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SARNEN: Instabiler Hang: «Wir sind wieder in Friedenszeiten»

Der regenreiche Sommer liess Erinnerungen an die Rutschung im Hintergraben aufkommen. Doch der Hang sei im Moment stabil, beruhigt der Geologe. Für wie lange, weiss er allerdings nicht.
Matthias Piazza
Das Hangrutschgebiet Hintergraben in einem Luftbild aus dem Jahr 2013

Das Hangrutschgebiet Hintergraben in einem Luftbild aus dem Jahr 2013

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Beschädigte oder zerstörte Häuser, Ställe, Wege und Strassen: Die massiven Rutschungen im Gebiet Hintergraben ob Sarnen hielten seit 2010 und vor allem im Frühling 2013 Anwohner und Behörden in Atem. Bis zu 20 Zentimeter pro Tag bewegte sich der Hang Anfang Mai 2013 talwärts – normalerweise sind dies ein halber bis ein Zentimeter pro Tag. Das ganze Gebiet zwischen Gerisbach und Steinibach geriet aus den Fugen: Tiefe Risse zogen sich durch die Wiesen. Strassen, die früher gerade waren, glichen nun einer Achterbahn. Strommasten standen schräg. Tonnenschwere Betonsperren am Bach waren umgekippt wie Dominosteine.

Einige Bauern und Hausbesitzer im Rutschgebiet mussten ihre Wohnhäuser und Ställe abreissen lassen. Die vielen Regentage diesen Frühling und Sommer könnten wohl bei dem einen oder anderen ungute Gefühle aufkommen lassen, der im Gebiet wohnt oder daran vorbeifährt. Doch Fehlalarm. «Wir sind wieder in Friedenszeiten», beruhigt Geologe Markus Liniger, der auch damals schon die Rutschbewegungen überwachte. «Der Hang bewegt sich seither immer noch leicht, aber in gewohntem moderatem Mass.» Der Regen der vergangenen Wochen habe daran glücklicherweise nichts geändert. «Im Frühling und Sommer sind Niederschläge nicht so problematisch. Pflanzen können bis zu einem Drittel des Niederschlags verdunsten. Im Winter und Frühjahr bei der Schneeschmelze ist diese Verdunstung nur schwach», erklärt der Geologe. Im Winter 2012/13 sei viel Schnee auf den ungefrorenen Boden gefallen und bei der Schneeschmelze sehr viel Nässe direkt in den Boden gelangt.

«Solche Bewegungen hat man nie ganz im Griff»

Entwarnung für immer will Markus Liniger aber nicht geben. «Man ist nicht vor weiteren Rutschungen gefeit. Der Hintergraben kann in Zukunft wieder in Bewegung geraten. Solche Bewegungen hat man nie ganz im Griff.» Irgendeinmal werde der Wasserdruck so gross, dass der darüberliegende Boden in Bewegung gerate. Prognosen über den Zeitpunkt zu machen sei aber sehr schwierig, auch was die Beschleunigung betreffe. Die sehr grosse Rutschmasse von vier bis fünf Millionen Kubikmetern brauche zwar eine gewisse Zeit, um zu beschleunigen, aber auch, um abzubremsen. Auch in der Vergangenheit sei der Hintergraben immer wieder in Bewegung geraten, so etwa auch 1919. Die Rutschungen 1954 hätten gar den Bundesrat dazu veranlasst, sich vor Ort ein Bild über das Ausmass des Ereignisses zu machen.

Kanton überwacht die Bewegungen

Die Ereignisse vor vier Jahren gingen nicht spurlos am Kanton Obwalden vorbei. «Mit einem Netz von etwa 50 verschiedenen Punkten überwachen wir die Bewegungen im Hintergraben mit halbjährlichen Messungen genau. Dazu kommen auch regelmässige Begehungen mit Verantwortlichen der Gemeinde Sarnen», sagt Urs Hunziker, Abteilungsleiter Naturgefahren des Kantons. Die Schäden seien auch heute noch teilweise sichtbar. «Viele Risse sind noch nicht verwachsen.» Für die Anwohner sind die Konsequenzen besonders spürbar. Das rund 20 000 Quadratmeter grosse Kerngebiet der Rutschung wurde zur Zone erklärt, in der keine teuren Infrastrukturbauten mehr erlaubt sind. «Denn früher oder später kann der Hang wieder in Bewegung geraten.»

Drei Wohnhäuser und vier Ställe mussten abgebrochen werden. Sie wurden teilweise etwas ausserhalb wieder aufgebaut. Die landwirtschaftliche Nutzung wurde angepasst. Wo früher geheut wurde, weiden heute teilweise Rinder. Ein Landwirt, der ebenfalls seinen Stall abreissen musste, hält nun Yaks, die ständig im Freien sein können.

Nik Kathriner, der im Gebiet wohnt und dort Land verpachtet, blickt mit gemischten Gefühlen auf die Zeit der intensiven Rutschungen zurück. «Ich musste das Land und die Wege in Stand stellen, die Strasse verlegen. Es kamen einige Kosten auf mich zu. Bund, Kanton und Gemeinde haben nichts übernommen.» Zum Glück hätten Hilfsorganisationen wie die Coop-Patenschaft ihn und die weiteren Betroffenen finanziell unterstützt. Nun sei der grösste Teil wieder in Stand gestellt. Auch wenn es momentan ruhig sei, so sei er sich bewusst, dass sich dies jederzeit wieder ändern könne und der Hang wieder ins Rutschen geraten könne. Weitere Angefragte äusserten sich ähnlich.

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