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SARNEN: Hofmatt: Der Stangenwald bleibt stehen

Das Bauprojekt im sensiblen Hofmattgebiet stockt. Nicht zuletzt wegen eines Gutachtens des Heimatschutzes wird der Quartierplan derzeit angepasst.
Christoph Riebli
Seit zwei Jahren muss bereits um die Baugespanne auf der Hofmatt herum gemäht werden. (Bild Markus von Rotz)

Seit zwei Jahren muss bereits um die Baugespanne auf der Hofmatt herum gemäht werden. (Bild Markus von Rotz)

Christoph Riebli

Über die hohen Profilstangen in der Sarner Hofmatt ist zwar noch kein Gras gewachsen, doch schon seit zwei Jahren wippt der Stangenwald zwischen ­Sarneraa und der Pfarrkirche St. Peter und Paul mit Wind und Wetter mit. Eine gültige Eingabe des Quartierplans ist bis heute nicht erfolgt, wie die Gemeinde Sarnen auf Anfrage bestätigt. Das wäre nämlich der nächste planerische Schritt, sollten dereinst tatsächlich bis zu siebenstöckige Baukörper mit total 130 Wohnungen die Matte säumen.

In die Höhe statt in die Breite

Rückblende: Im Mai 2014 präsentierte die damalige Grundstückbesitzerin Annemarie Wirz mit ihrem Vertreter – dem heutigen Eigner – Elmar von Holzen das Siegerprojekt Hofmattpark. Im Rahmen einer Testplanung wurde vorgängig bestimmt, was auf dem 26 000 Quadratmeter grossen Grün überhaupt gebaut werden darf.

Auf die Einzonung in eine Spezialzone 2012 folgte ein Projektwettbewerb: Aus den sechs Eingaben entschied sich die Fachjury für das Projekt des Zürcher Architekturbüros Huggenberger Fries. Dieses überzeugte besonders durch den sparsamen Umgang mit dem heutigen Landwirtschaftsland: «Die Hofmatt-Wiese wird als wichtiges Kulturgut in einer maximalen Ausdehnung beibehalten», heisst es dazu im Projektbeschrieb. Der skizzierte Zeitplan: 2016 rechnete die Bauherrschaft mit der Baubewilligung. Die ersten Wohnungen sollten im «Idealfall» Ende 2018 bezugsbereit sein.

20 bis 30 Eingaben aus Mitwirkung

Seit jener Informationsveranstaltung herrscht Funkstille zum Projekt. Trotz mehrmaliger Nachfrage wollte sich Immobilien-Treuhänder von Holzen nicht zum aktuellen Stand äussern. Fest steht, der Idealfall ist nicht eingetreten: Rund 20 bis 30 Eingaben habe das Mitwirkungsverfahren mit sich gebracht, sagt der für das Bauwesen zuständige SVP-Gemeinderat Marcus Wälti auf Anfrage. «Aufgrund dieser Anliegen wird derzeit der Quartierplan angepasst.» Nebst Anwohnern und weiteren Mitwirkern – Pro Velo Unterwalden äusserte sich etwa zur Velo­parkierung sowie zu Massnahmen für den Veloverkehr, wie es im Internet heisst – hat sich auch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) eingeschaltet.

«Es ist ein sensibles Gebiet», erklärt Wälti dazu. Und das nicht bloss, weil die Hofmatt eine der letzten grünen Flächen im Dorf ist. Die benachbarte Pfarrkirche steht als Kulturgut von nationaler Bedeutung unter Denkmalschutz. Das Kirchhofen-Quartier ist als schützenswertes Ortsbild von nationaler Bedeutung im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) eingestuft.

Gutachten ist «matchentscheidend»

Ein offenes Geheimnis ist laut Marcus Wälti, dass gewisse Mitwirker lieber die grüne Wiese erhalten und eine Überbauung verhindern möchten: «Solche Einwände hätte man aber besser bei der Einzonung anbringen sollen.» Das Land liege mittlerweile in einer Spezialzone – und könne deshalb grundsätzlich überbaut werden –, das sei von der Gemeinde damals auch explizit so kommuniziert worden. «Die Leute sträuben sich grundsätzlich gegen jegliche bauliche Veränderungen in ihrem unmittelbaren Umfeld», stellt Wälti bei seiner Arbeit allgemein fest. «Es gibt bei uns Anwälte, die praktisch nur von Baueinsprachen leben und so auch die Gemeinde und ­Gerichte über Jahre hinaus beschäftigen.»

Für das Projekt Hofmattpark sei besonders das erstellte ENHK-Gutachten «matchentscheidend», erklärt der Sarner Gemeinderat weiter und signalisiert diesbezüglich: «Man hat sich anscheinend gefunden.» Ein möglicher Kompromiss liege darin, dass das zweiteilige Projekt im Bereich der Kirchstrasse (Projektteil Paulhof) wegen der denkmalgeschützten Pfarrkirche nicht ganz so hoch werde wie ursprünglich geplant. Im Mai 2014 war in diesem Bereich die Rede von zwei drei- bis fünfstöckigen Gebäuden.

Gemeinde ist zuversichtlich

«Insgesamt kommt es gut», meint Marcus Wälti zur Realisierbarkeit des Projekts. «Es ist die Qualität dieser Überbauung, dass sehr viel Grünfläche erhalten bleibt.» Gerade deshalb sei es wünschenswert, dass man an dieser Stelle keine Einfamilienhäuser hin-, sondern in die Höhe baue. «Überhaupt: Ein solches Bauvorhaben zu stemmen, ist heute mit einem riesigen Aufwand verbunden», gibt Wälti zu bedenken. Entsprechend schwierig sei es für die Bauherrschaft, an ihrer Grundabsicht – billigen Wohnraum in der Nähe der Schule und dem Dorfkern zu schaffen – festzuhalten. «Die Planungskosten werden dieser Zielsetzung am Schluss wahrscheinlich widersprechen.»

Diese Sorge plagte auch die vormalige Grundstückbesitzerin Annemarie Wirz. Die Testplanung «(...) und die Vorschriften des Denkmalschutzes verursachten gewaltige Kosten (...). Mir wurde klar, dass das mit den bezahlbaren Mietwohnungen bald nicht mehr machbar ist. Deshalb habe ich die Hofmatt verkauft an jemanden, dem ich mein volles Vertrauen schenke», schrieb Wirz im April 2015 in einem Leserbrief.

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