SARNEN: Largo: «Das Kind gehört sich selbst»

Kinder entwickeln sich individuell – Fähigkeiten kann man nicht üben. Die Schule nimmt darauf wenig Rücksicht, so Remo Largo, pensionierter Kinderarzt.

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Der pensionierte Kinderarzt Remo Largo. (Bild Corinne Glanzmann/Neue OZ)

Der pensionierte Kinderarzt Remo Largo. (Bild Corinne Glanzmann/Neue OZ)

«Der schnellste Siebenjährige ist so schnell wie der langsamste Fünfzehn­jährige.» Zu diesem Schluss kommt der pensionierte Kinderarzt Remo Largo aus Uetliburg SG.

Vorgestern hielt er in der bis auf den allerletzten Platz besetzten Aula des Berufs- und Weiterbildungszentrums in Sarnen sein Referat, in welchem er seine Forschungsergebnisse den etwa 250 Zuhörern vorstellte. «Das Kind kam nicht auf die Welt, um die Erwartungen der Eltern zu erfüllen, sondern gehört nur sich selbst», lautet seine These, die er auf seine Beobachtungen und Erkenntnisse stützt.

Obwohl man die Kinder dauernd versuche zu kanalisieren, müssten Eltern und Lehrer akzeptieren, dass sie nach neun Schuljahren unterschiedlicher sind denn je. «13-jährige Mädchen zum Beispiel liegen in der Entwicklung bis zu sechs Jahre auseinander.»

Kinder unter Erfolgsdruck
Weil heute die meisten Kinder Wunschkinder seien, könnten die Eltern heutzutage oft die Kinder nicht so akzeptieren, wie sie sind. «Wenn wir schon Kinder haben, müssen sie auch ein Erfolg sein», sei oft die Einstellung der Eltern.

Dabei sei die Vielfalt unter den Kindern so gross, dass Normvorstellungen von Familie und Schule dieser Entwicklung nicht gerecht werden. Largo kritisiert auch das heutige Schulsystem, welches zu wenig auf die individuellen Entwicklungsfortschritte des Kindes eingehe. Er wünscht sich darum eine kindgerechte Schule, in der das Kind seine Stärken und eigene Lernstrategien entwickeln kann und mit Schwächen umgehen lernt.

Wichtig sei eine individuelle Lernerfahrung: «Das Kind wird dort abgeholt, wo es in seiner Entwicklung steht, kann so lernen, wie es ihm am besten entspricht, hat überwiegend Erfolgserlebnisse und fühlt sich von Eltern und Schule als Person akzeptiert», skizziert er seine Wunschschule, welche leider nicht der Realität entspreche. Für ihn sei eine Schule gut, in der die Kinder selbst bestimmt lernen können.

Lehrer als Beziehungsperson
Largo unterstrich in seinem Referat auch die grosse Bedeutung von Lehrern und Mitschülern als Beziehungspersonen. Diese seien mindestens so wichtig wie die Eltern, «wenn man bedenkt, dass ein Schweizer Familienvater durchschnittlich 3 Stunden pro Tag vor dem Fernseher verbringt, sich aber gerade mal 20 Minuten mit seinen Kindern abgibt».

Matthias Piazza

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Obwaldner Zeitung.