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SARNEN: «Eselei» brachte den Dorfbrunnen zu Fall

Der Sarner Dorfbrunnen hat schon einiges erlebt. Die heutige Bruder-Klaus-Statue ist allerdings noch gar nicht so alt. Sie musste vor gut 60 Jahren ersetzt werden, weil ein angetrunkener Ramersberger auf eine ziemlich dumme Idee kam.
Adrian Venetz
Der Sarner Dorfbrunnen am Landsgemeindesonntag vom 24. April 1966. Wegen einer Sanierung der Wasserleitungen wurde die Säule samt Statue abmontiert. (Bild: PD)

Der Sarner Dorfbrunnen am Landsgemeindesonntag vom 24. April 1966. Wegen einer Sanierung der Wasserleitungen wurde die Säule samt Statue abmontiert. (Bild: PD)

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Unser historisches Bild vom 24. April 1966 zeigt den Sarner Dorfplatz mit dem Von-Wyl-Haus und dem Dorfbrunnen, im Hintergrund den Landenberg, wo gerade eine Landsgemeinde beginnt. Doch fehlt da nicht etwas auf dem Bild? Genau: Der Brunnen ist «oben ohne» – die Säule mit Bruder Klaus ist verschwunden. Wer sich auf die Spuren dieses Bildes begibt, erfährt rasch, dass der Grund für das Fehlen der Säule eher banal ist: Der Dorfbrunnen wurde damals saniert, weil die Wasserzuleitungen rostig und defekt waren. Deshalb musste die Säule mit der Bruder-Klaus-Statue kurzzeitig abmontiert werden.

Elf Jahre zuvor war der Dorfbrunnen ebenfalls «oben ohne», und diese Geschichte ist weit aussergewöhnlicher. Ein Journalist hatte damals zwar Fotos vom Dorfbrunnen gemacht, die Filmrolle wurde indes beschlagnahmt. Was war passiert? Es handelt sich um einen Vorfall vom 13. März 1954. Der «Obwaldner Volksfreund» berichtete folgendermassen darüber:

«Am Samstagabend kam ein Bursche auf den nicht gerade intelligenten Einfall, auf den Dorfbrunnen zu steigen und die Säule, auf der eine Statue des heiligen Bruder Klaus steht bzw. stand, zu erklettern. Die in Sandstein gehauene Figur war aber nicht derart standfest, dass sie der Umarmung dieses etwas angetrunkenen Burschen standhielt. Sie gab nach und stürzte mitsamt dem Säulenkletterer von ihrem Podest und zerbrach in viele Stücke.»

Von dieser «Eselei eines Einheimischen», wie der «Obwaldner Volksfreund» den Vorfall nannte, hatte auch die Polizei Kenntnis. Ein Polizist, der kurz vor Mitternacht im Dorf auf Kontrollgang war, kriegte den Unfall sogar direkt mit – zumindest akustisch. Er vernahm – so ist im damaligen Polizeirapport zu lesen – «plötzlich aus der Nähe des Hauses Papeterie Spichtig einen heftigen Krach von einem stürzenden, schweren Gegenstande». Als der Polizist sich zum Tatort begab, sah er den 25-jährigen Übeltäter «regungslos am Boden». Der Sockel samt Bruder-Klaus-Statue aus Sandstein lag «zerbrochen teilweise im Brunnen und aussen herum, wovon ein grösseres Stück sich auf dem Schadenstifter befand». Der Täter, gemäss Polizeibericht ein Ramersberger Handlanger namens Frunz, wurde von der Polizei einvernommen und begab sich danach in ärztliche Pflege.

Baudirektion zog den Sünder zur Rechenschaft

Bereits wenige Tage später lag der Fall auf dem Tisch der Regierung. Es wurde beschlossen, die Fragmente der alten Statue im Heimatmuseum unterzubringen. Da der Sandstein bereits «spröde und stark verwittert» war, kam «ein Zusammenfügen nicht in Frage». Der Ramersberger wurde mit 40 Franken gebüsst, zudem musste er 5.50 Franken an die Untersuchungskosten zahlen. Man kam zum Schluss, dass der 25-Jährige die Staute nicht mutwillig zerstört hat, sondern nur wegen «groben Unfugs» zur Rechenschaft gezogen wird. Weitaus teurer wurde das anfängliche Versprechen des Beschuldigten, für den Ersatz des verursachten Schadens auf­zukommen. 2000 Franken stellte ihm das Baudepartement schliesslich in Rechnung. Dieser Betrag reiche zwar nicht, um den Schaden gutzumachen, könne dem Schuldigen jedoch zugemutet werden. Der Ramersberger Übeltäter aber bereute sein Versprechen und wehrte sich. Kein Wunder: Er besass kein Erspartes und arbeitete als Handlanger auf einer Baustelle beim Flugplatz Buochs, dies zu einem Stundenlohn von 2.23 Franken. Dem Kanton schwante Übles. In einem Brief der Staatskasse an die Baudirektion und die Justizdirektion heisst es: «Damit die Forderung nicht verjährt, ist es vielleicht angezeigt, wenn die kantonale Justizdirektion den Sünder vor den Kadi zieht.»

Für die Neuanfertigung einer Bruder-Klaus-Statue führte die Regierung einen Wettbewerb unter vier Bildhauern durch. Darunter war auch der schweizweit bekannte Sarner Bildhauer Hugo Imfeld (1916–1993). Mit den eingereichten Skizzen konnte die Jury indes nicht viel anfangen. Gleichzeitig scheute sie sich davor, den Künstlern vorzuschreiben, wie die Statue des Heiligen auszusehen hat. Daraufhin beschloss die Regierung am 24. August 1955, lediglich eine Kopie der zerstörten Bruder-Klaus-Figur anfertigen zu lassen. Der Auftrag ging schliesslich an den Luzerner Bildhauer Paul Kyburz, dies zu einem festgelegten Preis von 2650 Franken.

Alte Figur steht noch immer im Sarner Museum

Derweil war der Übeltäter noch nicht aus dem Schneider. Es sei ihm unmöglich, die 2000 Franken aufzubringen, liess er die Justizbehörden wissen. Man möge doch den Betrag auf 1000 Franken senken – dann könne er das Geld vielleicht in Raten abzahlen. Die Obwaldner Regierung kam ihm ein Stück entgegen und verpflichtete ihn zur Zahlung von 1500 Franken. Ob der 25-jährige Ramersberger diesen Betrag schliesslich aufbringen konnte, geht aus den Akten im Staatsarchiv Obwalden nicht mehr hervor.

Der alte, vom angetrunkenen Jüngling zerstörte Sockel mit der Bruder-Klaus-Figur ist übrigens nach wie vor im Historischen Museum in Sarnen zu bewundern. Die Figur steht im Eingangs­bereich. Die Einzelteile wurden zusammengefügt, und «man sieht fast nicht mehr, dass sie kaputt war», sagt Museumsleiterin Klara Spichtig.

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