SARNEN: Paul von Wyl erzählt Engelbergs Bankgeschichte

Der frühere OKB-Bankdirektor Paul von Wyl ist 92-jährig. Das hohe Alter hinderte ihn aber nicht, eine Geschichte der vier Engelberger Bankinstitute in 135 Jahren zu verfassen.

Romano Cuonz
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Der 92-jährige frühere OKB-Bankdirektor Paul von Wyl. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 27. Januar 2017))

Der 92-jährige frühere OKB-Bankdirektor Paul von Wyl. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 27. Januar 2017))

Romano Cuonz

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«Ich kam als junger Bursche nach Engelberg und wurde dort gut aufgenommen», erinnert sich der heute 92-jährige Paul von Wyl, der in seinem Arbeitszimmer zwischen zahllosen Büchern am Computer sitzt. «Aus Dankbarkeit will ich der Gemeinde nun eine eigene Geschichte über ihr Bankwesen schenken.»

Bekannt wurde von Wyl, als er der Obwaldner Kantonalbank (OKB) zwischen 1974 und 1987 als Direktor vorstand. In dieser Funktion sorgte er während 13 Jahren für einen markanten Anstieg der Bilanzsumme. «Meine grosse Liebe gehörte aber immer auch der Talgemeinde Engelberg, wo ich 25 Jahre meines Berufslebens zugebracht habe und wo meine Kinder aufgewachsen sind», sagt der geistig vife und körperlich rüstige Neunziger. Die Broschüre mit dem Titel «Das Bankwesen in Engelberg 1879–2014» sei denn auch so etwas wie ein Vermächtnis. Zwar gebe es in keiner anderen Gemeinde eine so reiche Literatur wie in Engelberg, doch das Bankwesen sei nie eigentlich beschrieben worden. Diese Meinung teilt auch Alex Höchli, der das Büchlein in seinem Verlag herausgegeben hat. Höchli lobt: «Mit viel Herzblut und Liebe zum Thema beschreibt Paul von Wyl die Entwicklung des Bankwesens, notabene eines Wirtschaftszweiges, der massgeblich zur Entwicklung Engelbergs vom einstigen Bauerndorf zur anerkannten Tourismus­metropole der Zentralschweiz beigetragen hat.»

Eine Bankkarriere vom Lehrling bis zum Direktor

Die persönliche Geschichte von Paul von Wyl ist eng mit der Geschichte der OKB in Engelberg verbunden. Geboren wurde er 1925 als jüngstes von sechs Kindern einer Kägiswiler Kleinbauern- und Handwerkerfamilie. Er erwarb am Kollegium Sarnen das Handelsdiplom und wurde 1944 von OKB-Direktor Karl Helb­ling als Lehrling eingestellt. «Direktor Helbling sagte mir damals, dass ich als Bankangestellter eine anständige Existenz, aber niemals Reichtum haben würde», schmunzelt von Wyl. Er war erst 23-jährig, als er in der Filiale Engelberg Josef Hess, der zum Bankdirektor avancierte, als Filialleiter ersetzen durfte. «Mein Vorgänger war Talammann gewesen und hatte riesiges Vertrauen genossen, da musste ich mich denn auf die Socken machen», erinnert sich von Wyl. «Wegen der vielen Geldwechsel und sonstigen Geschäfte fremder Gäste – namentlich aus Amerika und England – gab es oft Arbeit bis um Mitternacht», erzählt der Autor. Am Anfang stand ihm ein Mitarbeiter zur Seite, mit der Zeit waren es dann vier. Auch in Bezug auf die Räumlichkeiten gab es in den 25 Jahren grosse Veränderungen. Zuerst wickelte von Wyl die Geschäfte noch in einer Dependance des Hotels Engelberg ab. Im Sommer 1949 aber konnte er in eine schöne Bank einziehen. Der Neubau entstand, wo einst das Hotel Viktoria gewesen war. Als der Raum für die Mitarbeiter auch dort zu eng wurde, zog die OKB nochmals weiter: in das Haus, das anstelle der «Bierlialp» gebaut wurde. Die Einweihung erlebte von Wyl dann schon als OKB-Direktor.

Unikum Sparkasse Engelberg

Paul von Wyl beschränkt sich in seinem Büchlein aber nicht nur auf die OKB. Sehr lebendig schildert er auch die gut dokumentierte Geschichte der Sparkasse Engelberg, die 1879 aus dem örtlichen katholischen Piusverein hervorgegangen war und ihre Geschäfte vorerst beim Kammer­diener des Klosters abwickelte. Dann kam sie ins sogenannte Wappenhaus und 1965 in einen stattlichen Neubau beim Kurpark. Noch heute prangt dort das Schild «Sparkasse». Indessen: Im Sommer 2014 hat das älteste Bankinstitut des Klosterdorfes mit der Sparkasse Schwyz fusioniert. Auch die Geschichte eines kurzen und wenig erfolgreichen Gastspiels der «Schweizerischen Kreditanstalt» von 1979 bis 1996 fasst von Wyl, obwohl ihm wenig Dokumente zur Verfügung standen, gut zusammen. Damit macht er seine reich bebilderte und mit vielen Zahlen dokumentierte Geschichte des Bankwesens in Engelberg vollständig.

Hinweis

Paul von Wyl: Das Bankwesen in Engelberg 1879–2014. Edition Höchli.