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SARNEN: Sonderausstellung: Galerie Hofmatt feiert ihr 25-Jahr-Jubiläum

Die über Obwalden hinaus bekannte Galerie Hofmatt hat in 25 Jahren 120 Ausstellungen gezeigt. Das Besondere ist, dass sich Künstler und Publikum auf fünf sehr unterschiedliche historische Räume einlassen müssen.
Das Panoramazimmer mit dem alten Fresko – an der Jubiläumsausstellung bespielt mit dem beweglichen, tönenden Kreisel von Barbara Jäggi. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 21. November 2017))

Das Panoramazimmer mit dem alten Fresko – an der Jubiläumsausstellung bespielt mit dem beweglichen, tönenden Kreisel von Barbara Jäggi. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 21. November 2017))

Romano Cuonz

kultur@luzernerzeitung.ch

«Wir waren uns im siebenköpfigen Team einig, welchen Schwerpunkt wir zum 25. Geburtstag der Galerie Hofmatt setzen wollten», sagt Besitzer und Initiant Edwin Huwyler. «Im Mittelpunkt sollte das Bespielen unserer fünf historischen Galerieräume stehen!» Das Vorgehen: Zuerst habe das Team gemeinsam auf zahlreiche Höhepunkte während all der Jahre zurückgeblickt. Aus den rund 100 bisherigen Gästen habe man dann ein Quintett ausgewählt. «Fünf Kunstschaffende, die uns mit ihren Installationen besonders beeindruckt hatten, für jeden Raum einen oder eine», verrät Huwyler. Neue Kunst von alten Bekannten. Und dies unter dem Titel «5 x 5».

Das Grosshaus in der Hofmatt ist ein geschütztes Obwaldner Kulturdenkmal. Errichtet wurde es um 1643 von Landammann Johann Imfeld. Später nutzte Johann Baptist Dillier – bekannter als «Seminariherr» die Räume. Er führte dort eine private Lateinschule für Knaben, aus der sich das Kollegium Sarnen entwickelte.

Eine Überraschung hinter den Wänden

Als der bekannte Bauernhausforscher Edwin Huwyler das Haus in den 1990er Jahren erwarb, erlebte er eine grosse Überraschung. «Da war im Parterre eine Werkstätte mit mehrfach weiss überstrichenen Wänden», erzählt er. Wie man dann am Verputz gekratzt habe, sei dahinter fast unversehrt eine wertvolle Wandmalerei zum Vorschein gekommen. Ein unbekannter Künstler aus dem 17. Jahrhundert hatte diese «Salla terra» – nach italienischem Vorbild – zum Kunstwerk gemacht.

Realistisch zeigt die Wandmalerei Obwaldens Panorama, das man zu jener Zeit vom Standort des Hauses aus gesehen haben mag. Wie ein Wintergarten wirkt dieser Raum. Dies, indem er ein geschicktes Wechselspiel zwischen Innen und Aussen inszeniert. Nach aufwendiger Restauration entschied sich Huwyler, in diesem und weiteren Parterre- und Kellergeschossen eine Galerie für zeitgenössische Kunst zu eröffnen.

Diese führt er – zusammen mit einem eingeschworenen Team – nun schon seit 25 Jahren. Verkauft wird wenig. Defizite werden in Kauf genommen. «Wir arbeiten aus Freude an zeitgenössischer und auch junger Kunst und finanzieren alle nötigen Einrichtungen gemeinsam», erklärt Huwyler. In der Regel werden jährlich vier Einzelausstellungen mit Kunstschaffenden aus der Schweiz und dem Ausland durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt bei plastischen und installativen Arbeiten. Aber auch die Malerei hat in der Hofmatt Platz und Räume.

Spielereien in den Parterre-Räumen

Für die Jubiläumsausstellung überlässt das Hofmatt-Team das Panoramazimmer der in Luzern arbeitenden Berner Bildhauerin Barbara Jäggi. Sie zeigt – einmal mehr –, wie einfühlsam sie auf die alte Wandmalerei einzugehen vermag. Auf den alten Tonboden setzt sie einen mächtigen Kreisel aus rostbraunem Metall. Wie eine überdimensionale Kompassnadel sieht er aus. Und er lässt sich drehen. So, dass er mit der Spitze auf alle Teile der gemalten und der wirklichen Landschaft zeigt. Dabei verursacht er seltsame Geräusche. «Auf mich wirkt dieses Werk von Barbara Jäggi wie die Multiplikation jenes Panoramagedankens, den der einstige Künstler hatte», lobt Galeriebesitzer Edwin Huwyler.

