SARNEN: Er will Etappenankunft auch geniessen

Am Sonntag macht die Tour de Suisse in Sarnen Halt. Diesem Etappenziel arbeitet der Bauchef Felix Rennhard mit Gelassenheit entgegen.

Primus Camenzind
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Felix Rennhard mit Rennrad bei der Sarner Dorfkapelle. (Bild Corinne Glanzmann)

Felix Rennhard mit Rennrad bei der Sarner Dorfkapelle. (Bild Corinne Glanzmann)

Er steht mit seinem kostbaren Rennrad auf der bis jetzt noch imaginären Ziellinie bei der Sarner Dorfkapelle und überfährt diese mehrmals. Die Gedanken des seit Ende Mai pensionierten Felix Rennhard hängen in diesen Augenblicken nicht so sehr an den organisatorischen Herausforderungen, die er als Bau- und Infrastrukturchef mit seinem Team am Etappenziel in Sarnen zu bewältigen hat. Den ehemaligen Radprofi (1969–1973) holt die Vergangenheit ein: «Jene Zeit, als ich an der Tour de Suisse selber um Etappenränge gekämpft habe. Zielankünfte waren für mich meistens ein schönes Erlebnis, das kommt jetzt in mir hoch, und es macht mich ‹kribbelig›», erklärt er unserer Zeitung.

Aktive Mithilfe angeboten

Als Vizepräsident des Rad- und Mountainbikeclubs (RMC) Kerns-Kägiswil setzte sich Felix Rennhard beim Gemeinderat von Sarnen für die Übernahme eines Etappenziels ein. «Wegen meiner Leidenschaft für den Radsport bot ich auch aktive Mithilfe an und erbte umgehend das Amt des Bau- und Infrastrukturchefs», sagt der gelernte Automechaniker, der 38 Jahre lang in der Garage Windlin in Kerns eine Kaderposition innehatte. Sarnen kandidierte, hatte Erfolg und machte damit nicht zuletzt auch den radsportbegeisterten Vater von vier Kindern glücklich und stolz: «Bei der Tour de Suisse ist alles grösser und aufwendiger», gibt Rennhard zu bedenken. Die Ruhe verliert er deswegen aber nicht.

«Wir arbeiten in Bezug auf die Absperrungen und damit zusammenhängend die Sicherheit mit der hiesigen Kantonspolizei ausgezeichnet zusammen – auch wenn es ab und zu kurzfristig ist», betont er aus den Erfahrungen zahlreicher früherer Rennen in der Region. Sein Team, 70 Helferinnen und Helfer, ist nicht nur für die Bauten, sondern unter anderem auch für die Entsorgung, die Stromzufuhr, die Umfahrungen und die Absperrungen auf den letzten zwei Rennkilometern zuständig.

Viel Arbeit auf dem Dorfplatz

Am Sonntagabend erscheint das «Zielteam» der Tour de Suisse und baut die Installationen auf dem Sarner Dorfplatz ab, um diese umgehend zum nächsten Etappenziel nach Heiden zu transportieren. Umgehend tritt auch das «Starterteam» auf den Plan. Es installiert die Infrastruktur für den Start am Montagmorgen. «Unterschiedliche Bedürfnisse, neue Stände, ein neues VIP-Zelt, andere technische Anlagen», gibt Felix Rennhard zu bedenken. «Weil das alles ziemlich komplex ist, hilft unser Team beim Wechsel tatkräftig mit.» Dasselbe gilt auch beim Auf- und Abbau der Absperrgitter am Strassenrand. In diesem äusserst wichtigen Bereich werden Verantwortliche der Tour de Suisse die Arbeiten des Teams von Rennhard kontrollieren. Seinen eigenen Arbeitsaufwand in Stunden kann und will er gar nicht abschätzen. «Das ist mir egal. Ich bin seit einer Woche pensioniert und habe dadurch etwas mehr Zeit zur Verfügung», begründet er. «Zudem macht mir das Ganze richtig Spass», lässt er uns wissen.

Genuss vor der Grossleinwand

Am Sonntag schlägt sein Herz hingegen weniger als OK-Mitglied, sondern vielmehr als ehemaliger Radrennfahrer. «Ich mach mir meine Gedanken zu dieser mannschaftstaktisch anspruchsvollen Etappe und werde die letzten zwei Stunden auf der Grossleinwand geniessen», sagt er.

Und hat er die Ruhe bisher nicht verloren, wird sie ihm auch bis Sonntag kaum abhanden kommen. Beweis gefällig? «Trotz meiner zahlreichen Termine bin ich am Pfingstmontag 170 Kilometer auf dem Rennrad gefahren – und wenn dieses Gespräch zu Ende ist, werde ich nochmals eine bis zwei Stunden in die Pedale treten, bevor die nächste Sitzung ansteht», gibt der 65-jährige Sportler zu verstehen. «Aber im Moment muss ich mir diese Zeit schon stehlen», gesteht Rennhard ein.