SARNEN: «Langweilig wird es mir ganz sicher nicht»

Die Fachschreinerei Läubli ist Geschichte. Inhaber Otto Läubli übergibt den Betrieb an einen langjährigen Mitarbeiter. Das breite Engagement des 64-Jährigen machte ihn zu einem Kopf, den man in Obwalden kennt.

Adrian Venetz
Drucken
Teilen
«Wenn Schluss ist, dann ist Schluss»: Otto Läubli (64) in der Schreinerei. (Bild: Corinne Glanzmann (25. Januar 2017))

«Wenn Schluss ist, dann ist Schluss»: Otto Läubli (64) in der Schreinerei. (Bild: Corinne Glanzmann (25. Januar 2017))

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Otto Läubli ist einer jener Menschen, die keine zehn Schritte durchs Sarner Dorf laufen können, ohne gleich von mindestens zehn Leuten erkannt zu werden. Er lacht. «Ja, das stimmt schon. Ich habe einen relativ grossen Bekanntenkreis.» Das Wort «relativ» kann man allerdings getrost durch «riesig» ersetzen. Kein Wunder bei all den Ämtern und Mitgliedschaften, die sich im Lauf der Zeit angesammelt haben. Eine kurze Aufzählung – ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Läubli war 10 Jahre lang Präsident der Kirchgemeinde Sarnen, 10 Jahre lang Kommandant der Sarner Feuerwehr, 30 Jahre lang Dirigent der Musikgesellschaft Giswil, seit 52 Jahren ist er Mitglied der Feldmusik Sarnen, in diesem Jahr amtet er als Präsident des Kiwanis-Clubs Obwalden. Und seit 30 Jahren ist er Mitglied der Sarner Lälli-Zunft. «Ich brauche das, und ich mag das», sagt Otto Läubli zu seinem Engagement. «Ich bin gern in Gesellschaft.»

Kaum zu glauben, dass Otto Läubli noch Zeit hatte, hauptberuflich einen Schreinerbetrieb zu führen. Dieses Kapitel geht nun aber zu Ende. Gut drei Monate vor seinem 65. Geburtstag hat er die Fachschreinerei Läubli AG an der Pilatusstrasse in Sarnen an seinen Nachfolger Roger Müller verkauft. Der Betrieb mit zwölf Angestellten heisst künftig «Müller Die Fachschreinerei AG». Läubli bleibt Besitzer des Hauses mit der Schreinerei im Erdgeschoss und den Wohnungen in den oberen Etagen, wo er gemeinsam mit seiner Frau Priska wohnt. Und er weiss, dass sein Schreinerbetrieb in gute Hände kommt. Roger Müller hat bei ihm die Lehre gemacht und ist schon seit 30 Jahren im Betrieb tätig. «Er kennt den Laden in- und auswendig», sagt Läubli. Formell erfolgte die Geschäftsübergabe per 1. Januar. Am kommenden Freitag wird der Neuanfang mit einem Apéro für Freunde und Kunden symbolisch besiegelt. Ist die Pensionierung für einen so umtriebigen Mann wie Otto Läubli ein Fluch oder ein Segen? «Ich habe absolut kein Problem mit dem Aufhören», sagt Läubli wie aus der Pistole geschossen. Er werde seinem Nachfolger noch etwas unter die Arme greifen, etwa bei administrativen Fragen. «Aber die Verantwortung, einen Betrieb zu führen, bedeutet oft auch eine grosse Belastung – und diese Belastung fällt nun weg.» Läubli ist keiner, der seinen Aufgaben und Ämtern lange nachtrauert, wenn die Zeit vorbei ist. «Das war auch als Kirchgemeindepräsident, als Feuerwehrkommandant oder als Dirigent so. Man macht seine Arbeit, und wenn Schluss ist, dann ist Schluss.»

Man muss einen breiten Rücken haben

Dass sein Betrieb nicht in der Familie bleiben wird, ist für Otto Läubli schon längere Zeit klar. Von seinen drei erwachsenen Kindern ist Sohn Kevin (30) zwar Schreiner geworden. «Er sagte mir aber immer, dass er den Betrieb nicht übernehmen wolle.» Eine herbe Enttäuschung für Otto Läubli? «Nein, überhaupt nicht.» Man müsse heutzutage im Handwerkerberuf schon einen ganz breiten Rücken haben, damit man nicht unter die Räder komme. Einerseits wegen des enormen Konkurrenz- und Preisdrucks. Anderseits müsse man sich immer wieder Schuldzuweisungen anhören. «Was es auch ist – meistens gibt man dem Schreiner die Schuld, weil er als Letzter auf der Baustelle war. Nach 40 Jahren im Geschäft halte ich das aus. Aber ich verstehe, wenn jemand sich das nicht antun will.»

Vom zunehmenden Preisdruck wurde auch die Schreinerbranche nicht verschont. «Wir hatten das Glück, dass uns die Arbeit nie ausging», sagt Läubli rückblickend. Das Business sei in den vergangenen Jahren aber härter geworden. «Früher konnte man praktisch sicher sein, dass man bei grösseren Bauvorhaben den einen oder anderen Auftrag kriegt.» Heute sei das nicht mehr so. «Für jeden Franken muss man eine Offerte machen.» Zudem gebe es heutzutage «viele sogenannte Garagenschreiner, die keine eigene Werkstatt haben, sondern irgendwo die Ware einkaufen und dann beim Kunden nur montieren», bedauert Läubli. Mit den Preisen in grossen Bau- und Möbelmärkten – wie etwa Ikea oder Hornbach – könne ein traditioneller Schreinerbetrieb unmöglich mithalten. Hat Schreinermeister Otto Läubli selbst schon einen Fuss in solche Möbelriesen gesetzt? «Im Ikea war ich schon einmal», sagt er und lacht. «Es nahm mich einfach wunder, wie teuer die Ware ist.»

Die «Läublis» – im 19. Jahrhundert als Schreiner aus dem aargauischen Seengen nach Obwalden gekommen – kennt man für ihre musikalische Ader. Auch Otto Läubli wird – übrigens gemeinsam mit Tochter Svenja, Sohn Kevin und Neffe Cajus – weiterhin bei der Feldmusik Sarnen spielen, früher Trompete, heute Eufonium. «Langweilig wird es mir ganz sicher nicht», sagt er zur Pensionierung. Ein neues Amt steht bereits vor der Tür. «Ende März werde ich Grossvater», sagt Otto Läubli und strahlt.