SARNEN: Gericht glaubt einem Schnellfahrer nicht

Erlaubt wären 50 Stundenkilometer. Doch ein Töfffahrer gab mit seiner 190-PS-Ducati Gas und fuhr auf der Schwanderstrasse mit Tempo 108. Die «Quittung» stellte nun das Kantonsgericht aus.

Robert Hess
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Um netto 54 km/zu schnell fuhr ein Motorradfahrer auf der Schwanderstrasse. Er musste sich vor Kantonsgericht Obwalden verantworten. (Bild: Robert Hess (Sarnen, 1. März 2017))

Um netto 54 km/zu schnell fuhr ein Motorradfahrer auf der Schwanderstrasse. Er musste sich vor Kantonsgericht Obwalden verantworten. (Bild: Robert Hess (Sarnen, 1. März 2017))

Robert Hess

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Der damals in Luzern wohnhafte spanische Staatsangehörige un­ternahm mit seinem Motorrad «Ducati» Typ 1199 Panigale eine Vergnügungsfahrt von Luzern in Richtung Glaubenberg. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Obwalden wurde das Motorrad an jenem 19. Oktober 2013 kurz nach 15 Uhr auf der Schwanderstrasse Richtung Stalden mit 108 Stundenkilometern vom Radargerät der Kantonspolizei erfasst.

Erlaubt waren auf dieser ­Innerortsstrecke höchstens 50 km/h. Nach Abzug der Toleranz verblieb eine strafbare Tempoüberschreitung von 54 km/h. Damit galt der heute 31-Jährige als Raser. Der Führerausweis wurde ihm von der Administrativbehörde im Jahre 2014 rückwirkend auf Oktober 2013 auf unbestimmte Zeit entzogen. Er ist auch heute noch ohne Fahrerlaubnis.

Der inzwischen im Kanton Zürich wohnhafte Beschuldigte musste sich vergangene Woche vor dem Kantonsgericht Obwalden verantworten. «Ein solcher Geschwindigkeitsexzess auf einer Innerortsstrecke ist nicht entschuldbar», erklärte Staatsanwalt Jürg Boller an dessen Adresse. Dieser habe ein «hohes Risiko auf sich genommen, einen Unfall mit verheerenden Folgen zu verursachen». Dass nichts passiert sei, sei nur Glück.

Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb, den Motorradfahrer «der vorsätzlichen qualifiziert groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Artikel 90 Strassenverkehrsgesetz schuldig zu sprechen. Weiter wurde der Beschuldigte wegen vorsätzlichen Führens des Motorrades «in nicht vorschriftsgemässem und nicht betriebssicherem Zustand» angeklagt. Der Motorradfahrer hatte nämlich zu seiner «Entlastung» angegeben, er habe den Tacho damals auf der Fahrt nicht ablesen können, «da der Deckel nicht abdichtete und die Scheibe kondensieren liess».

«Irrtum über zulässige Höchstgeschwindigkeit»

Der Verteidiger des Beschuldigten beantragte, die strafbare Tempo-Überschreitung um 30 auf 24 Stundenkilometer zu reduzieren und seinen Mandanten nur dafür zu bestrafen. Seine Begründung: Sein Mandant sei nicht vorsätzlich um über 50 km/h zu schnell gefahren, sondern davon ausgegangen, dass er sich im Ausserortsbereich befinde. Er habe deshalb irrtümlich eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h angenommen. Ausserdem sei er nicht in einem Zuge so schnell gefahren, sondern sei überholt worden und habe dann seinerseits an einer übersichtlichen Stelle beschleunigt und überholt, ohne andere Verkehrsteilnehmer konkret zu gefährden. Sein Mandant habe «nicht vorsätzlich und rücksichtslos, sondern unbewusst fahrlässig gehandelt.»

Nicht mehr als eine Schutzbehauptung

Diese Argumente der Verteidigung wollte der Staatsanwalt nicht gelten lassen. Die Höchstgeschwindigkeit 50 sei klar signalisiert gewesen, und angesichts der örtlichen Verhältnisse auf diesem Streckenabschnitt mit zwei Fussgängerstreifen, verschiedenen Ein- und Ausfahrten sowie der dichten Überbauung auf einer Strassenseite habe der Beschuldigte nicht annehmen können, er befinde sich im Ausserortsbereich.

Das sei eine reine Schutzbehauptung. Der Motorradfahrer hätte auch ohne Tachoablesung merken müssen, dass er mehr als doppelt so schnell wie erlaubt fahre. Der Staatsanwalt wies ferner auf eine inzwischen eingetretene Vorstrafe hin. Bei einer polizeilichen Kontrolle im Juli 2016 sei festgestellt worden, dass der Beschuldigte ohne Fahrerlaubnis am Steuer eines Autos sass. «Dies sei ein Notfall gewesen», entgegnete der Beschuldigte.

Bedingte Freiheitsstrafe und Busse

Das Kantonsgericht folgte in seinem Urteil im Wesentlichen den Anträgen von Staatsanwalt Boller. Der Motorradfahrer wurde mit einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren, bestraft. Ausserdem hat er eine Busse von 2400 Franken zu bezahlen. Dazu kommen die Verfahrenskosten von 3600 Franken. Für das Gericht sei klar, dass der Beschuldigte mit seiner Fahrweise in Kauf genommen habe, die innerorts erlaubte Höchstgeschwindigkeit massiv zu überschreiten, meinte Kantonsgerichtspräsident Roland Infanger unter anderem in der mündlichen Begründung des Urteils. Dieses ist allerdings noch nicht rechtskräftig.