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SARNEN: Obwaldens Artothek lebt wieder auf

Die Gründung einer Artothek in Obwalden hatte 1985 landesweit für Schlagzeilen gesorgt. Was damals eine Geste des Widerstands gegen die knausrige Regierung war, wird heute auch von Behörden begrüsst.
Romano Cuonz
Sie besiegeln den Fortbestand der pionierhaften Artothek per Händedruck (von links): Christian Kathriner (13er Kunsttreff), Hansjörg Zurgilgen (Leiter) und die Gastgeber Josef und Klara Inderbitzin von der «Krone» in Sarnen. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 23. Juni 2017))

Sie besiegeln den Fortbestand der pionierhaften Artothek per Händedruck (von links): Christian Kathriner (13er Kunsttreff), Hansjörg Zurgilgen (Leiter) und die Gastgeber Josef und Klara Inderbitzin von der «Krone» in Sarnen. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 23. Juni 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Im Jahre 1982 lehnte der damalige Obwaldner Regierungsrat den Ankauf von zehn Kunstwerken, die ihm die Kunstkommission vorgeschlagen hatte, mit fadenscheinigen Gründen ab. Einige einheimische Künstler wollten dies nicht akzeptieren. Es kam im kleinen Kanton zu einem Kulturkampf. Was daran bis heute interessant ist, ist sein Resultat. Die Künstler äusserten nämlich ihre Enttäuschung, indem sie die umstrittenen Werke drei Jahre später kurzerhand selber kauften. Mit dem Beschluss, sie sich künftig gegenseitig ausleihen zu wollen.

Damit war der Grundstein für die landesweit erste Artothek gelegt, und seither wird die Sammlung unter der Trägerschaft des 13er Kunsttreffs ständig erweitert. Nach der Gründung kommentierte eine grosse Schweizer Zeitung: «Obwalden hat eine Artothek, das ist Kunstförderung von unten auf eine andere Art, da gibt es keine Traurigkeit mehr über ein zu dünnes Portemonnaie für den Kunstkauf.» Aus heutiger Sicht aber bringt es Obmann Christian Kathriner vom 13er Kunsttreff auf den Punkt: «Die Idee, eine Artothek zu gründen, war die produktive Umsetzung eines grossen Ärgers.»

Geschichte mit Hochs und Tiefs

Im Verlauf der Jahre war der Schatz an Bildern an ganz verschiedenen Orten untergebracht. Zuerst in der Kantonsbibliothek, später im Geschäft «Wohnidee» Sarnen. Nach dem Hochwasser zügelte die Artothek in die «Krone» Giswil, wo sie sehr willkommen war. Nachdem dann aber die Familie Kuster das Hotel verkaufte, zeigten die neuen ausländischen Besitzer kaum mehr Interesse am einst guten Namen «Obwaldner Kulturbeiz».

Schweren Herzens verpackte der heutige Artothek-Betreuer Hansjörg Zurgilgen die vielen Kunstwerke in Kisten. Der Artothek drohte nach 32 Jahren das Aus. Doch dann kam Rettung: Das Wirtepaar Josef und Klara Inderbitzin vom Hotel Krone in Sarnen zeigte sich gerne bereit, der Artothek auf gleich mehreren Stockwerken ein neues «Zuhause» zu geben. Josef Inderbitzin dazu: «Das gewisse Etwas, das den Aufenthalt im Hotel Krone Sarnen zu einem Genuss macht, ist unter anderem die Kultur, zu der wir ein breites Angebot haben.» So kam es denn am vergangenen Wochenende in der Sarner «Krone» zu einer einzigartigen Wiederbelebung der Artothek mit Werken von 30 Innerschweizer Künstlern. Und diesmal fehlten an der Vernissage auch die Politiker nicht: Landammann Franz Enderli war genauso anwesend wie Nationalrat Karl Vogler. Dazu Gemeinde- und Kantonsräte. Ganz offensichtlich hat auch die Politik aus den damaligen Ereignissen ihre Lehren gezogen. Diese Gelegenheit nutzte Christian Kathriner vom 13er Kunsttreff, um gleich noch eine wichtige Botschaft an die richtige Adresse zu richten. «Was uns in Obwalden, wo für Künstler eine Diasporasituation herrscht, noch fehlt, ist ein Haus für zeitgenössische Kunst, für dieses Ziel werden wir uns weiterhin einsetzen.»

So einfach kommt man zu Kunst

Hansjörg Zurgilgen, der die Artothek und das Kulturprogramm im Hotel Krone künftig betreuen wird, gab den Anwesenden eine ganz einfache Gebrauchsanweisung: «Man melde sich an der Rezeption, die sieben Tage die Woche geöffnet ist, wähle aus den Werken, die in den Gängen zu sehen sind, ein Lieblingsbild oder Objekt aus, nehme es von der Wand, unterzeichne den Leihvertrag und schon hat man es für ein halbes Jahr in der guten Stube!» Natürlich gelte es auch, eine kleine Leihgebühr von 70 Franken zu bezahlen. Ja, und falls sich jemand von so einem Kunstwerk nicht mehr trennen könne und wolle, trete die Artothek auch als Verkäuferin auf.

Hinweis

Artothek Obwalden, Kunst zum Ausleihen. Hotel Krone, Sarnen. Täglich von 8 bis 20 Uhr.

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