SARNEN: Er ist das Aushängeschild für die Firma

Flexibilität brauchts, wenn ein Betrieb einen Leistungssportler ausbildet. Bei Wolfisberg Metallbau ist man stolz darauf. Besonders auf Julian Schumacher.

Marion Wannemachermarion Wannemacher
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Leistungssportler Julian Schumacher bei seiner Arbeit in der Werkstatthalle von Wolfisberg Metallbau. (Bild Corinne Glanzmann)

Leistungssportler Julian Schumacher bei seiner Arbeit in der Werkstatthalle von Wolfisberg Metallbau. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Sonne scheint in die Werkstatthalle von Wolfisberg Metallbau. Julian Schumacher zeigt ein rostiges Gestell vom Sarner Dorfbrunnen, eine seiner derzeitigen Aufgaben. Darin werden im Sommer die Blumenkästen aufgehängt. «Nach dieser Vorlage soll ich neue fertigen», erzählt der 16-Jährige. Der angehende Metallbauer macht einen zufriedenen Eindruck. «Ich bin sehr glücklich und habe Freude an meinem Beruf», sagt er. Im Sommer hat er seine Ausbildung im Betrieb angefangen. Dass er hier arbeiten darf, ist keine Selbstverständlichkeit. Julian Schumacher ist im nationalen Nachwuchskader Swiss-Ski, Biathlon. Er trainiert im Winter bis zu 12 Stunden, im Sommer gar bis zu 15 Stunden pro Woche.

Gleiche Ausbildung, weniger Zeit

Sein Betrieb unterstützt ihn darin, er hat das Label «Leistungssportfreundlicher Lehrbetrieb». Und das steht auch auf der Tür zum Büro. Wolfisberg Metallbau ist ein Familienbetrieb mit Tradition. Er stellt Türen, Tore, Geländer, Treppen, Vordächer, Balkone und Verglasungen her und arbeitet für Architekten und private Kunden in der Region und bis in die Westschweiz.

«Für uns ist das eine gute Werbung», sagt Hanspeter Wolfisberg, Mitinhaber und Geschäftsführer. Er selbst hat früher Leichtathletik gemacht, heute rudert er. «Junge Leute, die Sport machen, begeistern mich», sagt er. Julian absolvierte im Betrieb zusammen mit einem Kollegen eine Schnupperlehre. «Beide waren sehr gut», erzählt Wolfisberg. «Deshalb haben wir auch beschlossen, erstmalig zwei neue Auszubildende im gleichen Lehrjahr aufzunehmen und so Julian in seinen sportlichen Ambitionen zu unterstützen.»

Das ist nicht selbstverständlich: Einen Lehrling zu beschäftigen, der sich leistungssportlich betätigt, ist eine Herausforderung. «Von uns als Betrieb verlangt das Flexibilität», so Wolfisberg. «Wenn Julian unregelmässig fehlt, müssen wir umstellen. Ausserdem müssen wir das gleiche Ausbildungsprogramm in kürzerer Zeit unterbringen.» Im Amt für Berufsbildung hat Hanspeter Wolfisberg eine Beraterin für anfallende Fragen. Die Dachorganisation Swiss Olympic gibt den Rahmen für Vereinbarungen und Verträge vor.

Ausgeprägter Leistungswille

Konkret heisst das: Julian Schumacher hat eine 36-Stunden-Woche statt der üblichen 40 Stunden. Das ist sogar vertraglich festgehalten. «Den halben Tag schenken wir ihm», sagt sein Chef. Donnerstagmorgens trainiert der Lehrling. Und wenn er Berufsschule in Sursee hat, kann er dort im Fitnessraum sein Konditionstraining ableisten. Training, Wettkampf, Beruf und Schule unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach.

Zu manchen Wettkämpfen wie zu dem nach Slowenien fährt Julian bereits donnerstags an. «Für mich ist wichtig, zu wissen, wann ich was mache», berichtet der Leistungssportler. Wie gut, dass ihm der Betrieb den Rücken frei hält. Versteckte Lästereien hat er nicht zu befürchten. Montags nach Wettkämpfen kommen interessierte Nachfragen, wie es denn gelaufen sei. Mit einer Art väterlichem Stolz blickt Hanspeter Wolfisberg auf den Schützling. «Er hat einen ausgeprägten Leistungswillen und arbeitet zielorientiert und motiviert.»

«Botschafter für Jugendliche»

Und wie läuft es im Sport? Das Nachwuchstalent hat bereits die Schweizer Meisterschaften U-16-Standard für sich entschieden. Mit den Selektionswettkämpfen für die Junioren-WM in Amerika hat es zwar für dieses Mal noch nicht geklappt. Als Jüngster von allen Athleten konnte er sich gegen die starke Konkurrenz noch nicht durchsetzen. Aber Julian trainiert weiter. Sein Ziel ist ein Top-Ten-Platz im Alpencup. Immerhin: In Tirol hat es im Dezember für einen Podestplatz gereicht. Über sein Privileg bei Wolfisberg ist er sich im Klaren: «Ich verstehe mich als eine Art Botschafter für viele Jugendliche.»