SARNEN: Im dritten Stock gibts Rat und Hilfe

Ein Jahr gibt es die Beratungsstelle Hilfe und Pflege bereits. Beraterin Esther Limacher konnte bereits bei den unterschiedlichsten Anliegen kostenlos weiterhelfen.

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Die Türen zu Esther Limachers Büro sind für Ratsuchende stets offen. (Bild Marion Wannemacher)

Die Türen zu Esther Limachers Büro sind für Ratsuchende stets offen. (Bild Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

«Ich weiss nicht mehr, was ich machen soll», wandte sich vor einiger Zeit eine ältere Frau an Esther Limacher. Sie pflege ihren Partner und fühle sich am Anschlag. Esther Limacher reagierte sofort, machte einen Hausbesuch und veranlasste, dass der Partner zuerst notfallmässig über den Hausarzt ins Spital kam und gleich darauf in ein Ferienbett. «Jetzt gleisen wir die Pflege auf, bis er wieder daheim ist. Vor Ort haben wir gemeinsam mit der Spitex geschaut, was es braucht, und wir regeln die sozialversicherungsrechtlichen und finanziellen Fragen.»

Unabhängige Beratung

Seit einem Jahr ist Esther Limacher Leiterin der Beratungsstelle Hilfe und Pflege Sarnen im dritten Stock der Gemeindeverwaltung. Sie kümmert sich in der unabhängigen zentralen Anlaufstelle um alle Anliegen rund um Alter, Krankheit und Behinderung. Das Angebot ist niederschwellig und für die Ratsuchenden kostenlos. Es ist Teil des Projekts «Betreuung und Pflege» des Gemeinderats. Unter dem Motto «Sarnä 2035: Anänand hälfä hilft. Allnä» hat die Gemeinde ausser der Einrichtung der Beratungsstelle im vergangenen Jahr eine Informationsbroschüre mit allen wichtigen Adressen von Organisationen und Institutionen rund um die Themen von Pflege und Alter herausgegeben und unterstützt die Genossenschaft Kiss, die auf Zeitgutschriften basiert.

«Vorwiegend sind es ältere Leute, die sich an mich wenden, aber auch jüngere, die einen Ausfall haben», berichtet Esther Limacher. Oder auch Angehörige, die Beratung brauchen. Wie das Ehepaar, dessen demente Mutter im Haus lebt. «Es ist der Idealfall, wenn jemand gleich kommt und Rat sucht. In diesem Fall konnte ich über die Beratung der Alzheimer-Vereinigung, den Entlastungsdienst des Roten Kreuzes und Kiss informieren. Ausserdem haben wir bereits die Ergänzungsleistungen beantragt. Welche Unterstützung die Betroffenen in Anspruch nehmen, ist natürlich ihre Entscheidung.»

Eigener Erfahrungshintergrund

Esther Limacher weiss, wovon sie spricht, wenn sie zum Thema Pflege berät: Sie kennt die Pflegesituation durch ihren Vater, der nur daheim sein kann, weil die Mutter in der Pflege Entlastung hat. Zeitweise ist die 53-Jährige selbst eingebunden. Die gebürtige Alpnacherin ist gelernte Krankenschwester, hat ausserdem eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin und hat 13 Jahre für die Krebsliga Zentralschweiz gearbeitet. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht Esther Limacher in der Vernetzung mit den verschiedenen Institutionen und Organisationen. Deshalb führte der Gang für sie schon kurz nach Amtsantritt zu Spitex, Pro Senectute, dem Sozialdienst des Spitals, der Alzheimervereinigung, dem Roten Kreuz und den privaten Spitex-Organisationen. Über Flugblätter bei Hausärzten, Organisationen und Frauengemeinschaft erfahren Ratsuchende von der Beratungsstelle.

«Es braucht Zeit»

Zögerlich sind die Nachfragen zunächst angelaufen: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Leiterin seit April 13 telefonische Anfragen und 21 Beratungen, von Anfang des Jahres bis heute sind es 13 Beratungen, davon 4 intensive. Ihre persönliche Bilanz nach einem Jahr Beratungstätigkeit lautet: «Die Stelle ist wichtig und hat Zukunft. Es fängt an zu laufen. Es braucht einfach Zeit, bis die Leute wissen, dass es diese Stelle gibt.» Wer bereits bei Esther Limacher war, ist dankbar für ihre Unterstützung. «Es war für mich hilfreich» höre die Leiterin der Beratungsstelle häufig als Reaktion. «Wenn wir es schaffen, dass jemand durch Unterstützung länger daheim bleiben kann, haben wir ein grosses Ziel erreicht», sagt Esther Limacher.

Hinweis

Beratungsstelle Hilfe und Pflege in Sarnen, 3. Stock Gemeindeverwaltung an der Brünig­strasse, Telefon 041 666 35 99, Dienstag bis Donnerstag 9 bis 12 Uhr und von 13.45 bis 16 Uhr.