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SARNEN: «Juroren brauchen einen breiten Rücken»

Emil Wallimann (58) aus Ennetbürgen ist Jury-Obmann am 60. Zentralschweizer Jodlerfest in Sarnen. Sein Job hat bereits vor Monaten begonnen. Und auch wenn das Fest am Sonntag zu Ende gegangen ist, gilt dies nicht für den gebürtigen Obwaldner.
Interview Monika Van De Giessen
Emil Wallimann ist der Jury-Obmann am Zentralschweizer Jodlerfest in Sarnen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Emil Wallimann ist der Jury-Obmann am Zentralschweizer Jodlerfest in Sarnen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Interview Monika Van de Giessen

Etwa sechs Wochen nach dem Fest müssen alle Aktiven im Besitz des Juryberichts sein, der darüber Auskunft gibt, wie die Qualität und der Gesamteindruck des Vortrags war. Als Gesamtobmann kontrolliert Wallimann die Juryberichte seiner Jurymitglieder. Kein leichter Job für Wallimann, hat er doch die Oberaufsicht über die gesamte Berichterstattung. Er ist vor und nach dem Fest so etwas wie die Schaltstation in allen Jury- und Einteilungsfragen. Ihm zur Seite steht die Jodlerin und Dirigentin Bernadette Roos-Stadelmann aus Schüpfheim. In Sarnen sind 8 Juryleiter und 19 Jurymitglieder im Einsatz. Auf der Klassierungsliste ist jeweils die Klassierung, also Klasse 1–4 ersichtlich (siehe Box). Sie gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen, denn die erreichten Punktzahlen sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Sie werden dem Aktiven erst in einem persönlichen Festbericht bekannt gegeben.

Man hört von Jurymitgliedern immer wieder, dass sie nach einem Jodlerfest von unzufriedenen Jodlerinnen und Jodlern wegen der Klassierung telefonisch «belästigt» wurden. Ist Ihnen das auch schon passiert?

Emil Wallimann*: Ja, das kommt immer wieder vor. Nach dem Eidgenössischen in Freiburg läutete das Telefon, bevor ich am Sonntag zu Hause ankam. Zum Glück handelt es sich immer um Einzelfälle. Aber es gibt sie doch praktisch an jedem Fest. Das Jury-Team entscheidet und trägt auch die Verantwortung für diesen Entscheid. Grundsätzlich empfehle ich allen Beteiligten, zuerst den Jurybericht abzuwarten und erst dann zu reagieren, falls etwas nicht so ist, wie man es erwartet. Es ist eine Tatsache – die Juroren brauchen einen breiten Rücken in diesem Amt.

Hat sich der Verband überlegt, wie man die Klassierungsliste (Klasse 1–4) transparenter gestalten könnte, beispielsweise, indem man die Punktzahl öffentlich macht?

Wallimann: Die Punkte werden den Interpreten bekannt gegeben. Alle wissen also, wie knapp die Klasse 1 oder 2 war. Diese Punkte öffentlich zu machen, wurde zumindest schon diskutiert, aber bis heute noch nicht entschieden. Ich könnte mir das aber in Zukunft gut vorstellen.

Wie geht die Jury mit Grenzfällen um? Wie wird entschieden?

Wallimann: Falls die Klasse nach dem Vortrag auch nach kurzer Diskussion nicht klar ist, wird der Vortrag auf die Seite gelegt und am Ende des Blocks nochmals diskutiert. Im Vergleich mit anderen Darbietungen wird dann eine Entscheidung in der Regel schnell gefunden.

Was tut sich in Richtung zugelassener Begleitinstrumente? Bis anhin sind im Jodelgesang «nur» Akkordeon und Schwyzerörgeli zugelassen.

Wallimann: Im Moment gibt es die Möglichkeit der freien Vorträge. Das Öffnen der Begleitinstrumente ist eine heikle Angelegenheit, die aber immer wieder diskutiert wird. Ob und wann es da eine Änderung gibt, ist sehr offen. Zudem sind im Moment andere Prioritäten gesetzt.

Welche?

Wallimann: Zuerst geht es jetzt darum, ein neues Bewertungsblatt einzuführen. Dieses soll zu einer noch besseren Beurteilung der Vorträge helfen. Als nächster Schritt soll versucht werden, die Berichterstattung einfacher und schneller zu machen. Dies ist sehr wichtig, denn ob wir in 10 bis 20 Jahren noch Personen haben, die bereit sind, mehr als eine Woche der Ferien für Jury-Berichte hinzugeben, ist nicht sicher. Hier ist ein grosser Handlungsbedarf.

Immer wieder ein Thema ist das Jurieren eines Naturjodels. Wie wird ein ungeschriebener, überlieferter Naturjodel juriert?

Wallimann: Wirklich ungeschriebene Naturjodel gibt es nur wenige. Die Noten werden aber von den Interpreten nur ungern abgegeben. Dabei wäre die Berichterstattung mit Noten viel exakter und detaillierter. Bei einer Naturjodel-Interpretation kommt es vorwiegend auf eine überzeugende Gesamtleistung an. Sehr wichtig (und sehr oft unterschätzt) sind auch die beiden Einzelsparten Tongebung und harmonische Reinheit.

Was ist für Sie ein guter Vortrag?

Wallimann: Der Vortrag muss die Liebe, die Trauer, die Freude, die Natur und das Erlebte rüberbringen. Die Ausstrahlung der Vorträge muss mit dem übereinstimmen, was man vorträgt. Das wird bei der Bewertung in der Sparte «Gesamteindruck» berücksichtigt. Es dürfen nicht einfach Töne aneinandergereiht werden. Es braucht schöne Melodiebögen, eine sinnvolle Dynamik mit Höhepunkten. Ein guter Vortrag muss glaubhaft und mit Herzblut vorgetragen sein.

Wie viele Vorträge bewertet ein Jury-Mitglied an einem Jodlerfest?

Wallimann: Pro Juror sind das rund 30 bis 40 Vorträge. Das heisst für die Juryleiter, dass diese nach dem Fest rund 40 Berichte schreiben müssen, was mindestens eine ganze Arbeitswoche in Anspruch nimmt.

Hinweis

* Emil Wallimann (58), der Jodler, Komponist und Jurymitglied des Eidgenössischen Jodlerverbandes, arbeitet als Musikschulleiter in Ennetbürgen. 2009 wurde er mit dem Goldenen Violinschlüssel ausgezeichnet. Am Jodlerfest in Sarnen stammen gleich 17 Vorträge aus seiner Feder.

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