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SARNEN: Punktlandung nach 13 695 Kilometern

Chris und Beppi Dillier haben mit ihrem Chrysler 70 Roadster Unglaubliches geschafft: Peking–Paris in 35 Tagen bei Regen und Hitze.
Romano Cuonz
Grosser Einzug für Chris (links) und Beppi Dillier auf dem Dorfplatz Sarnen. (Bild Romano Cuonz)

Grosser Einzug für Chris (links) und Beppi Dillier auf dem Dorfplatz Sarnen. (Bild Romano Cuonz)

Insgesamt hat der Wagen 13 695 Kilometer zurückgelegt. (Bild: pd)
Der offizielle Start zum Rennen in Peking. (Bild: pd)
Von Paris nach Sarnen gab es dann noch eine Ehrenrunde von weiteren 650 Kilometern. (Bild: pd)
Beppi (links) und Chris Dillier posieren unterwegs vor ihrem Gefährt. (Bild: pd)
Gemütlich tuckert der Chrysler durch die Landschaft. (Bild: pd)
Triumphaler Einzug von Chris und Beppi Dillier (von links) auf dem Dorfplatz Sarnen nach 13 695 Kilometern von Peking nach Paris. Mein Lieblingsbild !!! (Bild: Romano Cuonz (Neue NZ))
6 Bilder

Sie sind mit diesem Auto von Peking nach Paris gefahren

Romano Cuonz

Von der Dorfkapelle schlägt es eben halb fünf, da beginnen zahlreiche Zuschauer am Strassenrand Fähnchen zu schwenken. Es wird applaudiert und gejubelt. Vom Brünig her kommend, schwenkt ein eleganter, sandbrauner Chrysler 70 Roadster mit Baujahr 1930 auf den Sarner Dorfplatz ein. Wer noch gezweifelt hat, dass nach 13 695 Kilometern zwischen Peking und Paris – und einer zusätzlichen Ehrenrunde von weiteren 650 Kilometern von Paris nach Sarnen – eine solche «Punktlandung» möglich ist, kennt Chris und Beppi Dillier nicht.

Die beiden Rallye-Helden der besonderen Art strahlen übers ganze Gesicht und stemmen gleich mehrere Pokale in die Höhe. Der Gratulantinnen und Gratulanten können sie sich kaum erwehren: Küsschen da und Küsschen dort! Jede und jeder will sich persönlich überzeugen, dass die beiden «verrückten» Obwaldner noch heil und fit sind. Sie sind es: von Kopf bis Fuss. Und dies trotz unbeschreiblicher Strapazen. Nach Fahrten über wacklige Brücken, heimtückischen Treibsand, durch Flüsse, Tümpel, Matsch, über Schnee und Eis.

Herausforderung für Mann und Auto

Zum ersten Mal wurde das ehrgeizige Ausdauer-Rallye mit dem klingenden englischen Namen «The Peking to Paris Motor Race» 1907 ausgetragen. Zu einem Zeitpunkt, in dem Autos eben erst so richtig aufkamen. In der renommierten Zeitung «Le Matin» war denn auch von einer Herausforderung die Rede. «Ist da jemand, der es wagen wird, diesen Sommer mit dem Auto von Peking nach Paris zu fahren?», lautete die Frage.

Und tatsächlich fanden sich fünf Wagemutige aus Italien, Frankreich und Holland. Der italienische Fürst Scipione Borghese, begleitet vom Mechaniker Ettore Guizzardi und dem Reporter Luigi Barzini, schaffte es damals in einer «45 PC Italia» in 61 Tagen. Die meisten andern blieben auf der Strecke. In Paris winkte dem Siegertrio als Preis eine Magnumflasche vom Mumm Champagner. Genau diesen legendären Preis durften Beppi und Chris Dillier in Paris – und gleich nochmals auf dem Podium in Sarnen – «knallen» lassen. Ihre Leistung war ja nicht weniger beeindruckend: Unter 115 gestarteten Fahrzeugen erreichten die beiden Obwaldner den ausgezeichneten achten Gesamtrang. In ihrer eigenen Kategorie «1920 bis 1931» konnten sie gar mehrere Siegerpokale stemmen.

Der wackere Oldtimer heisst Heiri

Die beiden Abenteurer nennen ihr prächtiges – bei der Einfahrt in Sarnen blitzblank gefegtes – Fahrzeug mit dem Kennzeichen OW 1621 liebevoll Heiri. Schaut man auf ein kleines metallenes Schildchen, bekommt man Auskunft darüber, welche Power in diesem edlen Amerikaner-Cabrio steckt: Da ist ein 6-Zylinder, mit gut dreieinhalb Litern Hubraum und manueller Viergangschaltung. Das stattliche Gewicht von Heiri beträgt 1900 Kilogramm. Chris Dillier schwärmt: «Der Chrysler Roadster ist ein wahrer Glücksgriff gewesen, er hat bei allen Temperaturen und Strassen durchgehalten.» Ohne Probleme habe allerdings kein einziges Auto die Strecke geschafft. Eine grosse Zahl hätte aufgegeben und die Heimreise auf Ladebrücken von Lastwagen angetreten. «Im mongolischen Ulan-Bator mussten wir während dreier sogenannten Ruhetagen alles frisch verschweissen», erzählt Chris Dillier.

Und Chauffeur Beppi Dillier fügt hinzu: «Manchmal war unser Heiri so verschlammt und schmutzig, dass wir ihn ganze Ruhetage lang schrubben mussten.» Einmal sei aus dem mit Werkzeugen vollgestopften Kofferraum gar Öl geronnen. Glücklicherweise aus einem mitgebrachten Kanister! «Manchmal haben wir Flüsse und Tümpel auch so durchquert, dass das Wasser bis zur Türfallenhöhe reichte, dann erübrigte sich das Putzen», lacht Beppi Dillier.

Der Empfang war überwältigend

Nach 33 Tagesetappen – jede zwischen 200 und 670 Kilometern – erreicht der Tross von Italien herkommend das Engadin. Spätestens jetzt wird Chris und Beppi Dillier klar, dass sie zu Helden geworden sind. Praktisch an jedem Ort – in St. Moritz, auf der Oberalp, in Andermatt und Lausanne – winken ihnen Fans mit Schweizer- und Obwaldnerfähnchen zu. Ja selbst in Paris – als die Champagnerflasche entkorkt wird – applaudieren Obwaldner, und ein Alphorn bläst dazu. «So etwas hat kein anderes Team erfahren dürfen», freut sich Chris Dillier.

Eine besondere Idee hat da Gemeinderat Jürg Berlinger: Weil die beiden in der Wüste, um Benzin zu bekommen, ganz ungewohnt hatten rangeln müssen, schenkt er ihnen im Namen der Gemeinde einen Gutschein. Er soll Chris, Beppi und ihrem Heiri in nächster Zukunft ein bequemes Tanken erlauben. Die Feier für die Helden von China und Paris aber dauerte auf dem Sarner Dorfplatz noch bis spät in die Nacht.

Der offizielle Start zum Rennen in Peking. (Bild: PD)

Der offizielle Start zum Rennen in Peking. (Bild: PD)

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