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SARNEN: Er bekämpfte das Trinkerelend

Peter Anton Ming (1851–1924) war der wohl bedeutendste Arzt und Kämpfer gegen Alkoholismus in Obwalden. Medizinhistoriker Andreas Anderhalden zeigt auf, warum seine Klinik den Namen Vonderflüh trug.
Romano Cuonz
Der Medizinhistoriker Andreas Anderhalden vor dem Porträt von Peter Anton Ming im Sarner Rathaus. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 6. April 2017))

Der Medizinhistoriker Andreas Anderhalden vor dem Porträt von Peter Anton Ming im Sarner Rathaus. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 6. April 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Als Doktor Peter Anton Ming 1896 auf seinem Heimwesen in Wilen eine Heilstätte für Alkoholkranke katholischer Konfession errichtete, war Bruder Klaus für ihn wohl ein wichtiges Vorbild», vermutet der Medizinhistoriker Andreas Anderhalden. Schon deshalb habe Ming dem Haus den Namen «Trinkerheilanstalt Pension Vonderflüh» gegeben und für die gute Sache schliesslich gar noch einen grossen Teil seines Vermögens eingesetzt. «Ohne sein Geld wäre in Obwalden gegen die damalige Volkskrankheit Alkoholismus nichts unternommen worden», ist Anderhalden überzeugt.

Im Übrigen aber gebe es zwischen Peter Anton Ming und Niklaus von Flüe kaum Parallelen. Im Gegensatz zu Bruder Klaus war Ming ein Mann von Welt mit grosser Macht, wie sie nur wenige andere Obwaldner hatten. Der studierte Doktor der Medizin und Gemeindearzt von Sarnen war ein Mann von unglaublicher Tatkraft. Neben seinem Beruf bekleidete er jedes im Kanton ­erreichbare Amt: Er war teils ­gleichzeitig Kantonsrichter, Gemeinderat, Kantonsrat, Präsident des Obergerichts, Nationalrat und zwischen 1910 und 1924 sieben Mal Landammann. Auch zehn Kinder – eines von ihnen war die bekannte Obwaldner Autorin Rosalia Küchler-Ming – hatte er zusammen mit seiner Frau Agnes, geborene Omlin.

1851, als Peter Anton Ming geboren wurde, herrschte in der ganzen Schweiz bittere Armut. Dafür gab es verschiedene Gründe: Nach der Herrschaft Napoleons herrschten überall Arbeitslosigkeit und Zerstörung. Zum Kriegselend hinzu kam noch die Eruption des Vulkans Tambora in Indonesien. Sein ausgeworfenes Material bewirkte globale Klimaveränderungen mit zwei Jahren ohne Sommer. So kam es zu Missernten und damit zur schlimmsten Hungersnot des 19. Jahrhunderts.

Statt Milch produzierten Bauern Früchte für Schnaps

Die Folgen von alldem prägten die Zeit von Peter Anton Ming. Als aufgeweckter Bauernbub betrachtete er die damalige landwirtschaftliche Tätigkeit in Obwalden sehr kritisch. Da wurden auf bestem Weideland für Kühe grosse Obstplantagen errichtet. Andreas Anderhalden zeigt dazu Bilder: Zwischen Sachseln und Giswil breiteten sich Obstbäume aus. Wie ein Wald! Anstatt gesunde Milch produzierten Bauern Unmengen von Früchten. Und diese dienten einzig der Schnapsbrennerei. Peter Anton Ming wurde zum Rufer in der Wüste. Den Obwaldner Bauernverband rief er ins Leben, versuchte, die Bauern zur Umstellung ihrer Betriebe auf Viehzucht und Käseproduktion zu bewegen. Der Erfolg war mässig. Weil er gegen das unkontrollierte Ablassen von Gülle kämpfte, nannten ihn Bauern spöttisch «Güllenpeter».

Derweil ruinierte ein nachgerade unglaublicher Konsum von Alkohol ganze Familien. Vom Kind mit dem Schnapsschnuller bis zum greisen Grossvater verfielen meist alle der Trunksucht. 1863 wurden in Obwalden pro Person und Jahr nur schon 7,7 Liter importierter Schnaps konsumiert. Ganz zu schweigen von dem, was da noch selber gebrannt wurde. Viele Landwirte verloren alles. Irregeleitet durch Propagandaschriften wollten sie dem Elend entweichen, indem sie nach Übersee auswanderten. Für viele erwies sich dies als Trugschluss, denn sie stürzten sich damit oft nur vom hiesigen ins dortige Elend.

Pionier der Abstinenzlerbewegung

«Weil Peter Anton Ming als Arzt das ganze Elend als Folge einer landesweit grassierenden Alkoholsucht hautnah miterlebte, wurde er zum Kämpfer weltweit. Als Nationalrat nahm er an Kongressen in Mailand, London, Washington und New York teil», erzählt der Referent Andreas Anderhalden. In Obwalden rief Ming einen Abstinenzverein ins Leben, und am 20. Mai 1896 richtete er in seinem Heimwesen Flüeli in Wilen die «Trinkerheilanstalt Pension Vonderflüh» ein. Die 15 bis 20 sogenannten «Kuranten» mussten auf dem eigenen Bauernhof oder im nahen Steinbruch arbeiten und sich so selber versorgen. «Das war bei ihrer Problematik alles andere als einfach, und es kam auch oft zu Rückfällen», führt Anderhalden aus. Die Trinkerheilanstalt wurde erst 1951 geschlossen und die ganze umfangreiche Liegenschaft dem Verein für Sozialwerke der Sarner Pflegerinnen verkauft. Mit der Auflage, dass die ganze Anlage auch in ferner Zukunft für gemeinnützige Zwecke zu verwenden sei.

Hinweis

Andreas Anderhalden: Geborgen am Sarnersee. Buchpublikation 2016 im Brunner Verlag Kriens.

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