Sarnen
Engagement fürs glückliche Altern

«Mit Freude alt werden» hiess der Titel des 10. Schärme-Symposiums. Experten diskutierten Themen wie Ernährung, Lernen oder Aktivierung.

Marion Wannemacher
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Bei Experten aus der Gesundheitsbranche, Vertretern von Politik und Behörden gilt das Schärme-Symposium seit längerem als wichtiger Termin. Am Mittwoch trafen sich hundert Teilnehmer vorwiegend aus der Zentralschweiz zum zehnten Symposium in der Aula Cher. Wegen Corona hatte der Anlass vom vergangenen Oktober verschoben werden müssen.

10. Schärme-Symposium vor 100 Vertretern von Behörden aus Politik und der Gesundheitsbranche in der Aula Cher.

10. Schärme-Symposium vor 100 Vertretern von Behörden aus Politik und der Gesundheitsbranche in der Aula Cher.

Bild: PD

In seiner Begrüssungsrede dankte Landammann Christian Schäli der Leitung der Seniorenresidenz für die Auswahl des Themas. «Das ist ein sehr guter Titel nicht nur für ein Symposium, sondern eigentlich auch fürs Leben.» Um glücklich alt zu werden, brauche es Engagement. Der entscheidende Teil des Lebens spiele sich im Sozialen ab. «Ich würde meinen, der Inhalt des Programms verspricht, dass Sie zumindest heute und hier an diesem Tag mit Freude ein bisschen älter werden», betonte Schäli.

Die Experten befassten sich mit einer grossen Bandbreite von Themen: Um den zunehmenden Stellenwert der digitalen Welt bei den Senioren befasste sich Andréa Bellinger, Professorin an der Pädagogischen Hochschule Luzern. 93 Prozent der Senioren besitzen heute ein Mobiltelefon, fast 70 Prozent ein Smartphone oder ein Tablet. Sogar fast ein Drittel von ihnen nutzen nach Angaben der Wissenschaftlerin soziale Netzwerke.

10. Schärme-Symposium mit Adolf Ogi in der Aula Cher.

10. Schärme-Symposium mit Adolf Ogi in der Aula Cher.

Bild: Izedin Arnautovic (Sarnen, 24. Juni 2021)

Absolutes Highlight des Programms war ein unterhaltsamer Vortrag von alt Bundesrat Adolf Ogi, bei dem dieser die interessantesten seiner Lebensstationen Revue passieren liess. Durch das Programm führte Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart mit humorvollen Pointen. Er befragte Ogi und Schauspielerin Heidi Maria Glössner zum Thema der eigenen «Selbstfeier» im Alter. Und konfrontierte sie mit der Tattookünstlerin Carmela Sullivan. Nein, beide prominente Senioren konnten sich kein eigenes Tattoo auf faltiger Haut vorstellen. Glössner stellte klar, wie sehr für sie das grosse Glück in kleinen Momenten zu finden ist.

10. Schärme-Symposium mit Hanspeter Müller-Drossaart, Tattookünstlerin Carmela Sullivan, alt Bundesrat Adolf Ogi und Schauspielerin Heidi Maria Glössner in der Aula Cher (von links).

10. Schärme-Symposium mit Hanspeter Müller-Drossaart, Tattookünstlerin Carmela Sullivan, alt Bundesrat Adolf Ogi und Schauspielerin Heidi Maria Glössner in der Aula Cher (von links).

Bild: PD

Praktische Anleitung für die Aktivierung des Hirns

Mit dem Thema Lernen im Alter befasste sich der Neurologe Jürg Kesselring vom Rehazentrum Klinik Valens in Zürich. Er veranschaulichte das Gehirn als komplexes Netzwerk aus 86 Milliarden Zellen. Durch Nichtgebrauch gehen die Verbindungen zwischen den Zellen verloren, durch Gebrauch stabilisieren sie sich.

