Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SARNEN: Ihre Heldin wächst ihr ans Herz

Lea Pfister, Heldin von «Kein Land für alte Frauen», meldet sich zurück. Wieder steckt die Protagonistin in grossen Schwierigkeiten. Schriftstellerin Elisabeth Zurgilgen über ihr Verhältnis zu Lea und zum Schreiben.
Marion Wannemacher
Autorin Elisabeth Zurgilgen. Bild: PD

Autorin Elisabeth Zurgilgen. Bild: PD

Wer wie die Autorin dieses Artikels bedauert, wenn ein gutes Buch zu Ende ist und damit die Verbindung zu den Protagonisten, wird folgende Nachricht freuen: Lea Pfister, Heldin aus Elisabeth Zurgilgens (61) Roman «Kein Land für alte Frauen», ist wieder da. Im eben erschienenen Buch «Kein Wunder, dass es bebt» steckt sie wiederum in grossen Schwierigkeiten.

«Ich wusste gar nicht mehr, in welchen Schlamassel ich Lea geritten hatte. Meine Haupttätigkeit bestand darin, sie im Sommer darauf wieder da herauszuholen», sagt die Schriftstellerin augenzwinkernd. Zur Erklärung: Die gebürtige Sarnerin schreibt aus Zeitmangel nur im Sommer an ihren Romanen. Ihr brandneues Werk entstand 2014 und 2015. «Im Herbst muss ich jeweils mein Buch mit grossem Bedauern weglegen. Dafür entsteht dann bis zum kommenden Sommer eine grosse Distanz, und das ist gut so.» Im Winter mache sie sich zu ihren Ideen Notizen oder lese Texte wie die «Metamorphosen» des Ovid für das aktuelle Werk. Die gebürtige Sarnerin arbeitet in vollem Pensum an der Hochschule Luzern – Wirtschaft als Pro­fessorin für Kommunikation Deutsch. Dort geht im Herbst das Wintersemester los – keine Zeit mehr für Lea Pfister und Co. Um Liebe zu Geschichten geht es auch im neuen Roman.

Selbsterfundenes und Sagen

Vielen ist Zurgilgen als Erzählerin der «Morgengeschichten» auf Radio SRF bekannt. Ihre Liebe zu Geschichten und Mythen spiegelt sich im neuen Roman wider. Und erneut geht es darum, wie sich ihre Heldin durchs Erzählen über Wasser hält. Diesmal erzählt sie neben selbst erfundenen Geschichten auch Sagen, etwa die alte Giswiler Sage vom Blackvogel oder eine Sage über die Hoffnung eines Geistes. Lea Pfisters Job im «Alpenorient» ist es, bis zum Herbst den Hotelgästen allabendlich eine Geschichte zu erzählen. Dazu hat sie ihre Werbeagentur ins Berghotel geschickt. Es ist ihr letzter Job, bevor die Agentur sie in den vorzeitigen Ruhestand versetzen will. Doch die neue Hotelleitung macht aus dem Erzählen einen harten Wettkampf, bei dem Lea erst unterliegt. Und dann droht sie den Boden unter den Füssen zu verlieren, im Gartenhäuschen, das sie bewohnt, soll der Keller einem Aquarium weichen.

«Im ersten Teil hat Lea gelernt, im Augenblick zu leben, im zweiten Teil erfährt sie, dass man sich verwandeln muss im Augenblick, wenn man aus dem Leben und aus der Arbeitswelt nicht verschwinden will. Man muss sich verwandeln, aber nicht verbiegen», sagt die Autorin über deren Entwicklung. Wenn Elisabeth «Sabi» Zurgilgen schreibt, hat sie alles andere als einen festen Plan. «Am Morgen weiss ich noch nicht, wie es am Abend aussieht, ich lese auch gar nicht, was ich am Tag vorher geschrieben habe, die Geschichte treibt mich weiter.» Etwa alle 100 Seiten mache sie eine Pause und kippe einiges. Eine «Moral» oder «Message» lehne sie ab. Dennoch geht es ums Thema Alter, darum, wie die Gesellschaft mit alternden Menschen in der Arbeitswelt umgeht. Und was wünscht sie sich in Bezug auf die geburtenstarken Jahrgänge, die auf die Gesellschaft als «Altenberg» zukommen? «Dass man die Erfahrungen der Älteren wieder wertschätzt und nicht versucht, diese Generation zu ignorieren oder ruhigzustellen.»

Ihre Heldin wuchs ihr beim Schreiben immer mehr ans Herz: «Lea lebt den ganz normalen Wahnsinn. Ich finde gut, dass sie immer wieder aufsteht mit allen Blessuren und Schrammen im Leben.» Sie sage direkt, was sie denke, «etwas, was wir im richtigen Leben nicht immer wagen».Was wünscht sie als Autorin ihrer Heldin? «Dass es weitergeht für sie und dass Leute von ihrer Sorte einen Platz in der Gesellschaft finden, wo sie akzeptiert sind.»

Hinweis

Elisabeth Zurgilgen: «Kein Wunder, dass es bebt.» Lava-Verlag, Lungern.

ISBN: 978-3-9523646-3.

Marion Wannemacher

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.