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SARNEN: Neue Musik für altes Stück

Am Kollegitheater laufen die Vorbereitungen für eine Premiere auf Hochtouren. Das Team wagt sich mit der «Schwarzen Spinne» an ein Stück vor Urs Widmer, das bislang nur uraufgeführt wurde – aus gutem Grund.
Marion Wannemacher
Daniel Mattmann, musikalischer Leiter des Kollegitheaters Sarnen, bei einer Probe. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 5. März 2018))

Daniel Mattmann, musikalischer Leiter des Kollegitheaters Sarnen, bei einer Probe. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 5. März 2018))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Mancher mag sich vielleicht aus der Schulzeit noch an die Lektüre von Gotthelfs Novelle «Die schwarze Spinne» erinnern. Es geht um die Unterdrückung der Bauern durch einen Adligen und jenen unseligen Pakt der Christine mit dem Teufel, der für seine Hilfe ein ungetauftes Kind verlangt. Dieses Jahr bringt das Kollegitheater Sarnen das Stück auf die Bühne – allerdings in der ­Fassung des vor vier Jahren verstorbenen bekannten Schweizer Autors Urs Widmer.

«Wenn man ein Stück liest, spürt man, ob man das machen kann oder nicht», berichtet Regisseur Mats Michel. «Beim Lesen dieser Fassung entstanden bei mir am meisten Bilder im Kopf», erzählt er. Widmers Drama besteche durch eine formenreiche, ausdrucksstarke Sprache. Er konzentriert sich auf die wesentliche Binnenhandlung, die Geschichte der Christine. Die Sache mit Widmers Drama hatte nur einen Haken. Vor 20 Jahren gab es in Zürich im Theaterhaus Gessnerallee eine Uraufführung in enger Zusammenarbeit mit der Rockband Patent Ochsner. Danach wagte sich niemand mehr daran, und das hatte seinen Grund: «Wenn man versuchen würde, das nachzuahmen, verliert man. Es ist an das Idiom dieser Rockband (ihrer Eigenheit) und an die Stimme des Sängers gebunden», betont Daniel Mattmann, musikalischer Leiter und Komponist am Kollegitheater. Auch sei die Musik gar nicht erhältlich. «Mein erster Gedanke war: ‹Nein, das können wir nicht machen.›»

Bis er zu dem Schluss kam, die Musik selbst zu schreiben, und das erkannte er als bessere Ausgangslage für das Kollegitheater: So konnte sich der musikalische Leiter danach richten, welche Schüler im Orchester mitmachen wollten und entsprechend die Musik komponieren, sie ihnen sozusagen auf den Leib schreiben.

Gesangliche Herausforderung für Spieler

Im diesjährigen Orchester ist als Besonderheit eine Harfe vertreten (Nóra Infanger) sowie eine Oboe (Ines von Ah), ein Saxofon (Enrique Abächerli), Fagott (Janina Surek), eine Posaune (Michèle Spichtig), Flöten (Julia Blättler und Barbara Michel), ein Piano (Joel Michel) und ein E-Bass (Pasqual Odermatt), laut Daniel Mattmann «keine Standardbesetzung.»

Vergangenen September machte sich der Musiklehrer ans Komponieren. Herausgekommen ist eine eigenständige Tonsprache, die nicht in Zusammenhang mit einer Rockband steht und Stimmungen vermittelt. Gesanglich verlangten die Lieder den diesjährigen Spielern einiges ab, erklärt Gesangslehrerin und Stimmbildnerin Lisbeth Schmid, Ehefrau von Daniel Mattmann: «Der Teufel (Rebecca Büchi spielt ihn) hat Soli mit der ganzen Gefühlspalette von poetisch bis temperamentvoll», nennt sie ein Beispiel. Gewisse Lieder seien anspruchsvoll, weil die Solisten nicht einfach eine Melodie mitsingen könnten, die das Orchester spiele, sondern sich in einen eigenständigen Part finden müssten, erklärt Lisbeth Schmid.

Hartes Training für Choreografie

Aber auch die tänzerischen Elemente haben dieses Jahr mehr Gewicht. Gianni Schwager zeichnet für die Choreografien verantwortlich. Sie funktionieren auf der abstrakten Ebene. Wenn die unterdrückten Bauern das Schloss bauen müssen, wird dies nicht bildlich umgesetzt, sondern getanzt. Was bereits jetzt, wenige Tage vor der Premiere am Samstag, so locker aussieht, ist hartes Training: sauber zu singen und gleichzeitig eine anstrengende Choreografie zu tanzen.

Was ist das Besondere an der diesjährigen Inszenierung? «Der reduzierte Widmer-Text und der sinnliche Zugang durch das Zusammenspiel von Text, Tanz, Musik und Bühnenbild», bringt es Daniel Mattmann auf den Punkt.

Hinweis

Premiere von «Die schwarze Spinne» ist am Samstag, 10. März, 19.30 Uhr im Theater Altes Gymnasium Sarnen. Weitere Daten: www.kollegitheatersarnen.ch

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