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SARNEN: Im wiegenden Takt der Glocken durchs Dorf

Am St.-Nikolaus-Abend zogen an die 20 einheimische Trinklergruppen durch den Dorfkern. Ein lautstark begleitetes Lichtermeer bot sich den Zuschauern.
Die Giswilerstock-Trinkler (links) und Kinder mit Lampions ziehen mit dem Samichlaus durchs Dorf. (Bilder: Izedin Arnautovic (Sarnen, 6. Dezember 2017))

Die Giswilerstock-Trinkler (links) und Kinder mit Lampions ziehen mit dem Samichlaus durchs Dorf. (Bilder: Izedin Arnautovic (Sarnen, 6. Dezember 2017))

Es dröhnt im Dorf. Der regelmässige Rhythmus der Trinklergruppen zieht am Mittwochabend Jung und Alt in die Kälte. Bereits vor dem Umzugsbeginn säumen warm eingepackte Gestalten die Strassen. Trinkler machen sich bereit, Besucher besorgen sich Glühwein oder eine Bratwurst. Dann ist es endlich so weit: Die Strassenlampen gehen aus, das Knallen der Geisselklöpfer kündet den traditionellen Einzug des Samichlaus an. Gekonnt schwingen die Knaben ihre Geisseln. Die jüngsten Besucher werden vorsorglich mit Gehörschutz eingedeckt.

Wer von der warmen Stube aus zuschauen kann, öffnet nun sein Fenster. Eine Trinklergruppe ohne Ton? Unvorstellbar! Das Meditative, fast Mantrahafte zieht alle in den Bann. Getaktet sind auch die Schritte der Trinkler. Stolz ziehen sie ihre zwei Runden um den Dorfkern, nichts kann sie aus dem Takt bringen. Mal tragen sie zwei Glocken am Tragjoch, mal sind die Glocken nicht nur schön bestickt, sondern zudem mit frischen Tannästen dekoriert. Filzhüte, Mützen mit Zipfel, ab und zu ein Stumpen; dort ein gemächliches Tempo, hier ein flinkes; da das helle Glöcklein eines ganz jungen Trinklers, das dem Schritttempo der Grossen vorauseilt.

Die Stimmung ist besonders, sind sich die Besucher einig. Viele sind der Tradition wegen hier. «Es ist ein Brauch» oder «Ich komme schon seit eh und je an den Umzug» sagen junge und ältere Zuschauer. Oder: «Der Umzug ist eine schöne Einstimmung auf Weihnachten.» Bei manchen hat er ein fixes Datum im Familienkalender. Der Samichlausbrauch weckt bei vielen Kindheitserinnerungen. Nüsse, Mandarinen und Schokolade gehören für viele zum 6. Dezember.

So verteilen die – für einmal liebenswürdigen – Schmutzli Nüsse. Und da ist er, der berühmte Samichlaus, gleich hinter den bunt dekorierten Laternen der Sarner Kindergartenkinder schreitet er gemächlich voran, in früheren Jahren kam er auch hoch zu Ross daher. «Ein schöner Anlass, schön zum Zuschauen», bemerkt eine Besucherin. Und gerade auch Auswärtige und Zugezogene sind besonders fasziniert von der Tradition, die sich jährlich in Sarnen am St.-Nikolaus-Abend wiederholt. Bis in die Nacht hinein hört man die Trinkler noch im Hauptort, doch irgendwann verstummen sie wieder, die mystischen Glockenchöre. Bis zum nächsten Einsatz, den manche wohl jetzt schon kaum erwarten können.

Lea Kathriner

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

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