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SARNEN: Maturandin reüssiert mit Podium zum Thema Kopftuch

Ein Podium als Maturaarbeit. Alina De Col aus Kerns lud hochkarätige Vertreterinnen zur Diskussion über das Kopftuch in unserer Gesellschaft.
Die Teilnehmerinnen am Kopftuch-Podium: Jasmin El Sonbati, Gründungsmitglied Forum für einen fortschrittlichen Islam; Monika Rüegger, Präsidentin SVP Obwalden; Maturandin Alina De Col; Serpil Yasar, Islamischer Frauenverein Luzern; Silvia Martens, Islamwissenschaftlerin Uni Luzern (von links nach rechts).Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 17. November 2016)

Die Teilnehmerinnen am Kopftuch-Podium: Jasmin El Sonbati, Gründungsmitglied Forum für einen fortschrittlichen Islam; Monika Rüegger, Präsidentin SVP Obwalden; Maturandin Alina De Col; Serpil Yasar, Islamischer Frauenverein Luzern; Silvia Martens, Islamwissenschaftlerin Uni Luzern (von links nach rechts).Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 17. November 2016)

«Das Thema Kopftuch hat mich von Anfang an interessiert», erklärt Alina De Col. «Ich wollte als Maturaarbeit eine Veranstaltung machen, etwas, das relevant ist.» Die eineinhalb Stunden Podiumsdiskussion sind nicht nur für die Maturandin wie im Flug vergangen. «Die Diskussion zeigt, wie breit das Thema ist», sagt sie in der Abschlussrunde an das Publikum gewandt. Der 18-jährigen Kernserin ist es am Donnerstagabend gelungen, vier hochkarätige Vertreterinnen verschiedenster Positionen an einen Tisch zu bringen. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe «Die Kantonsschule lädt ein» fand sie Unterstützung bei Prorektor Thomas Peter und Kunstlehrer Manuel Bhend.

Aus Glaubensgründen fürs Kopftuch entschieden

In einem kurzen Referat zur Geschichte des Kopftuchs erläuterte Silvia Martens, Islamwissenschaftlerin an der Universität Luzern, dass das Kopftuch religiöse und soziale Funktionen habe und ursprünglich auch im Christentum (beispielsweise bei Ordensfrauen) und anderen Religionen weit verbreitet gewesen sei. «Das Kopftuch an sich ist nicht fremd in unserer Gesellschaft und ist auch nicht das Problem», sagte Martens. «Das Kopftuch im Islam steht für etwas, woran sich die Gemüter erhitzen.» Häufig würden verschiedene Stellen im Koran zitiert, wenn es um die Verschleierungspflicht gehe. Diese würden aber nicht die Körperstellen explizit benennen. Eine wichtige Quelle für die Religionsausübung sei die Überlieferung des Propheten Mohammed, nach der es heisse, dass man von einer Frau nur Gesicht und Hände sehen solle.

Als Präsidentin des Islamischen Frauenvereins Luzern schilderte Serpil Yasar ganz persönlich, wie sie sich für den Hidschab, die Verhüllung, aus eigener Überzeugung nach der Pubertät aus Glaubensgründen entschieden habe. Serpil Yasar ist in einer muslimischen Familie in der Schweiz aufgewachsen. «Für mich ist der Hidschab eine Identität und Ehre, ich fühle mich damit wohl», erklärte sie.

Zunehmender gesellschaftlicher Druck

Jasmin El Sonbati, Mitgründerin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, die das Buch «Gehört der Islam zur Schweiz?» verfasst hat, belegte eindrücklich den zunehmenden gesellschaftlichen Druck auf junge Frauen, sich zu verschleiern. Die in Wien geborene Ägypterin, die mit ihrer Familie in den Siebzigerjahren in die Schweiz kam, zeigte Bilder der Studenten der Universität Kairo. 1959 und 1978 trägt darauf keine einzige Frau Kopftuch. Auf einem Bild von 1995 tragen die ersten Studentinnen Kopftücher, 2004 alle. Für sie sei es fiktiv, zu hören, dass Haare sexuelle Reize bei Männern auslösten, sagte Monika Rüegger, Präsidentin der SVP Obwalden. Zum Thema Kopftuch sagte sie: «Das brauchen wir nicht, das kommt einer Unterdrückung gleich und passt nicht zu unserer Kultur.» Sie sehe keinen Mann, der durch den Anblick von Haaren zum Täter werde. Jasmin El Sonbati konterte mit dem Glaubensartikel der Verfassung. «Ich bin nicht einverstanden mit Ihnen, wenn Sie sagen, bei uns in der Schweiz möchte ich das nicht. Ich glaube nicht, dass es an Ihnen ist, das zu wollen», sagte Sonbati. Die Schweiz sei doch ein Land, in dem Diversität Teil der Gesellschaft sei. Das Kopftuch sei kein Angriff, betonte Serpil Yasar. Die Zahl der Blick und Flirtversuche von Männern ihr gegenüber sei zurückgegangen, seit sie ein Kopftuch trage. Sie fühle sich geschützter.

«Was nimmt Ihnen Frau Yasar?»

Souverän griff Alina De Col als Moderatorin ein und fragte, ob die Kopftuchdebatte nicht gar eine Stellvertreterdebatte sei, ob es nicht etwa um andere Ängste gehe. Monika Rüegger brachte ihre Bedenken auf den Punkt, indem sie sagte: «Wie viel Toleranz verträgt der Schweizer?» In einer Publikumsrunde fragte eine junge Frau die SVP-Präsidentin: «Was nimmt Ihnen Frau Yasar?» Monika Rüegger antwortete: «Sie nimmt mir nichts, es geht um den Stellenwert der Frau.» In der Abschlussrunde ging es um die Frage, was sich die Teilnehmerinnen für die Zukunft wünschen. Serpil Yasar äusserte die Hoffnung, dass es auch in Zukunft Frauen mit Kopftuch geben dürfe. Monika Rüegger wünschte sich «ein erträgliches Zusammenleben und dass es die Kopftuchdebatte am Schluss nicht mehr braucht».

Marion Wannemacher

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