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SARNEN: Schwarze Spinne endet in Apokalypse

Etwas Unerhörtes, eine Novelle, schrieb Jeremias Gotthelf mit der «Schwarzen Spinne». Urs Widmer machte daraus ein Drama. Das Kollegitheater Sarnen interpretiert es auf eigene geniale Weise. Am Samstag war Premiere.
Marion Wannemacher
Der Teufel (Rebecca Büchi) tanzt im knallgrünen Kleid. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 5. März 2018))

Der Teufel (Rebecca Büchi) tanzt im knallgrünen Kleid. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 5. März 2018))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

Das Böse droht von Anbeginn hoch über den Bühnenbrettern: Der mächtige Leib der schwarzen Spinne. Er wird getragen von acht staksigen Beinen, die das Geschehen auf der nackten schwarzen Bühne mit der architektonischen Wirkung von Säulen eines Rittersaals begrenzen. Der Lehnsherr Graf von Stoffeln (Myriam Mende) thront mit seinen Kreuzrittern über dem Volk. Im schattigen Loch der Bauern herrschen Hungersnot und Mühsal. Was der Graf abverlangt, übersteigt deren Kraft: Innert Tagesfrist sollen sie ihm 100 Buchen als Schattengang pflanzen. In einem choreografisch expressiv umgesetzten Erschöpfungstanz aus stereotypen Workout-Bewegungen schuftet der Chor der Bauern.

Mitten in die Schinderei kommt unverhofft ein Jäger (Rebecca Büchi spielt ihn provozierend weiblich verführerisch und selbstbewusst) und bietet Hilfe an. Es ist der Teufel. Er verlangt als Lohn für seine Arbeit ein ungetauftes Kind. Die Bauern zögern. Doch die couragierte Christine (eine hervorragende Aline Banz) stellt sich ihm, tanzt mit ihm einen Tango, der Widerstreben, Anziehung und Verführung widerspiegelt. Sie schliesst den Pakt mit dem Teufel, besiegelt durch einen Kuss.

Reduzierte Widmer-Fassung in linearer Inszenierung

«Die schwarze Spinne» auf der Bühne des Kollegitheaters Sarnen, das sind 80 Minuten Spannung ohne Pause in einer Inszenierung, die sich durch ihre Linearität auszeichnet. Regisseur Mats Michel und Geri Dillier als dramaturgischer Berater ver­stehen es, die Fäden der äusserst reduzierten Widmer-Fassung ­zusammenzuführen. Es ist das Zusammenspiel der eigens von Daniel Mattmann komponierten Musik (wir berichteten), des genial reduzierten Bühnenbildes von Markus Bürgi und der ausdrucksstarken Choreografie von Gianni Schwager sowie der atmosphärisch stimmungsvollen Beleuchtung durch Patrick Imfeld, die das Drama zum Gesamtkunstwerk werden lassen. Grossen Anteil daran haben die Spieler. Ob ihrer Spielfreude, Körperspannung beim Tanzen und ihrer hinreissend interpretierter Musicaleinlagen lassen sie vergessen, dass es sich um Laiendarsteller, um Schüler, handelt.

Düster und voller Horror ist der Stoff, den Gotthelf einst als Novelle aus einer Sage dichtete. Urs Widmer dampfte ihn in seinem Drama auf die Kerngeschichte ein, bei ihm begleitete Büne Huber von Patent Ochsner das Geschehen. Die beiden von Widmer ersonnenen Figuren Köbi und Sybille (Eliane Gisler und Miriam Kafader spielen fantastisch) brechen als «Beelze-Bub» und «Anti-Christ» wie Narren in ihrem absurdem Tun und Witz den sonst schweren, dramatischen Handlungsstrang.

Der Teufel lässt sich nicht in die Suppe spucken

Dem Teufel gelingt das Werk mit spanischer Besprechungsformel, die 100 Buchen stehen, die Bauern sind scheinbar gerettet. Mit Nottaufen im letzten Augenblick gelingt es dreimal, den Teufel zu überlisten. Doch dieser lässt sich nicht so einfach in die Suppe spucken. Jedes Mal zieht er die Schraube weiter an, senkt sich der bedrohliche Leib der Spinne dichter auf die Bauern herab, brennt immer mehr die Wange von Christine, dort, wo sie der Teufel geküsst hatte. Dagegen kommt auch der Pfarrer (überzeugend gespielt von Hannes Krummenacher) nicht an, auch nicht mit einem beschwörenden lateinischen Exorzismus. Seine Klappleiter als Kanzel zeigt die Hilflosigkeit seiner Mittel. Das Volk agiert als abgestumpfte Masse, macht sich als Kollektiv schuldig am Blut von Christine und ist bereit, das verlangte Kind zu opfern.

Aus der teuflisch geküssten Wange entspringen schwarze Spinnen, die wie die schwarze Pest erst das Vieh, dann (in grotesk-witziger Parodie) Ross und Ritter und schliesslich die Menschen niederstrecken. Zuletzt spinnt die wahnsinnig gewordene Christine, nun selbst zur Spinne mutiert, ihre tödlichen Fäden. In dramatischer Überspitzung endet Widmers Stück in einer Apokalypse. Es ist das Schauspiel des Teufels, das diesem gründlich misslingt. Er bleibt geschlagen zurück und bekommt zuletzt sein Fett weg (O-Ton Büne Huber): «Bisch es truurigs Arschloch.»

Hinweis

Weitere Termine: 16., 17., 21., 23. und 24. März, jeweils 19.30 Uhr, Altes Gymnasium Sarnen. www.kollegitheatersarnen.ch

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