Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SARNEN: Seit 39 Jahren ist er Pegelbeobachter

Die Messstation für den Wasserpegel am Sarnersee gilt als landesweites Unikum. Sozusagen Hausherr im «Kabäuschen» ist Hanspeter Dillier.
Romano Cuonz
Hanspeter Dillier überwacht im Kabäuschen am Sarnersee den Pegelstand. (Bild Romano Cuonz)

Hanspeter Dillier überwacht im Kabäuschen am Sarnersee den Pegelstand. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Einmal die Woche kommt der 65-jährige Pegelbeobachter Hanspeter Dillier zum Sarner Seefeld. Schnurstracks geht er auf ein ganz eigenartiges, grüngelbes «Kabäuschen» gegenüber der Schifflände zu. Sein erster Blick gilt dem grauen, mit Zahlen versehenen Sichtpegel, der vor dem Häuschen aus dem Wasser in die Höhe ragt. «Nach dem Hochwasser 2005 mussten wir diesen Pegel um einen Meter von 472 auf 473 Meter über Meer verlängern», bemerkt Dillier. «So etwas hätte zuvor niemand je gedacht!» Der aktuelle Pegelstand, den Dillier nun von blossem Auge bestimmt, ist allerdings nicht alarmierend. «469,6 Meter», sagt er. Weil er es aber ganz exakt wissen will – und für die Statistik auch muss –, öffnet er nun ein Türchen. «Dank einer exakten pneumatischen Messung, unten im See, hält der Schreiber den Wasserstand auf dieser Papierrolle auf acht Millimeter genau fest», sagt Dillier. Dann liest er laut vor: «469,691 Meter über Meer!» Die Zahl wird in ein Protokoll notiert. Dann wechselt Dillier noch die Papierrolle im Kabäuschen. Das Protokoll legt er nun, zusammen mit der beschriebenen Papierrolle, in einen Umschlag. «All dies schicke ich noch heute ans Bundesamt für Umwelt (Bafu) nach Bern», sagt Dillier.

Der Pegel gehörte zum Spielplatz

Was der ebenso sportliche wie exakte Mann als Pegelbeobachter tut, ist für ihn seit 39 Jahren Routine. Doch begonnen habe es noch viel früher, erzählt Hanspeter Dillier. Schon vor 150 Jahren ragte beim Bahnhof Sachseln ein Pegel mit Masseinteilung aus dem Sarnersee. Die Leute lasen da den Wasserstand ab. In der Sarneraa gab es ab 1930 einen Schwimmpegel, der rauf und runter ging und so den Wasserstand festhielt. «Als mein Vater Landweibel wurde, übernahm er die Beobachtung dieses Pegels direkt unter unserer Wohnung im Rathaus», erinnert sich Dillier. Für die Dillier-Kinder war der Pegel, zu dem ein Treppchen führte, ein Spielplatz. «Als dann Vater erkrankte und 1977 starb, übernahm ich als jüngster Sohn nach und nach seine Aufgabe», sagt Hanspeter Dillier. Und er schmunzelt: «Ich glaube, das Wassermessen liegt in unseren Genen.»

Bund will auf Nummer sicher gehen

Im Verlauf der vielen Jahre habe er etliche Neuerungen miterlebt. Am meisten freut es ihn, dass die heutige Messstation am Sarnersee ein landesweites Unikum ist. Dies, weil hier das Innere der Messstation auch interessierten Passanten nicht verborgen bleibt. Diese kön­nen nämlich durch eine Glas­scheibe gucken und sehen, wie ein automatischer Schreiber hoch und nieder geht, den Pegelstand tagein, tagaus als Kurve auf Spezialpapier aufzeichnet. Der Vorgang sei kompliziert. «Wir pumpen alle paar Minuten Luft in ein Rohr im Wasser und halten so den Pegelstand mittels pneumatischer Messung fest», erklärt Dillier. Der durchschnittliche Wert wird dann elektronisch auf den mechanischen Schreiber übertragen. Grosser Vorteil dieser Messung: Sie wird vom ständigen Wellengang kaum beeinflusst. Im heutigen digitalen Zeitalter wolle allerdings das Bafu jederzeit Zugriff auf die Daten haben. Alle Daten sind digital abrufbar und werden auch aktuell auf der Website publiziert. Trotz aller modernen Techniken aber verzichtet der Bund nicht ganz auf die Arbeit des Pegelbeobachters. «Man will sicher­gehen, dass man auch dann Daten erhält, wenn Computer einmal ausfallen oder die modernen Anlagen Störungen aufweisen», weiss Dillier. An der neuen Anlage an der Sarneraabrücke beim Von-Wyl-Haus seien gar schon Spinnen in die Radarglocke eingedrungen und hätten für Störungen gesorgt.

Pegel und Jahrhunderthochwasser

Als Pegelbeobachter erlebt Hanspeter Dillier immer wieder, wie in der Bevölkerung das Interesse am Pegelstand steigt, wenn es auch nur ein paar Tage regnet. «Seit dem Hochwasser von 2005 sitzt vielen Obwaldnern die Angst im Nacken», sagt er. «Meist beruhige ich die Leute dann», erwähnt Dillier. «Aufgrund meiner Zahlen erkläre ich dann, dass es noch lange dauert, bis die Sarneraa die Schadensgrenze erreicht.» Auch wenn der Pegelbeobachter gar keine Aufgabe im Zusammenhang mit dem Hochwasser-Warnsystem hat, geht er bei aufkommender Gefahr ganz automatisch vermehrt zum Messen. «Am Sonntagabend vor dem grossen Hochwasser von 2005 war ich noch am See. Da blieben noch 50 Zentimeter Reserve bis zum Katastrophenstand von 470,50 Meter über Meer.» Jedoch: Als er am nächsten Morgen kam, war das Kabäuschen verschwunden, zerstört von der Flut und angeschwemmtem Holz. «Damals fielen alle Messungen aus, und wir konnten nur noch optisch feststellen, welche Jahrhundertkatastrophe da im Gange war», erinnert sich Dillier. Aber er ist überzeugt: «So etwas wird unsere Generation nicht mehr erleben.» Fragt man den Pegelbeobachter, wem denn die Messarbeit Nutzen bringe, kann er viele aufzählen: «Weil Hochwasser Kettenreaktionen auslöst, geht das bis zu den Rheinschiffern. Die Langzeitbeobachtungen dienen auch den Planern von Kraftwerken oder Bauherren am Seeufer. Ebenso braucht das EWO die Zahlen im Zusammenhang mit dem Staubetrieb bei Hochwasser.»

HINWEIS

Die Pegelstände der Sarneraa und des Sarnersees sind jederzeit über die Website bafu.admin.ch abrufbar. Dort kann man dann über die «Hydro­logischen Daten» alle Stationen der Schweiz anwählen.

In unserer Sommerserie «Mit Wasser im Element» stellen wir Nid- und Obwaldner vor, die in ihrem Beruf oder in der Freizeit massgeblich mit Wasser zu tun haben. Bisher erschienene Beiträge finden Sie unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien oder www.obwaldnerzeitung.ch/serien.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.