SARNEN: Sarner erzählen die Geschichte Kuwaits

An der Welt- ausstellung in Mailand will sich Kuwait als innovativer, moderner aber bescheidener Staat präsentieren. Die Ideen dazu kommen aus Obwalden.

Philipp Unterschütz
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Visualisierungen der Ausstellung (links) und des Eingangsbereichs vom Kuwait-Pavillon an der Weltausstellung in Mailand. (Bild: PD/Nüssli Gruppe)

Visualisierungen der Ausstellung (links) und des Eingangsbereichs vom Kuwait-Pavillon an der Weltausstellung in Mailand. (Bild: PD/Nüssli Gruppe)

Unter Segeln, die an die Handelsschiffe erinnern, die dem Emirat Kuwait lange vor dem Ölboom zu bescheidenem Wohlstand verhalfen, schreitet man in eine Wüstenlandschaft, spürt deren faszinierende, karge und doch so bedrohliche Schönheit und entdeckt, welche Magie der seltene Regen entfaltet. Der Golfstaat besteht praktisch nur aus Sand und Meer. Schon der szenografische Einstieg in den Pavillon Kuwaits an der Weltausstellung in Mailand, die vom 1. Mai bis 31. Oktober stattfindet, macht klar, wie wichtig Süsswasser für Kuwait und seine rund drei Millionen Einwohner ist. Erdöl schafft zwar Reichtum, doch ohne Wasser kein Leben. «Die weltweit grösste Entsalzungsanlage steht in Kuwait», erzählt Mauro Testerini und schüttelt einen Plastikbecher mit Trinkwasser, den er von dort mitgebracht hat. «Dort ist das flüssiges Gold.»

Innenarchitekt und Szenograf Testerini ist Geschäftsleiter von Steiner Sarnen Schweiz. Die Firma, die seit 1997 Ausstellungen, Besucher­­rundgänge und Besucherzentren realisiert, entwickelte die «Storyline» für den über 2500 Quadratmeter grossen Pavillon von Kuwait. Dazu verwob das Team Inhalte rund um das Thema Wasser und das Emirat zu einer spannenden Geschichte.

Neben vielen weiteren Objekten waren die Obwaldner auch für die Szenografie des mehrfach ausgezeichneten Schweizer Pavillons an der Weltausstellung 2012 in Südkorea verantwortlich. Das jüngste Projekt ist das Besucherzentrum der Vogelwarte Sempach. Dort laufen momentan die Bauarbeiten auf Hochtouren, am 3. Mai soll es eröffnet werden.

Viel Wert auf die Kinder gelegt

Die Dramaturgie im Kuwait-Pavillon zeigt an der Weltausstellung, bei der es um Ernährung und Energie für das Leben geht, insbesondere, wie der Wüstenstaat ständig Wasser generieren muss, um überleben zu können. Um das für die Besucher erlebbar zu machen, gibt es an der Ausstellung ein 15 mal 5 Meter grosses Modell Kuwaits mit seinen technischen Errungenschaften. In einer Interpretation eines arabischen Marktes, die zugleich die Modernität des Staats zeigt, lernen die Besucher neben einheimischen Produkten auch die Gastfreundschaft des Landes und seine emotionale Seite kennen. «Ganz wichtig war für die Kuwaitis zudem, dass auch Kinder auf eigenen Wegen mit altersgerechten Attraktionen den Pavillon erleben können», erklärt Mauro Testerini, der glaubt, dass das Projekt Kuwaits eines der interessantesten an der Weltausstellung sein wird.

Über Umwege zum Auftrag

Den Auftrag hatten eigentlich die Nüssli-Gruppe aus dem Thurgau und der bekannte italienische Architekt Italo Rota an Land gezogen. Man hatte aber Mühe, den Kuwaitis ein greifbares und überzeugendes Konzept vorzulegen, es fehlte die Verbindung zum Motto der Ausstellung. Weil Nüssli bereits beim Schweizer Pavillon für Südkorea mit den Sarnern gearbeitet hatte, holten sie diese im November 2013 erneut an Bord. «Es herrschte grosser Zeitdruck, die Grundgeschichte entwarfen wir in nur einer Nacht», erzählt Mauro Testerini. Auch sei es am Anfang eher harzig gelaufen zwischen ihnen und dem Architekten.

«Das ist in so einem gestalterischen Prozess auch verständlich, schliesslich musste wegen unserer Geschichte vieles umgestaltet werden.» Mittlerweile läuft es viel besser, der Pavillon werde sicher zur Eröffnung fertig, was längst nicht bei allen Projekten ganz sicher sei. Dennoch ist Testerini auch etwas nervös. «Die Ausstellung ist getaktet. Ob es mit dem Besucherfluss so klappt, wie wir uns das auf dem Papier vorgestellt haben, und wie der Pavillon ankommt, weiss man erst nach der Eröffnung.»

Zahlen bleiben geheim

Zum Budget will Mauro Testerini nichts sagen, verneint aber das Vorurteil, dass ein Staat wie Kuwait mit der ganz grossen Kelle anrichte. Auf die Frage, warum sich ein muslimisches Land wie Kuwait von Schweizern darstellen lasse, meint Testerini: «Gute Storys versteht man überall auf der Welt.» Da spiele die Herkunft der Geschichtenerzähler keine Rolle. Kuwait sei für ihn der Golfstaat, der am meisten Parallelen zur Schweiz aufweise. Man wolle das Optimum aus dem Land machen, habe einen hohen Ausbildungsstandard, es sei vieles trotz Reichtum bescheidener als in anderen Golfstaaten. Wer sich davon sein eigenes Bild machen will: Während der Expo 2015 liegt Kuwait für Schweizer näher denn je.

Die Schweiz zeigt Spezialitäten

Weltausstellung unp. Die Expo 2015 vom 1. Mai bis 31. Oktober in Mailand steht unter dem Motto «Den Planeten ernähren – Energie für das Leben». Der Schwerpunkt soll beim Recht aller Menschen auf gesunde und ausreichende Ernährung liegen. Über 140 Länder nehmen teil. Erwartet werden rund 20 Millionen Besucher. Das Messegelände City-Life nordwestlich von Mailand erstreckt sich über mehr als einen Quadratkilometer. Türme mit Spezialitäten Die Schweiz nimmt mit dem Projekt «Confooderatio Helvetica» teil. Der Pavillon umfasst eine Fläche von gut 4400 Quadratmetern. Verantwortlich für die Umsetzung des Projekts der Netwerch GmbH, die sich in einem Ideenwettbewerb durchgesetzt hat, ist Präsenz Schweiz. Unter anderem werden vier bis zu zwölf Meter hohe Holztürme gebaut, die mit Schweizer Spezialitäten gefüllt werden, und an denen sich die Besucher bedienen können. Die Esswaren werden nicht nachgefüllt. Das soll symbolisieren, dass Nahrungsmittel nicht unerschöpflich sind. Die Firma Steiner Sarnen Schweiz reichte selber kein Projekt ein. CEO Mauro Testerini sass in der Wettbewerbsjury.>

Video: Virtueller Rundgang durch den Pavillon unter: www.obwaldnerzeitung.ch/bonus