Wer das alte Haus betritt, gelangt zuerst in ein Treppenhaus mit breitem Gang. Die weissgetünchte Wand bespielt der in Luzern lebende Nidwaldner Paul Lussi. «Weil man hier wenig Distanz hat, habe ich mich für eine Installation mit vielen kleinen Zeichnungen entschieden», sagt er. Wie Spuren aus einer langen Vergangenheit sind die Runen darauf. An die Hofmatt macht der Künstler eine Liebeserklärung: «Hier kann ich fast unmöglich Erscheinendes realisieren und dabei die Räume, die eigene Arbeit und die Besucher provozieren!»

Der Galerieraum ist durch ein wohl jahrhundertealtes Täfer strukturiert. Edwin Huwyler vermutet, dass im 18. Jahrhundert «Seminariherr» Dillier genau hier Latein unterrichtet habe. Zurzeit aber hängen an den Wänden intensiv farbige Bilder. Gemalt von der in Ennetbaden lebenden Zürcherin Gabi Fuh­rimann. «Ich male Bilder, die eine Vorgeschichte mitbringen, und ich male gerne auf Holz», sagt sie. «Diese Galerie und dieser Raum sprechen genau die Sprache, die auch in meinen Bildern gesprochen wird.»

Installationen drunten im Keller

Steigt man über die steinerne Treppe in den mit rohen Steinen bestückten und gemauerten Keller, fällt einem zur Linken ein schmaler Stichgang mit sechs engen, ins Gemäuer eingelassenen Nischen auf. «Weil es hier stets kühl ist, benutzten frühere Bewohner die Nischen, um Lebensmittel kühl zu stellen», erzählt Edwin Huwyler. Nun aber bespielt der in Deutschland lebende Obwaldner Bildhauer Jo Achermann diesen Ort. Ausgehend vom Hofmatt-Panorama hatte er in die reale Obwaldner Landschaft an markanten Punkten drei mehrfach geschichtete quadratische Aussenskulpturen aus Eichenbalken gesetzt: bei den Kapellen St. Niklausen und Ramersberg und beim Schiffssteg im Sarner Seefeld. Jetzt belebt Achermann die Nischen ohne Verbindung zur Aussenwelt mit sechs weiteren, noch utopischen Miniaturmodellen.

Für Installationskünstler ein wahres Eldorado ist der Gewölbekeller. Edwin Huwyler zur Geschichte: «Früher war dies ein Vorratskeller, in dem die ‹Mutte› mit der Milch zum Abrahmen platziert wurde.» Noch gebe es Haken an der Decke, an denen man Bretter aufgehängt habe.

Hier setzt der in Obwalden lebende Thomas Birve an. «Mein Symbol ist das Gefäss, Kugeln etwa, Schalen, ja gar der Kopf, wenn es um Gedanken geht!» All dies passe gut in einen Keller, wo Dinge aufbewahrt würden. Nun hat Birve ein Regal aufgebaut. Es weist fünf mal fünf Nischen auf. Hinein stellt er verschiedene Gefässe. «Die Hofmatträume, auf die ich mich stets von neuem einlassen muss, sind für mich Heimat», gesteht Birve. Und Galeriebesitzer Erwin Huwyler ergänzt: «Die Beziehung zwischen unserem Team und den Kunstschaffenden verleiht der Galerie ihre eigene Handschrift. Ihren Charakter.»

Hinweis

Galerie Hofmatt, unterhalb der Sarner Pfarrkirche: «5 x 5» – 25 Jahre Galerie. Jo Achermann, Thomas Birve, Gabi Fuhrimann, Barbara Jäggi. Paul Lussi. Ab morgen bis 23.12. Öffnungszeiten: Samstag/Sonntag 14-17 Uhr. galerie-hofmatt.ch

Der alte Gewölbekeller mit den Haken und dem Natursteinboden – an der Jubiläumsausstellung bespielt mit einem Gestell von Thomas Birve. (Bild: Romano Cuonz (Sarnern, 21. November 2017))

Der alte Gewölbekeller mit den Haken und dem Natursteinboden – an der Jubiläumsausstellung bespielt mit einem Gestell von Thomas Birve. (Bild: Romano Cuonz (Sarnern, 21. November 2017))

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