SARNEN: Päckli per «Autostopp» senden

Privatpersonen, die sich als «Pöstler» einen Zustupf verdienen: Mit dieser Idee will ein Jungunternehmer in den Transportmarkt einsteigen.

Adrian Venetz
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Michael Kalbermatter in seinem Büro in Wilen: Hier laufen die Fäden von Package Ride zusammen. (Bild Corinne Glanzmann)

Michael Kalbermatter in seinem Büro in Wilen: Hier laufen die Fäden von Package Ride zusammen. (Bild Corinne Glanzmann)

Adrian Venetz

Wer ein Paket verschicken möchte, bringt dieses zur Post. Was aber tun, wenn man beispielsweise ein Sofa, Autoreifen oder eine Kiste voller Spielsachen von A nach B transportieren will, selbst aber kein Auto besitzt oder keine Zeit hat? Hier knüpft die Vision von Michael Kalbermatter an. Den Jungunternehmer hat es vor zwei Jahren von Basel nach Wilen gezogen. Dort hat er nun die Package Ride GmbH aufgebaut. Die Idee: Jeder kann selbst zum Pöstler werden, seine Transportdienste anbieten und dabei Geld verdienen.

Transporte suchen und anbieten

Das Ganze funktioniert so: Nachdem man sich auf der Internet-Plattform von Package Ride registriert hat, kann man einen Auftrag ausschreiben. Beispiel: Transport eines Sofasessels von Giswil nach Lausanne bis spätestens 25. November für den Preis von 70 Franken. Oder man kann seine Dienste anbieten. Beispiel: Jemand fährt am 22. November von Obwalden nach Lausanne, sieht den Eintrag auf der Homepage und kann den Sofasessel mitnehmen – und dabei Geld verdienen. Rund 10 Prozent des Lieferpreises – je nach Auftragsgrösse – fliessen als Vermittlungsgebühr an die GmbH. Vergleichbar ist der Dienst mit Verkaufsplattformen wie etwa Ebay oder Ricardo – mit dem Unterschied, dass nicht Waren, sondern Transportmöglichkeiten gesucht und angeboten werden.

«Privatpersonen werden zu Transporteuren», fasst Kalbermatter die Idee zusammen. Sein Start-up-Unternehmen habe das Ziel, «den Schweizer Logistikmarkt zu revolutionieren», schreibt der 34-jährige Informatiker unbescheiden auf seiner Homepage. Ziel sei es, die potenzielle Transportkapazität von Privatpersonen für den Paketversand zu gewinnen. «Durch die zusätzliche Mitnahme von Paketen leistet jeder Fahrer einen positiven Beitrag zur Umwelt.»

Vor allem für sperrige Waren

Erfunden hat der Jungunternehmer diese Idee natürlich nicht. Im Ausland gibt es vergleichbare Plattformen. Seines Wissens sei er aber derzeit der einzige Anbieter in der Schweiz. «Das Thema ‹Social Delivery› ist zurzeit ziemlich am Boomen», erklärt Kalbermatter. «Es gibt verschiedene namhafte Unternehmen wie Uber und Amazon, die an diesem Thema dran sind.» Klar ist für Kalbermatter allerdings auch: Wer einfach ein Buch oder zwei Tafeln Schokolade verschicken möchte, wird dies kaum via Package Ride tun, sondern den traditionellen Postweg nutzen. «Unsere Stärke sehen wir in den Transporten von sperrigen Waren wie etwa einem Paar Ski oder einem Sofa.» Sein Ziel ist es denn auch, dass er sein Transportangebot direkt bei Schweizer Verkaufsplattformen wie Tutti oder Anibis bekannt machen kann, wo beispielsweise Esstische, Stereoanlagen und Velos den Besitzer wechseln. «Wir sehen uns nicht in direktem Wettbewerb mit der Post. Da können wir im Moment preislich nicht mithalten.» Das sieht man auch bei der Schweizerischen Post so. «Als unmittelbare nationale Konkurrenz sehen wir solche Angebote nicht», sagt Mediensprecher Oliver Flüeler. Man verfolge solche neuen Mitstreiter auf dem Logistikmarkt aber sehr aufmerksam und investiere auch selbst in neue Möglichkeiten zusammen mit Start-ups. So habe die Post «als Nummer 1 in der Schweiz das digitale Angebot verbunden mit Paketdienstleistungen und der erleichterten Aufgabe und Annahme von Sendungen laufend ausgebaut».

Hinweis: www.packageride.ch