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SARNEN: Sensationeller Fund in altem Dachsaal

In ihrem Haus fanden die Besitzer im Estrichsaal Malereien aus dem Jahr 1607. Der bedeutende nationale Kunstschatz wird nun für viel Geld restauriert.
Romano Cuonz
Restaurator Wendel Odermatt (links) und Denkmalpfleger Thomas Hurschler bestaunen die mehr als 400-jährigen Bildtafeln in Sarnen. (Bilder Romano Cuonz)

Restaurator Wendel Odermatt (links) und Denkmalpfleger Thomas Hurschler bestaunen die mehr als 400-jährigen Bildtafeln in Sarnen. (Bilder Romano Cuonz)

«Als mir 2008 aus einem Erbgang der hintere Teil des Doppelhauses ‹Am Grund› zufiel, staunte ich am meisten über einen zur Abstellkammer verkommenen Festsaal unter dem Dach», sagt Monika Bergen-Gehrig. Und ihr Mann Markus Bergen – von Beruf Architekt – kommt ins Schwärmen: «Uns war gleich klar, dass wir den einstigen Prunksaal mit seinen wertvollen alten Bildern wieder herstellen und der Öffentlichkeit zugänglich machen wollten.» Vorabklärungen nahmen die beiden Besitzer auf eigene Kosten vor.

Bund und Kanton zahlen mit

Monika und Markus Bergen suchten Kontakt zur Obwaldner Denkmalpflege. Denkmalpfleger Thomas Hurschler sagt: «Dieser frühere Festsaal mit den alten Bildern ist ein Schutzobjekt von nationaler Bedeutung. Das heisst, wir können zur Erhaltung Gelder des Kantons und des Bundes mobilisieren.» Markus Bergen betont: «Ohne diese Unterstützung hätten wir die Bilder nicht retten können.»

In der Tat: Die Behebung von statischen Schäden – sie sind zum Teil beim Erdbeben 1964 entstanden – sowie die fachgerechte Restaurierung dieser von Experten mit der Note «hervorragend» bewerteten Malereien kommen auf über 100 000 Franken zu stehen.

Landammann wollte Ahnengalerie

Das Herrenhaus «Am Grund» im Dorfzentrum von Sarnen gelangte Mitte des 16. Jahrhunderts in den Besitz der Landammänner-Familie Imfeld. Diese vererbte es von Generation zu Generation weiter. Einer der Besitzer war Landammann Melchior Imfeld. Das Besondere an ihm: Er war mächtig stolz auf seine Vorfahren. Darum beschloss er, den Festsaal im Dachgeschoss unter anderem mit einer Art Ahnengalerie ausmalen zu lassen.

Den Auftrag dafür erteilte er dem 1573 in Stans geborenen und 1649 in Sarnen verstorbenen Kunstmalermeister Sebastian Gysig. In der Folge bemalte Gysig alle Wände und die Decke der Kammer. Auf einer grossen Anzahl Bildfeldern sind Vorfahren Melchior Imfelds dargestellt – frontal, bewaffnet und in voller Rüstung. Ursprünglich waren es zwölf Tafeln. Einige aber sind in der Zwischenzeit verloren gegangen.

Paradiesbaum mit Adam und Eva

Auf eine gewisse Eitelkeit des aufstrebenden Landadels weist der fast filigrane Stammbaum mit Urgrosseltern, Grosseltern und Eltern hin. In der Mitte erhebt sich der Paradiesbaum mit der Schlange und den Gestalten von Adam und Eva.

Welch grossen Wert die Familie Imfeld auf die angebliche Abstammung von Römern legte, beweist die dargestellte Schlacht an der «milvischen Brücke». Nun, dank der Reinigungsarbeiten, erkennt man wieder eindrücklich den reitenden Sieger Konstantin und den durchs Wasser fliehenden Maxentius.

Einige Malereien nicht zu retten

«Extrem stark verdunkelt hätten sich die Bilder an der gewalmten Holzdecke», sagt Restaurator Wendel Odermatt von der Firma Stöckli in Stans. Das sei auch mit modernsten Mitteln nicht mehr umkehrbar. Wenn man genau hinschaut, erkennt man aber noch die Krönung Marias. An den Seiten, gemalt mit Gold und Silber, lebensgrosse, schwebende Engel, dazu Sonne, Mond und Sterne.

Am interessantesten ist zweifellos die nördliche Giebelwand mit einer symbolischen Darstellung von Jung und Alt, Reich und Arm. Die Malerei zeigt einen jungen Söldner, der seinen Hut zieht. Er hat viel Kraft, aber kein Geld, weil er alles verspielt hat. Die Kaiserjass-Karten liegen auf dem Boden. Als Gegensatz zur beschriebenen Szene wird weiter ein alter Geizhals in einem reich mit Silbergefässen, Geldkisten und Beuteln gefüllten Schatzraum gezeigt. Ein Handelsschiff im Hintergrund verrät, wie er sein Geld verdient hat.

Künftig gibt es Konzerte im Saal

Der Obwaldner Denkmalpfleger Thomas Hurschler fasst in einem Satz zusammen, was diese Bilder so wertvoll macht: «Wir haben Malereien von 1607, die nie übermalt und noch nie restauriert worden sind. Das ist einzigartig.» Und Restaurator Wendel Odermatt erläutert: «Wir setzen alles daran, die Malereien möglichst schonend zu sichern, zu festigen und von Schmutz zu befreien.» Das Ziel der Restaurierung sei eine Steigerung der Lesbarkeit der Malereien.

«Wir freuen uns, dass dieser Raum wieder zu jenem Festsaal wird, der er einst war», sagt Markus Bergen auf Anfrage. Eine der ersten Veranstaltungen im neu restaurierten Raum solle dann im Frühjahr ein Kaiserjass-Turnier sein. Schliesslich seien auf einem Bild noch deutlich Kaiserjass-Karten zu sehen. Ebenso gut kann sich das Ehepaar im Festsaal mit guter Akustik künftig auch musikalische oder andere kulturelle Veranstaltungen und Feste vorstellen.

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