SARNEN: Nach 11 Jahren als Kommandant: «Fürs Helfen gab es immer ein Danke»

An der Agathafeier der Stützpunktfeuerwehr Sarnen vom Samstag trat Thomas Schrackmann nach elf Jahren als Kommandant zurück. Im Interview blickt er zurück – und erinnert sich auch an einen Brand, der davonfuhr.

Interview Matthias Piazza
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Über 30 Jahre Feuerwehrmann und 11 Jahre Kommandant: Thomas Schrackmann. (Bild: Matthias Piazza (Obwaldner Zeitung))

Über 30 Jahre Feuerwehrmann und 11 Jahre Kommandant: Thomas Schrackmann. (Bild: Matthias Piazza (Obwaldner Zeitung))

Interview Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Thomas Schrackmann hat das Kommando der Stützpunktfeuerwehr Sarnen per Ende Jahr an René Kiser abgegeben. An der Agathafeier am vergangenen Samstag wurde der 52-jährige Landwirt offiziell verabschiedet. Er blickt auf eine ereignisreiche Zeit bei der Feuerwehr zurück, die bereits im Alter von 20 ihren Anfang nahm – als er «einfacher» Feuerwehrmann war.

 

Thomas Schrackmann, Sie haben Ende Jahr unter das Kapitel Feuerwehr einen Schlussstrich gezogen, das Kommando nach elf Jahren an Ihren Nachfolger René Kiser übergeben. Warum?

Bei der Stützpunktfeuerwehr Sarnen ist es üblich, dass man als Kommandant im Alter von 48 Jahren zurücktritt. Weil wir damals keinen Nachfolger fanden, verlängerte ich eben um vier Jahre.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie die Feuerwehr?

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Unvergessen bleiben mir die vielen berüh­renden, schönen Momente. Ich konnte bei jedem Einsatz in irgendeiner Art jemandem helfen. Das schätzten die Leute. Fürs Helfen gab es immer ein Danke. Und ich hatte immer eine super Mannschaft zur Seite. Andererseits schätze ich die Zeit, die ich nun gewinne. Die vielen Einsätze und Proben waren auch eine Belastung, die ich mit der Zeit nicht mehr so leicht wegsteckte, wie ich dies zu Beginn tat.

Fiel Ihnen der Entscheid schwer, loszulassen?

Schlussendlich nicht, das ist eine reine Einstellungssache.

Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Die vielen schönen Begegnungen und Gespräche mit den Leuten, die unsere Hilfe sehr schätzten.

Wie prägte Sie diese Ära?

Ich schaue das Leben anders an. Tragische Einsätze mit Verletzten und Toten machten mich nachdenklicher. Ich rege mich nicht mehr so schnell über Kleinigkeiten auf und schätze, dass ich gesund bin und eine Familie habe.

Welche Erlebnisse prägten Sie besonders stark?

Das waren einerseits die Flugzeugabstürze, einige der verunglückten Piloten kannte ich persönlich. Besonders tragisch empfand ich den Autounfall auf der A 8 im August 2013 bei Alpnach, als ein Vater mit seinen Töchtern im Auto verbrannte. Ich war damals als Einsatzleiter an vorderster Front. In solchen Situationen ist ein positives Umfeld besonders wichtig.

An welche Anekdoten er­innern Sie sich immer gerne wieder zurück?

Einmal erhielten wir die Meldung von einem Autobrand auf der A 8. Wir rückten sofort aus. Auf der Gegenfahrbahn fuhr uns das Auto entgegen, leichter Rauch stieg aus den Fenstern. Der Brand war uns also buchstäblich davongefahren. Oder im Winter kam es mehr als einmal vor, dass wir zu einem Brand gerufen wurden, der sich als Fehlalarm entpuppte. Der Rauch stellte sich als Dampf aus der Dusche heraus.

Rund 20 Mal musste die Sarner Feuerwehr im vergangenen Jahr vergebens aus­rücken – wegen eines Fehlalarms. Wie gingen Sie damit um?

Damit muss man leben können, häufig spielte uns die liebe Technik der Brandmeldeanlage einen Streich. Aber da darf man sich nicht ärgern, das gehört dazu. Das ist wie eine Versicherung. Besser, man hat sie und braucht sie nicht, als umgekehrt.

Wie hat sich der Korpsgeist entwickelt?

Eher zum Positiven. Die Leute sind mit Spass bei der Sache. Unsere Mannschaft wuchs gar von 130 auf 160 Leute an, ohne dass wir aktiv dafür warben. Das hat mich ein bisschen stolz gemacht. Mein Credo war immer, die Proben so interessant zu gestalten, dass jeder Feuerwehrmann, der nicht daran teilnahm, das Gefühl hatte, etwas zu verpassen. Das erreichte ich, was den guten Probebesuch und schliesslich auch die gute «Truppenmoral» erklärt.

Sie traten mit 20 der Feuerwehr bei. Was motivierte Sie zu diesem Engagement?

Vor rund 30 Jahren übte die Feuerwehr im Stall meines Vaters. Das beeindruckte mich. So rutschte ich rein, nahm Sprosse um Sprosse, wurde Gruppenführer, Instruktor und schliesslich Kommandant.

Und nun haben Sie also Ihren Pager und Ihre Ausrüstung abgegeben. Sie waren in einem 30-Prozent-Pensum bei der Feuerwehr Sarnen beschäftigt. Wird es Ihnen jetzt langweilig?

Überhaupt nicht. Ich musste gar unzählige Anfragen für andere Ämter ausschlagen.

Was geben Sie Ihrem Nachfolger René Kiser mit auf den Weg?

Mit Tipps halte ich mich eigentlich zurück. In meiner Zeit als Kommandant hatte ich glücklicherweise keinen Unfall zu verzeichnen. Und an meinen Einsätzen waren nie Bekannte oder Verwandte von mir involviert. Das wünsche ich ihm auch.