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SARNEN: Er trägt die Last mit einiger Leichtigkeit

Franz Enderli steht am Zentralschweizerischen Jodlerfest an der Spitze des OK. Er sieht sich nicht als blosse «Symbolfigur» – und findet am Jodeln auch etwas Spirituelles.
Adrian Venetz
Franz Enderli hat sich eine Tschifere umgehängt. Die Vorfreude auf das Jodlerfest in Sarnen steigt beim OK-Präsidenten Tag für Tag. (Bild Corinne Glanzmann)

Franz Enderli hat sich eine Tschifere umgehängt. Die Vorfreude auf das Jodlerfest in Sarnen steigt beim OK-Präsidenten Tag für Tag. (Bild Corinne Glanzmann)

Adrian Venetz

Besuch im Büro bei Franz Enderli, Bildungs- und Kulturdirektor und OK-Präsident des 60. Zentralschweizerischen Jodlerfests in Sarnen. «Wie machen wir das am besten?», fragt er unsere Fotografin. Ihr geschulter Blick fällt gleich auf die Tschifere, die in einer Ecke von Enderlis Büro steht. Genau damit! Schliesslich steht sie als das Obwaldner Symbol fürs Jodlerfest. Erst etwas unbeholfen, dann aber doch mit sichtlichem Vergnügen hängt sich der Regierungsrat die leere Tschifere über die Schulter – mit Leichtigkeit. Doch wie gross ist die Last auf seinen Schultern, wenn er dem Grossanlass vom Wochenende entgegenblickt? Ein Gespräch über hohe Erwartungen, Kribbeln im Bauch und das hebräische Wort für «Kehle».

Wie sind Sie zu dieser wunderschönen Tschifere gekommen?
Franz Enderli:
OK-Vizepräsident Peter Rohrer hat sie als Dekoration einmal zu einer Sitzung mitgebracht. Danach durfte ich die Tschifere mit in mein Büro nehmen – sie gefällt mir. Und sie wird sicher auch am Jodlerfest zum Einsatz kommen.

Dürfen Sie die Tschifere danach behalten?
Enderli:
Leider nein – sie gehört nicht mir.

Welchen Bezug haben Sie ganz allgemein zur Volksmusik?
Enderli:
Volksmusik hatte immer einen Platz in meinem Leben. Der Jodelgesang kam allerdings erst im Erwachsenenalter dazu. Der ist mir vor allem in den letzten zwanzig Jahren nähergekommen.

Jodeln, Fahnenschwingen und Alphornblasen: Wenn Sie als kleiner Bub fleissig geübt hätten, wo wären Sie am ehesten ein Meister Ihres Fachs geworden?
Enderli:
(lacht) Als Fahnenschwinger vermutlich nicht. Da braucht es viel Geschick in der Hand – das habe ich weniger. Am ehesten wäre ich ein Jodler geworden. Ich habe immer schon gern gesungen.

Schon mal in ein Alphorn geblasen?
Enderli:
Ja, das hab ich schon ausprobiert. Gefällt mir auch sehr gut.

Kam etwas Anständiges dabei raus?
Enderli:
Das kann man nicht direkt behaupten. Aber immerhin brachte ich ein paar Töne heraus.

Vom Eidgenössischen Jodlerfest 1993 in Sarnen spricht man noch heute. Oft hört man: Besser kann ein Fest kaum werden. Wie gross ist der Druck, die hohen Erwartungen zu erfüllen?
Enderli:
«Sarnen 93» ist zu einer grossen Marke geworden. Das hat man natürlich bei den Vorbereitungen zum diesjährigen Jodlerfest von Anfang an gespürt. Die Güte, die Qualität des damaligen Eidgenössischen Jodlerfests schwebt wie ein Massstab über dem OK. Und es prägte eindeutig auch unsere Vorbereitungen. Ich sehe das aber weniger als Druck, sondern vielmehr als Motivation.

Stehen Sie als OK-Präsident lediglich als «Symbolfigur» an der Spitze und können sich sonst zurücklehnen, was die Organisation betrifft?
Enderli:
Nein. Es war von Anfang an mein Wunsch: Wenn ich OK-Präsident bin, möchte ich auch möglichst nahe dabei sein und bei wichtigen Entscheiden mitreden. Aber natürlich werde ich dabei von Leuten unterstützt, die noch viel mehr Zeit, Wissen und Erfahrung einbringen. Immerhin sind wir seit knapp dreieinhalb Jahren an den Vorbereitungsarbeiten. Meine Aufgabe ist es vor allem, den «Laden» zusammenzuhalten, das Fest zu verkaufen und zu repräsentieren. Was all die ehrenamtlichen Helfer leisten, beeindruckt mich tief. Dieses Herzblut, diese Freude – das steckt richtig an, das gibt Schwung.

Was waren die grössten Herausforderungen für das OK?
Enderli:
Zu Beginn waren es natürlich die Personalfragen: Wie besetzt man die verschiedenen Ressorts? Wen und wie viele Leute braucht es in den einzelnen Unterressorts? Immerhin: Das erweiterte OK besteht aus fast 100 Leuten. Dann das ganze Thema Sponsoring, das Personal, die Infrastruktur, die Festwirtschaft – das waren grosse Brocken. Auch am Fest-Motto haben wir lange herumstudiert.

