SARNEN: Er war der geborene Busch-Missionar

Walter Wettstein ist 94-jährig in Südafrika ge­storben. Dort sorgte er für die einfachen Leute. Mit seinen originellen Briefen pflegte er Freundschaften in der Heimat.

Karl Imfeld*mitarbeit Christoph Riebli
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Pater Franz Xaver (Walter Wettstein) mit drei Generationen seiner Gläubigen. (Bilder Archiv Adolf von Atzigen)

Pater Franz Xaver (Walter Wettstein) mit drei Generationen seiner Gläubigen. (Bilder Archiv Adolf von Atzigen)

«Ich werde nie mehr zurückkommen», sagte er 1950, als er über England nach Südafrika reiste. Er könne das Weinen der anderen beim Abschied nicht leiden, lautete die Begründung des Sarner Missionars. In die Heimat zurückgekommen ist der Wettstein Walti tatsächlich nie mehr. Er ist am 2. März kurz nach seinem 94. Geburtstag gestorben. Erst vor wenigen Tagen hat diese Nachricht seine alte Heimat erreicht. Seine letzten Jahre hatte er gut umsorgt im Kloster Mariannhill (Natal, Südafrika) verbracht.

Walter Wettstein, oder eben Pater Franz Xaver, wurde am 29. Februar 1920 in Oberrüti AG geboren. Sein Vater wurde bald darauf Bahnhofvorstand in Sarnen. Der Vortrag eines Afrikamissionars begeisterte Wettstein so, dass er sich etwas verspätet entschloss, in Altdorf und Sarnen das Gymnasium zu machen und 1943 in das Noviziat der Mariannhiller in Brig einzutreten. 1949 feierte er seine Primiz in Sarnen. Ein Jahr später reiste er ab – es konnte ihm nicht schnell genug gehen.

Brückenbauer gegen Vielweiberei

Franz Xaver hat nie eine Kirche oder eine Schule gebaut, aber zusammen mit seinen Missionsbrüdern die «Wettsteinbridge», eine Eisenbrücke über einen gefährlichen Bachübergang. Über sich selbst bemerkte er: «Ich bin nie ein richtiger Missionar geworden, da ich nie in die Heimat zurückgegangen bin, um viel Geld zu sammeln. Das wäre gegen meine Art gewesen.» Dennoch war er der geborene Busch-Missionar. Trotz seiner Behinderung – er stotterte leicht – lernte er die einheimische Sprache Xhosa. Stellenwechsel gehörten nicht zu seinen Vorlieben, und so verstanden ihn die Buschleute mit der Zeit. Mit einigen Freunden in der Heimat unterhielt er einen originellen Briefverkehr. Er berichtete wenig von Erfolgen, aber etwa von seinem Ärger, den er mit den bekehrten Männern hatte, die jetzt zwar das Glaubensbekenntnis beteten, aber weiter mit ihren vier, fünf Frauen zusammenlebten. Einem wollte er das abgewöhnen und gab ihm auf der kleinen Missionsstation Arbeit. Nachts, wenn der Gottesmann schlief, schlich der andere Mann zu seinen Frauen. Er habe ihnen laut und deutlich gepredigt, sie seien auch als Christen bei den Gewohnheiten ihrer Väter geblieben, hiess es dazu später in einem Brief von Wettstein.

Im Geist über den Brünig

«Er war eine grossartige Persönlichkeit», sagt der ehemalige Sarner Pfarrer und Brieffreund Adolf von Atzigen. Die Briefe seien sein «Jammerrücken» gewesen. Bestimmt habe er unter den Leuten und deren Sitten auch gelitten. «Doch auf den Bildern, die er uns schickte, schaut man in ein zufriedenes Gesicht.» Obwohl Südafrika zu Wettsteins Heimat wurde – «ein Staat, der nicht gut zu seinen Leuten schaute», – habe er sich immer mit Sarnen verbunden gefühlt.

Dies zeigte sich auf sonderbare Weise: Als Bähnlersohn interessierte er sich bis zuletzt für die Brünig-Bahn. Von Zeit zu Zeit bat er, ihm die neuen Fahrpläne zu schicken – die alten kenne er auswendig. Auch die neuen Züge bis zum «Adler» und «Fink» interessierten ihn. Er bat um Fotos und reiste im Geist mit nie gekanntem Komfort über den Brünig.

* Der Autor und frühere Kernser Pfarrer Karl Imfeld hatte mit Walter Wettstein Briefkontakt.