Aus der Praxis der Aktivierung berichtete Susanne Jenne, Teamleiterin Aktivierung der Residenz Am Schärme. Um Senioren in der Gruppe einfache Übungen zu zeigen, wird dort bereits der kleine Roboter NAO eingesetzt. Die eingesparte Zeit kann die Fachfrau für das individuelle anspruchsvollere Training nutzen.

Ansehnliches geformtes Essen statt pürierter Matsch

Helga Gruber (links) mit ihrer Mitarbeiterin eines Start-up-Unternehmens aus Bayer druckt Nahrungsmittel mit dem 3D-Drucker aus.

Helga Gruber (links) mit ihrer Mitarbeiterin eines Start-up-Unternehmens aus Bayer druckt Nahrungsmittel mit dem 3D-Drucker aus.

Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 24. Juni 2021)

Auch das Essen gehört zur Lebensfreude. Anschaulich berichtete Sternekoch Kurt Röösli von der Stiftung Wagerenhof in Uster, wie er Senioren teilhaben lässt an der Entstehung seiner kulinarischen Genüsse. Zwei Fachfrauen aus dem bayerischen Freising demonstrierten vor Ort, dass püriertes Essen für Menschen mit Schluckbeschwerden attraktiv daher kommen kann. Sie druckten kleine Kunstwerke aus Schoggi zum Degustieren.


Adolf Ogi im Kurzinterview: «Ich akzeptiere mein Alter»

Alt Bundesrat Adolf Ogi.

Alt Bundesrat Adolf Ogi.

Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 24. Juni 2021)

Adolf Ogi, wie gehen Sie mit Ihrem Alter um?

Adolf Ogi: Ich weiss, dass das Leben vergänglich ist. Nächstes Jahr werde ich 80 und bin bereit zu sterben. Ich möchte aber noch nicht sterben. Deshalb bewege ich mich täglich, gehe jeden Morgen eine Stunde in den Wald Nordic Walken, geniesse die Natur und hole mir Lebensfreude. Lebensfreude gibt Kraft und Freiheit gibt Freude, beides braucht man, um im Alter zu bestehen.

Haben Sie Freude am Alter?

Ich akzeptiere mein Alter und stemme mich nicht dagegen und freue mich, dass ich jeden Morgen fünf bis sieben Minuten meinen Kopfstand mache, trainiere mein Gedächtnis, gehe walken und mache meine Übungen für Rücken, Schulter und Knie.

Gibt es Positives im Alter?

Ja, man muss das Positive sehen und es vielleicht suchen. Es ist ganz wichtig, dass man noch Freude haben kann im Alter, noch lachen kann, dass man nicht griesgrämig durchs Leben geht.

Gibt es auch noch Freuden im Alter?

Ja, dass man etwas wagt, ein Risiko eingeht. Das muss nichts Aussergewöhnliches sein. Gerade wenn man 13 Jahre Bundesrat war, besteht die Gefahr, dass man nach dieser Zeit in ein Loch fällt. Da braucht's eine innere Kraft, dass man sich sagt, das ist jetzt abgeschlossen. Du hast keine Sekretärin und Limousine mit Chauffeur mehr. Du musst bereit sein, deine Situation zu akzeptieren. Es ist eine Freude, hierher zu kommen oder morgen an der European University eine gute Rede auf Französisch und Englisch zu halten, das ist eine Herausforderung, gibt mir Freude und Kraft. Ich freue mich auf ein paar Tage in Kandersteg, auf Wanderungen mit meiner Frau und jetzt schon aufs Skifahren.

Was haben Sie noch vor?

Ich muss nicht mehr Bundesrat, Nationalrat oder Skidirektor werden. Ich habe das alles gehabt, es ist eine gute Zeit gewesen. Wenn ich meinen Lebensparcours analysiere, hab ich vielleicht nicht alles richtig gemacht, aber mit Leidenschaft und Engagement.

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