor allem durch die Albert-Koechlin-Stiftung ist im vergangenen Jahr ausgelaufen. Trotz Unterstützung verschiedener politischer Gemeinden, Kirchgemeinden und privater Spenden sei man erst bei Zusagen von 37000 Franken für das kommende Jahr, erklärte Pia Halter und konstatierte: «Das reicht nicht.» Es brauche Unterstützung von Gemeinden, Firmen, Banken, Versicherungen, Privatpersonen, Kirchgemeinden. «Durch den Anlass wollen wir Sie mit ins Boot nehmen», ­appellierte sie.

Vorläufer der vierten Säule?

Arbeitspsychologe Theo Wehner von der ETH Zürich, der bereits die Evaluation für Kiss gemacht hatte, bezeichnete die Zeitvorsorge durch Kiss als «grossen Erfolg». Der Professor selbst definierte sie als «organisierte Nachbarschaftshilfe» und bezweifelte augenzwinkernd, es noch zu erleben, dass diese tatsächlich zur vierten Säule werde.

Am von Manuela Bracale geleiteten Podium sagte Nationalrat Karl Vogler auf ihre Frage nach der Notwendigkeit der Genossenschaft: «Kiss ist eine Organisation mit Zukunft, die es zu unterstützen gilt. Für mich ist klar, Kiss braucht’s.» Auch Markus Zahno, bei der Gemeinde Sarnen zuständig für Soziales und Gesundheit, erklärte: «Zeitgutschriften und Nach- barschaftshilfe sind etwas, das wir in Zukunft brauchen, und eine Möglichkeit, Kosten zu sparen.»

Martin Führer von der Psychiatrischen Pflege der Spitex Obwalden nannte das Beispiel eines Kunden, der durch jahrelange Krankheit vereinsamt war. Bei ihm hatte er Mangelernährung festgestellt, der Mahlzeitendienst hatte nicht funktioniert. Bereits seit eineinhalb Jahren sei Kiss bei ihm tätig. Ihm werde das Essen aus dem benachbarten Restaurant gebracht.

Nebenher entstünden noch Gespräche, ergänzte Marianne Marchello-Gisler. Sie nannte einen anderen konkreten Fall, bei dem in einem Tandem – einer Frau, die einer anderen vorliest – eine Freundschaft entstanden sei. Die Vermittlung sei sehr wichtig, betonte Genossenschafterin Margrit Bucher, die ihren Einsatz als «sehr wertvolle Zeit» für sich selbst bezeichnete: «Wichtig ist, dass die Chemie stimmt, dafür braucht es eine Begleitung.»

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

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