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SARNEN: Kampfansage an die Grossraubtiere

Nutztierhalter und Jäger aus der Zentralschweiz machen aus ihrer Überzeugung keinen Hehl: Sie ziehen gegen die «Berner Konvention», die den Wolf und andere Grossraubtiere strengstens schützt, ins Feld.
Romano Cuonz
Wölfe wie diese im Oberwallis sollen nicht mehr als «streng geschützt» eingestuft werden. (Bild: Fotofalle Gruppe Wolf Schweiz)

Wölfe wie diese im Oberwallis sollen nicht mehr als «streng geschützt» eingestuft werden. (Bild: Fotofalle Gruppe Wolf Schweiz)

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Persönlich bin ich überzeugt, dass wir in der Schweiz keine Wölfe brauchen und auch den Luchsbestand stark reduzieren müssen», sagt Schafhalter Felix Jauch aus Seedorf im Kanton Uri. Und er weiss, wovon er spricht. Vor drei Jahren hat ein Wolf im Isenthal, kurz nach dem Alpauftrieb, gleich 15 seiner Schafe gerissen. Obwohl ihm der erlittene Schaden damals vergütet wurde, ist er nicht bereit, die neue Gefahr für seine Nutztiere einfach so hinzunehmen. «Zahlreiche ähnliche Vorfälle innert kürzester Zeit vor allem in Ob- und Nidwalden bestärkten mich darin, zusammen mit andern Tierhaltern und Jägern gegen Grossraubtiere wie Wolf, Bär und Luchs in den Kampf zu ziehen», sagt Jauch. Zwar seien Wölfe in der Zentralschweiz noch Einzeltiere. Schweizweit aber habe es 2017 schon drei Rudel und offiziell 380 Risse gegeben. «Früher oder später ist da auch unsere jahrtausendealte Alpwirtschaft gefährdet», gibt sich Jauch überzeugt. Schützenhilfe erhielten Urner Nutztierzüchter dann von Bauernverbandsvertretern aus Schwyz, Luzern, Nid- und Obwalden. Der Schwyzer Bauern-Delegierte Ruedi Fässler aus Unteriberg hält fest: «Auch am Sihlsee haben wir einen Wolf gesichtet.» Selbst wenn er bislang kaum Nutztiere gerissen habe, gelte es der Gefahr frühzeitig vorzubeugen. Fässler wörtlich: «Wir sehen doch, welch immensen Sorgen unsere Kollegen in andern Kantonen haben!»

2016 gründete Ruedi Fässler dann im Kanton Schwyz mit Gleichgesinnten die «Vereinigung zum Schutz von Jagd- und Nutztieren vor Grossraubtieren der Zentralschweiz» (VSvGZ). Zu ihrer ersten Generalversammlung haben die kampfbereiten Züchter und Jäger nun nach Sarnen im Kanton Obwalden eingeladen (siehe Kasten). Co-Präsident Ruedi Fässler dazu: «In unserer Vereinigung sind Ob- und Nidwalden eher noch untervertreten, das wollen wir ändern.» Man brauche jetzt eine starke Lobby. Und Fässler weiss, wen man sucht: Leute, die in der Politik breit abgestützt und bereit sind, das Problem zu lösen. «Wir Bauern haben weder die richtige Munition noch können wir gut genug schiessen, um dem Grossraubwild selber Herr zu werden», sagt Ruedi Fässler. Deshalb wolle man nun erreichen, dass Jäger das Grossraubwild – vorab den Wolf – reduzieren dürften.

Ein Kampf «David gegen Goliath»

Der Urner Felix Jauch als Kämpfer der ersten Stunde sagt: «Dies wird ein Kampf David gegen Goliath!» Im Gegensatz zur Kora (Raubtiermanagement Schweiz) oder zu grossen Umweltverbänden fehle es dem VSvGZ an allem: an finanziellen Mitteln, an Biologen und Anwälten, ja selbst an einer breiten Unterstützung im Volk und in der Politik. «Trotzdem wollen wir vom Bundesrat eine Umkehr fordern», postuliert Jauch. «Die nationale Gesetzgebung soll so geändert werden, dass Grossraubtiere reguliert werden können.»

Weiter gelte es, Zahlen und Statistiken, welche die Kora vorlege, kritisch zu betrachten und aus der Sicht der Züchter zu «korrigieren». Fakt ist: Der Wolf bleibt hierzulande weiterhin streng geschützt. Ein Antrag der Schweiz, das Tier in der Berner Konvention von einer «streng geschützten» zu einer nur noch «geschützten» Art zurückzustufen, wurde vom Ausschuss in Strassburg abgelehnt.

«Wir schlagen in unserem Kampf absolut keine illegalen Wege ein», versichert Felix Jauch. «Als leidenschaftliche Tierhalter aber werden wir dafür kämpfen, dass wir nicht ganze Bergweiden mit elektrischen Zäunen absperren, Nutztiere nachts in Pferchen zusammentreiben und Touristen mit Hütehunden erschrecken müssen.»

Oberstes Ziel sei es, mit Initiativen und auch medialen Berichten darauf aufmerksam zu machen, dass es in einem engen Raum wie der Schweiz höchste Zeit zum Handeln sei. Auch eine Grundsatzfrage, die bislang ungeklärt ist, will Jauch in den Raum stellen: «Dürfen wir als Nutztierhalter unsere eigenen Tiere gegen einen angreifenden Wolf nicht auch verteidigen? In Notwehr sozusagen!»

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