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SARNEN: Landwirt beklagt sich über die Gemeinde

Bauer Paul Britschgi ist von der Rutschung Hintergraben stark betroffen. Er fühlt sich von der Gemeinde schlecht behandelt. Diese kontert die Vorwürfe.
Hat vergeblich auf einen Anruf der Gemeinde gewartet: Paul Britschgi. (Bild Romano Cuonz)

Hat vergeblich auf einen Anruf der Gemeinde gewartet: Paul Britschgi. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Auf meinem Land ist ein Bagger aufgefahren, Arbeiter sind daran, zu holzen und den Bach zu verlegen», schildert Landwirt Paul Britschgi vom Brend im Hintergraben ob Sarnen. Er beklagt sich: «Die Gemeinde hatte mir versprochen, mich persönlich zu orientieren, bevor die Arbeiten beginnen.» Als Beweis legt er eine Mitteilung des zuständigen Projektleiters auf den Tisch: «Wie vereinbart, werde ich Paul informieren, sobald ich weiss, wann wir mit den Bauarbeiten anfangen.» Dass diese Mitteilung per Mail an seinen Bruder Martin Britschgi gegangen ist und er als Eigentümer bis heute auf einen Besuch, einen Brief oder Telefonanruf der Gemeinde wartet, stört ihn. «Das ist einfach keine Art», moniert er. Immerhin verliere er durch diese Arbeiten 600 Quadratmeter Pachtland. Auch müsse er beim Einzäunen besondere Vorkehrungen treffen.

Enttäuscht ist auch seine Mutter Ursula Britschgi: «Es wäre einfach Anstand gewesen, wenn der zuständige Projektleiter vor Baubeginn bei uns angeklopft hätte.» Die Leute von der Gemeinde hätten keine Ahnung, wie mies man sich in einer solchen Situation fühle, spricht sie die seit Jahren währenden Hangrutsche an. Dass man am Boden sei und nicht mehr immer zu allem nicken wolle. Als absolute Farce empfindet sie auch das Fahrverbot auf der durch die Bauarbeiten schwer lädierten Zufahrtsstrasse. «Weil das Verbot nicht amtlich ist, befahren Autos, Motorräder und sogar Cars die Strasse auf eigenes Risiko.» So entstünden noch grössere Schäden und niemand unternehme etwas.

Von Betroffenen zu Beteiligten

Diese und weitere Vorwürfe der Familie Britschgi hat unsere Zeitung der Einwohnergemeinde Sarnen schriftlich vorgelegt. Gemeindeschreiber Max ­Rötheli bezieht im Namen des Rates allgemein Stellung. «Der Einwohnergemeinderat weist die erhobenen Vorwürfe als haltlos zurück», schreibt er. Und weiter: «Alle Grundeigentümer wurden von Betroffenen zu Beteiligten gemacht. Über die Projektschritte wurde jederzeit ausführlich und zeitnah informiert, und viele Anliegen der Grundeigentümer wurden, wenn möglich, im Projekt berücksichtigt.»

Paul Britschgi sieht das anders. Und er schildert mit einem weiteren Bespiel, warum er der Verzweiflung nahe ist: «Die Projektleitung Wasserbau geht laut Arbeiter stillschweigend davon aus, dass ich die Steine und die Holzschnitzelhaufen, die bei den Bauarbeiten auf meinem Weideland deponiert wurden, auf eigene Kosten beseitige und selber wieder Gras aussäe, wenn ich nicht bis zum Ende der Bauarbeiten warten will. Das lehnte ich ab. Ich brauche für die Yaks dringend alle Weidemöglichkeiten.» Stephan Flury, Bereichsleiter Infrastruktur und Raumentwicklung der Gemeinde, hält entgegen: «Es ist Usus, dass man solche Arbeiten bei der Schlussabnahme anschaut und nicht während des Baus.» Überdies seien die Schnitzelhaufen nicht auf dem Grundstück von Britschgi, sondern auf dessen Pachtland deponiert worden.

Ein überaus hartes Schicksal

Paul Britschgi ist als Grundeigentümer von der Rutschung Hintergraben am härtesten betroffen. Seine beiden Ställe musste er abbrechen lassen. Darauf ersetzte er erst einmal seinen früheren Tierbestand durch 20 resistentere Yaks. Unter Einhaltung von teils einschneidenden Bedingungen des Landschafts- und Tierschutzes durfte er ein befristetes Stallprovisorium mit zwei luftigen Bogenzelten, Container und Mistplatz errichten. «Ich bin mit meinen Tieren Wind und Wetter ausgesetzt, aber einen neuen Stall lassen sie mich nicht bauen.» Die Baubewilligungsbehörden hätten bereits mehrere Gesuche abgelehnt, weil er am einzig möglichen Standort nicht sämtliche Vorschriften genau einhalten könne. «Damit haben wir schon mehr Geld verloren, als wir wirklich verkraften können, und die Gemeinde lässt uns in unserem Elend einfach hängen», klagt Britschgi unter Tränen.

Auf den Einwand, dass Baubehörden an Gesetze gebunden seien, kontert seine Mutter: «Die Gemeinde findet stets Artikel und Paragrafen, um uns zu plagen, aber niemand würde uns beraten und die Möglichkeiten aufzeigen, die wir noch haben, wenn wir im Rutschgebiet bleiben wollen.»

Auch andere Familien wehrten sich

Andere betroffene Familien haben in Zusammenarbeit mit der Gemeinde – teils auch abseits des bedrohten Gebietes – gute Lösungen gefunden. Von den derzeitigen Sanierungsmassnahmen im Hangrutschgebiet betroffen ist auch noch die Familie Josef und Jenny von Moos-Imesch. «Zu Beginn hat uns der Ton des zuständigen Projektleiters auch Mühe bereitet», stellt Jenny von Moos fest. «Nachdem wir ihm dann aber einmal gesagt haben, was wir nicht akzeptieren, hat sich die Situation stark verbessert.»

Mit der Gemeinde selber aber hätten sie nie Probleme gehabt, versichert Jenny von Moos.

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