«Fyyrä bi dä Tschifeler» – war das eine spontane Idee an einer Sitzung?
Enderli:
Nein, das war ein Prozess über mehrere Wochen. Man hat andere Mottos gefunden, wieder verworfen, wieder diskutiert. «Fyyrä bi dä Tschifeler» gefällt mir besonders wegen der Doppeldeutigkeit im Wort «Fyyrä». Einerseits ist damit das «Feiern» gemeint, anderseits auch das «Feuern» – das innere Feuer, das in den Herzen lodert.

Wie muss man sich die Arbeit in so einem OK vorstellen? Läuft da immer alles ganz harmonisch ab oder «tätscht» es zwischendurch auch?
Enderli:
Immer ganz harmonisch läuft das nicht. Es gab auch Auseinandersetzungen, wenn Leute in einer bestimmten Frage unterschiedliche Auffassungen hatten. Da gilt es dann, Lösungen zu finden. Auch hier ist der Präsident als Vermittler gefragt. Das sind aber Ausnahmen. Im OK arbeiten genügend erfahrene Leute.

Erfahrene Profis im OK, enorm motivierte und fleissige Helfer – einen wichtigen Faktor aber kann man nicht beeinflussen: das Wetter.
Enderli:
Das Wetter ist natürlich immer wieder ein grosses Thema. Keine Frage: Das beschäftigt uns alle sehr. Wir haben eine gute Infrastruktur und können das Fest wetterunabhängig durchführen. Aber zur guten Stimmung trägt natürlich Sonnenschein viel bei. Würde es während des Umzugs oder während der Festakte ständig regnen, wäre das einfach schade.

Ist man als OK-Präsident bis zur letzten Sekunde angespannt oder kann man auch in geselliger Runde ein Glas Wein geniessen?
Enderli:
Auch während des Fests trifft sich das OK noch zu Sitzungen. Zudem habe ich natürlich gewisse feste Termine, an denen ich präsent sein muss – etwa bei Begrüssungen und Ansprachen. Aber ich hoffe schon, dass ich zwischendurch einfach nur zuhören und geniessen kann.

Sie sind studierter Theologe. Wo sehen Sie eine Verbindung zwischen dem Naturjodel und der Spiritualität?
Enderli:
Beim Jodeln kommt wie in der Spiritualität die Seele zum Ausdruck, eine Form von tiefer, innerer Freude. Vor vielen Jahren musste ich fürs Studium Hebräisch lernen. Das Wort «Kehle» – also auch der Ort, wo das Jodeln seinen Sitz hat – heisst auf Hebräisch «näfäsch». Dasselbe Wort steht auch für die Begriffe «Leben» und «Seele». Also Kehle, Leben und Seele – ich finde dies eine sehr schöne, treffende Verbindung. Genau dies gefällt mir am Jodelgesang: die ungekünstelte, echte Lebensfreude, die zum Ausdruck kommt.

Soll diese Authentizität auch am Jodlerfest in Sarnen gelebt werden?
Enderli:
Ja, unbedingt. Wir benutzen im OK immer drei Begriffe, die sich wie ein Leitfaden durchs Jodlerfest ziehen sollen. Die Worte lauten: einfach, gemütlich, echt. Und das Fest setzt den Fokus klar auf Jodelgesang, Alphörner und Fahnenschwingen. Wir verzichten beispielsweise bewusst auf Musikformationen – das gab natürlich auch zu Diskussionen Anlass. Aber wir wollen nicht in jedem Festzelt eine Ländlerformation und eine «Dauerbeschallung». Damit lassen wir auch Raum für spontane Musikeinlagen und vor allem fürs Jodeln.

Sie haben bereits die grosse Arbeit im Bereich Sponsoring angesprochen. Ist man finanziell auf gutem Weg?
Enderli:
Beim Sponsoring habe ich stark gespürt, dass das Jodeln in einer breiten Bevölkerungsschicht eine grosse Akzeptanz und Wertschätzung geniesst. Das Sponsoring war schon aufwendig, aber es lief relativ gut. Da gab es einige schöne Erlebnisse: Leute, Vereine oder Unternehmen, die – sogar von ausserhalb des Kantons – spontan angefragt haben, ob sie uns sponsern dürfen. So etwas macht grosse Freude.

Das Volkskulturfestival Obwald beginnt gerade mal vier Tage nach dem Jodlerfest. Ein Nachteil?
Enderli:
Nein, ich denke nicht. Es sind zwei unterschiedliche Anlässe mit unterschiedlichen Ansätzen. Ich glaube nicht, dass sich das «beisst». Ich freue mich auf das Jodlerfest, und danach gehe ich auch gerne ans Obwald.

Obwald-Leiter Martin Hess hat sich mit einigen Aussagen in unserer Zeitung bezüglich der «Echtheit» der Obwaldner Volkskultur etwas in die Nesseln gesetzt. War das im OK auch ein Thema?
Enderli:
Offiziell diskutiert haben wir das nie, aber in persönlichen Gesprächen hat man das Thema natürlich oft angeschnitten. Die Aussagen von Martin Hess haben viele Leute tief verletzt. Das war schade. Aber er hat sich für diesen Fauxpas entschuldigt.

Und zum Schluss: Worauf freuen Sie sich am meisten als OK-Präsident des 60. Zentralschweizer Jodlerfests?
Enderli:
Da möchte ich mich nicht auf einen bestimmten Moment festlegen. Aber es ist gut, dass es nun losgeht. Die Zeit ist reif. Es «kribbelt» bei allen richtig im Bauch. Am meisten freue ich mich, wenn ich am Sonntagabend sagen kann: «Das war ein richtig gutes Fest.»

Jodlerfest: Einen bisherigen Artikel dazu verpasst? Hier finden Sie alle: www.obwaldnerzeitung.ch/bonus

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