SARNEN: Erinnerungen werden Geschichten

Die gebürtige Nidwaldnerin Renata Bünter beschäftigt sich in der Hofmatt mit dem Thema Erinnerungen. Oft mit einem Augenzwinkern.

Romano Cuonz
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Renata Bünter erinnert mit ihrer Skulptur im Panoramazimmer der Galerie Hofmatt an eine Bewegung des Umblätterns. (Bild: Romano Counz / Neue OZ)

Renata Bünter erinnert mit ihrer Skulptur im Panoramazimmer der Galerie Hofmatt an eine Bewegung des Umblätterns. (Bild: Romano Counz / Neue OZ)

«Sie winkt», lautet der eher seltsame Titel, den die Nidwaldnerin Renata Bünter über ihre Ausstellung in der Sarner Galerie Hofmatt setzt. Winken ist eine Tätigkeit, welche schon kleine Kinder kennen und welche meist in kurzen, flüchtigen Momenten geschieht. Im Duden liest man dazu unter anderem auch: «Jemanden durch eine Handbewegung auffordern, heranzukommen oder jemandem ein Zeichen geben.» Beides könnte zu Renata Bünters Ausstellung passen: Ihre auf Papierrollen angebrachten Zeichnungen und Texte, die sie im Galerieraum zeigt, sind alle während der letzten Monate entstanden. Die «Fundstücke» in der Kellernische erinnern, oft augenzwinkernd, an vergangene Skulpturen der Künstlerin. Tagebuchartige Beschreibungen von Momenten und Situationen sind es, welche eine kurze Bewegung oder einen flüchtigen Moment in Bild und Worten festhalten. Die Künstlerin «winkt». Lädt Besuchende ein mitzudenken. Selber in Erinnerungen zu kramen. Eigene Skizzen zu entwerfen. «Das künstlerische Werk bildet den Prozess der Erinnerung nach und lässt uns partizipieren», erläutert die Kunsthistorikerin Susanne Schneemann den Prozess.

In Bern bekannt geworden

Renata Bünter wurde 1962 in Büren geboren. Nach der Weiterbildung an der Luzerner Gestaltungsschule «Farbmühle» zog sie nach Bern, wo sie an der Hochschule der Künste die Fachklasse Bildende Kunst mit dem Diplom abschloss. Bewegt war ihre weitere berufliche Karriere: Bei der Weiterbildung konsularischer Mitarbeiter beim EDA war sie Tutorin für zeitgenössische Kunst. Im Inselspital Bern beteiligte sie sich an klinischen Forschungen, und auch in der Nationalbibliothek oder an der Schule für Gestaltung in Bern war sie tätig. Seit 1993 lässt Renata Bünter an Gruppen- oder Einzelausstellungen aufhorchen. 2012 erhielt sie den Monografie-Preis des Kantons Bern.

Erinnerungen aus der Kindheit

Gleich im Entree zur Hofmatt stechen Besuchenden grossformatige Plakate in die Augen. Sie machen auf die Videos «Montag» und «Dienstag» aufmerksam. Renata Bünter hat sie 2012 und 2013 geschaffen und zeigt sie nun im Gewölbekeller. «Gegenwärtig arbeite ich an einem Videoprojekt, das aus sieben Bildern besteht», sagt die Künstlerin. «Benannt sind die Filme nach Wochentagen, weil sie Alltägliches repräsentieren.» In der Tat: Jedes Video entspricht einer Erinnerung aus der Nidwaldner Kindheit von Renata Bünter. Da ist etwa der Grossvater, welcher mit dem Karabiner Zielübungen macht, während Grossmutter den Rosenkranz betet und das Kind dazwischen herumhüpft. Oder beim «Dienstag»: Ein kleines Kind sitzt hinter einem Klavier, liest in einem Buch, derweil seine pubertären Schwestern sich vor dem Spiegel herausputzen. «Mit wenig Ton und aufs Minimum reduzierten Handlungen sollen die Videos nicht bloss Erinnerungsstücke sein, sondern den Zuschauern ermöglichen, sich auch irgendwo darin zu finden», hofft sie. Typisch für Renate Bünter: Im Panoramazimmer, welches mit seinen Fresken an sich schon voller Geschichten ist, hat sie mit der Skulptur «ohne Ende» ein leeres, aus Gipsplatten bestehendes Buch installiert. Es soll so an eine Bewegung des Umblätterns erinnern. Und das kleine Mädchen aus dem Video? Es scheint dabei zu stehen und den Besuchern zuzuwinken ...