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SARNEN: Projekte für den Blattibach liegen vor

Am Freitag liessen Gewitter mehrere Bäche westlich des Sees über die Ufer treten. Für den Blattibach aber gab es schon vor dem Ereignis Projekte.
Romano Cuonz
Das grosse Aufräumen: Ein Bagger lädt beim Seeufer Sand und Geröll auf einen Lastwagen. (Bild Corinne Glanzmann)

Das grosse Aufräumen: Ein Bagger lädt beim Seeufer Sand und Geröll auf einen Lastwagen. (Bild Corinne Glanzmann)

Als an jenem frühen Morgen tonnen-weise Steine, Geröll und Holz über das enge Gerinne des Sarner Blattibachs dem See zu donnerten, trat der sonst zahme Bach an mehreren Stellen über die Ufer. Neben Schäden an Wohnhäusern und an der Schiffhütte ist auch das Kulturland des Landwirts Hansueli Sigrist massiv übersart worden. Nachdem der erste Schrecken überstanden war, wurden schnell einmal Vorwürfe an die Gemeinde und auch an die frühere Wuhrgenossenschaft laut: Trotz Hinweisen auf die bestehende Gefahr habe man es nicht für nötig gehalten, geeignete Massnahmen zu ergreifen oder den See beim Einlauf des Bachs auszubaggern.

Schon vor einem Jahr reagiert

Jürg Berlinger (Departementsvor­steher Wasserbau) weist solche Vorwürfe entschieden zurück. Er führt an: «Wir haben in den letzten acht Jahren über 18 Millionen im Bereich Wasserbau eingesetzt und solche Gefahren stets frühzeitig beurteilt.» Sarnen müsse stets all seine Gewässer miteinander in Relation setzen. Auch das Moosgräbli und der Schwandbach seien von diesem Unwetter hart betroffen gewesen. Solche Ausnahmeereignisse wie am 24. Juni könne man weder voraussehen noch jemals ganz verhindern. «Gerade den Blattibach aber haben vor einem Jahr Fachleute und Naturgefahrenberater vor Ort beurteilt, und die Gemeinde hat sogleich erste Massnahmen getroffen», argumentiert Berlinger, «etwa mit Abholzungen unter Einsatz eines Hubschraubers.» Er sei überzeugt, dass die Gemeinde Sarnen da einen hervor­ragenden Job mache.

Besonders schwierige Situation

«Mit dem jüngsten Ereignis haben wir am Blattibach zusätzliche Erkenntnisse gewonnen», ist Jürg Berlinger überzeugt. Man müsse nun abwägen, in welchem Rahmen der Einfluss in den See saniert und ausgebaut werden könne. Indessen – das weiss der Fachmann Stephan Flury (Chef Naturgefahren der Gemeinde Sarnen) nur zu gut – sind Massnahmen in diesem Bereich sehr schwierig zu bewerkstelligen. «Auf der einen Seite stossen Grundstücke von Anwohnern an den Bach, auf der anderen Seite ist ein Landwirt, der wahrscheinlich bei Massnahmen Realersatz fordern wird», stellt Flury fest. Dennoch: Die Gemeinde ist das Problem bereits angegangen. Seit dem 19. April liegt eine Gefahrenbeurteilung vor. Darauf basierend wurden die Schwachstellen des Gerinnes eruiert. «Wir wissen, was nötig ist, und stecken den Kopf nicht in den Sand», sagt Flury. Am 9. Juni – also genau 15 Tage vor dem Ereignis – fand im Gemeindehaus eine erste Projektsitzung statt. «Wir haben da ein halbes Dutzend Sanierungsvarianten im Bereich Giglenstrasse bis hinunter zum See vorgelegt», erklärt der Naturgefahrenfachmann. Schnell klar geworden sei, dass man auf der Siedlungsseite keinen Platz für die Verbreiterung des Gerinnes habe. «Das heisst, dass wir die Böschung auf der landwirtschaftlich genutzten Seite ablegen und dort den Überfallpunkt des Wassers werden senken müssen», sagt Flury. «Sobald wir uns mit Kanton und Bund auf Varianten geeinigt haben, werden wir auf die Grundeigentümer zugehen», verspricht Flury.

Sofortmassnahmen sind im Gange

Bagger sind seit Tagen sowohl in der Schwendi als auch im Schadengebiet Ziegelhütte im Einsatz. Unten am See wird das abgelagerte Material zusammengekratzt. Die kleineren Steine möchte man demnächst unter dem Einsatz von Asylbewerbern entfernen. Weil für den Blatti­bach nie ein Geschiebesammler gebaut worden ist, weil die Wucht des Wassers mehrere Betonsperren im Gebiet «Wi­bärgli» fortgerissen und bis weit hinunter Schutzmauern beschädigt hat, kam es zur enormen Geschiebemenge vor dem Einfluss. «Selbst die Sofortmassnahmen kommen uns teuer zu stehen», weiss Stephan Flury. In den nächsten Tagen werden alle Mauern unter- und oberhalb der Wiler­strasse, die zusammengefallen oder vom Wasser ausgefressen worden sind, vorbetoniert. Flury möchte gewiss sein, dass sie bei einem nächsten Hochwasser wieder standhalten. Von der Giglenstrasse bis zum Spisrank erarbeitet zurzeit ein Ingenieurbüro ein Wiederherstellungsprojekt. «Die Schutzfunktion der Sperren muss noch diesen Sommer gewährleistet sein», fordert Flury. Auch würden sie vom abgelagerten Geschiebe befreit.

Vorwürfe an die frühere Wuhrgenossenschaft erhebt die Gemeinde nicht. «Diese hat zwar in ihren letzten Jahren kaum mehr Perimeter einkassiert und während 20 bis 30 Jahren auch nicht mehr viel investiert», stellt Flury fest. Indessen: «Das Werk, das sie uns übergeben hat, war weder neu noch in einem schlechteren Zustand als jene von anderen Wuhrgenossenschaften.»

Romano Cuonz

Aus dem reissenden Blattibach (links) ist wieder ein zahmes Bächlein geworden (rechts). Das Unwetter hat auch auf dem Wiesland Spuren hinterlassen. (Bilder Romano Cuonz/Corinne Glanzmann)

Aus dem reissenden Blattibach (links) ist wieder ein zahmes Bächlein geworden (rechts). Das Unwetter hat auch auf dem Wiesland Spuren hinterlassen. (Bilder Romano Cuonz/Corinne Glanzmann)

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