SARNEN: «Geschichten werden plötzlich wahr»

Simon Ledermann sorgt im Theater erneut für eine Uraufführung. Zum Inhalt hat sein Stück skurril musikalische Geschichten um einen «Bärg».

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Simon Ledermann (links) hat fürs Theater Sarnen zum zweiten Mal die Vorlage für eine Eigenproduktion geliefert. Hier diskutiert er mit Spieler Bruno Imfeld über dessen Rolle. (Bild Romano Cuonz)

Simon Ledermann (links) hat fürs Theater Sarnen zum zweiten Mal die Vorlage für eine Eigenproduktion geliefert. Hier diskutiert er mit Spieler Bruno Imfeld über dessen Rolle. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Schon bevor klar war, ob mein Stück eine moderne Sage oder eben doch eher eine Art Alpen-Musical werden sollte, war ich mir sicher, dass darin ein Murmeltier und ein Wolf philosophische Gespräche führen werden», sagt Simon Ledermann. Das ist wohl typisch für das Ganze. Autor Ledermann ist 46-jährig und stammt aus Lungern. Nach dem Stück «Seiler – wenn eine eifach nid lugg lahd» (2012) ist «Dr Bärg», der am Samstag im Alten Gymnasium Uraufführung feiert, bereits sein zweites, eigens fürs Sarner Theater geschriebene Stück. «Ich finde es toll, wenn Theatervereine einheimischen Autoren solche Chancen geben», sagt Ledermann. Und: «Dankbar bin ich auch für den Mut, solche Eigenproduktionen in Szene zu setzen ohne den Aufwand zu scheuen.» Was besonders animierend sei: «Es spielen viele Leute für ihre Nachbarn, Kollegen, Freunde – schlicht für Einheimische.»

«Carte Blanche» für die Gestalter

Vor diesem Hintergrund könne man als Autor genau dort anfangen, wo man selber gerade stehe. «Ins Stück ‹Dr Bärg› beispielsweise habe ich durchaus auch mein eigenes Unbehagen eingeflochten», räumt Ledermann ein. Die Sarner gaben ihm und all den andern künstlerischen Mitgestaltern eine wunderbare «Carte blanche».

«Die Hauptrolle in meinem neuen Stück spielt zweifellos der Berg», verrät Simon Ledermann. Ein Berg, wie es ihn in Obwalden durchaus geben könne: Mit einem alten Ski-, Wander- und Tourismusgebiet und einem stillgelegten Seilbähnchen.

Sämtliche Klischees in einem Topf

Ganz oben auf dem Stockhubelhorn wohnt der Eigenbrötler «Schwandmatt-Toni» mit der aus Osteuropa stammenden Frau Yelena. Zum Widersacher wird eine Naturschutzstiftung, die den Berg für 50 Jahre als Wildnis-Gebiet pachten möchte. Doch dann schleppt der Nationalrat auch noch einen chinesischen Investor an. Der will den Berg angeblich abräumen und, Stück für Stück, nach China transportieren. Doch nicht genug damit: Am Stockhubelhorn ist auch noch ein wild heulender Wolf unterwegs. Auf der Suche nach einer neuen Heimat! Und all das an einem einzigen Tag. Zu Beginn der Arbeit, so Ledermann, habe der mit ihm befreundete Regisseur Hannes Leo Meier ab und zu geseufzt: «Was, das jetzt auch noch?» Die Spieler jedoch hätten die unglaublich schräge Komödie, in der er alles in einen Topf mische, von Beginn an begrüsst. «Weil sich eben jeder und jede mit etwas in Verbindung bringen kann.»

Ein geradezu ideales Teamwork

Die Quintessenz der Komödie fasst Yelena eindrücklich zusammen, wenn sie sagt: «Erzählen wir Geschichten lange genug, werden sie plötzlich wahr, deshalb muss man aufpassen, welche Geschichten man erzählt.» Ledermann selber hebt hervor, dass er als Autor nicht Fragen beantworten müsse. Er wisse aber auch, dass er daran gemessen werde, ob er in seinem Stück das Widersprüchliche, das Mehrdeutige und Vielstimmige aufzuzeigen vermöge.

«Während der Arbeit mit dem Sarner Team fühlte ich mich nie allein», sagt Simon Ledermann. Ob er Szenen mit Regisseur Hannes Leo Meier überarbeitete, ob er mit den heulenden und Rockmusik machenden Wölfen unter der Leitung von Christov Rolla diskutierte, ob mit Bühnenbildner Adrian Hossli, Choreografin Mariana Coviello, Ausstatterin Barbara Medici, Maskenbildnerin Dione Perotti, Grafikerin Edita Vertot oder Lichtdesigner Martin Brun: «Ich wusste, wir verstehen uns prächtig und bleiben im Gespräch. Bis die Scheinwerfer zur Uraufführung aufleuchten.»

Hinweis

Dr Bärg, ein Stück von Simon Ledermann unter der Regie von Hannes Leo Meier. Uraufführung im Alten Gymnasium Sarnen am Samstag, 10. Oktober, 20 Uhr. Weitere Aufführungen bis zum 7. November.