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SARNEN: Tiefempfundenes Theater berührt Publikum

Das Kollegitheater bringt den «Superhero» des Erfolgsautors Anthony McCarten auf die Bühne. Dass der Held ein krebskranker Teenager ist, wird intensiv, berührend und mit allen Mitteln der Theaterkunst inszeniert.
Romano Cuonz
Der krebskranke Donald Delp (rechts) kreiert sich seine eigene Comic-Welt mit einem Superhero. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 25. März 2017))

Der krebskranke Donald Delp (rechts) kreiert sich seine eigene Comic-Welt mit einem Superhero. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 25. März 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Die minutenlangen Standing Ovations am Schluss des heurigen Sarner Kollegitheaters kamen ganz spontan. Ja, eigentlich mussten sie kommen, war doch das Publikum vom Spiel der jungen Truppe von der ersten bis zur letzten Minute ergriffen. Dies nicht etwa, weil die Geschichte des krebskranken Teenagers einfach nur traurig gewesen wäre. Im Gegenteil: weil einem der Junge mit seinem unbesiegbaren Humor und die Geschichte mit ihrem makaber sarkastischen Witz das Herz zerreissen.

Ja, gegen 50 Mitwirkende vor, hinter, neben und über der Bühne bieten dieses Jahr ganz grosses Theater. Gelingen aber kann so etwas nur, weil Spielerinnen und Spieler diese Geschichte nicht einfach nur erzählen und spielen, sondern die ganze Coolness trotz Tragik verstehen und mitempfinden.

Donald will wissen, wie Liebe geht

Die schon fast verrückte und zuallerletzt pädagogische Vorlage zum heurigen Stück «Superhero» stammt vom neuseeländischen Erfolgsautor Anthony McCarten. Donald Delpe (unglaublich intensiv und voll feinster Varianten gespielt von Hannes Krummen­acher, Eliane Gisler und Joana Biopoulos) ist ein Teenager ohne Haar und Augenbrauen. Dünn ist er wie ein Kleiderbügel. Und schwer krank. Krebs! Sein junges Leben droht zu Ende zu gehen, bevor er jemals Sex gehabt hat. Und das ist sein grösstes Problem: Mit seiner Krankheit und seinem Aussehen hat er bei den Mädchen wohl keine Chance.

Da hilft auch alle Liebe und Unterstützung seiner Eltern und des Bruders nichts (von Alina De Col, Tabea von Wyl, Urs Joller und Patricia Schmid so glaubhaft gespielt, dass man es kaum glauben kann). Helfen müsste da wohl ein Superhero! Donald schafft sich mit Comiczeichnungen eine eigene Welt: mit vollbusigen Frauen, skrupellosen Ärzten und dem fantastischen, unsterblichen Miracleman (eine skurril komische Rolle, wie gemacht für Crispin Windlin). Die Zeichnungen voller «Peng, Wumm, Sex und Crime» geraten dem bekannten, hoch­angesehenen Psychologen Doktor Adrian King in die Hände (Aline Banz, Ian Kafader und Miriam Mende mitfühlsam, ohne je kitschig zu werden). Und plötzlich ist der Mann bereit, alles aufs Spiel zu setzen. Er begreift, wie ungerecht das Leben ist. Versucht die Sehnsüchte des Jungen zu verstehen und zerstört mit einer völlig unprofessionellen Aktion seine ganze eigene Karriere. Der grösste Wunsch des Jungen wird erfüllt. Wenn auch nicht ganz so, wie es sich der Psychologe vorgestellt hatte, nein, viel zarter, eindringlicher. Lachen möchte man. Und weinen!

Ein einzigartig schönes Teamwork

Regisseur Mats Michel – phonetisch, choreografisch und dramaturgisch beraten von Lisbeth Schmid, Gianni Schwager und Geri Dillier – hat das Stück so konzipiert, dass nie ein Spieler oder eine Spielerin allein in einer Hauptrolle auftritt. Überhaupt: Die Hauptrolle hat in dieser Inszenierung klar und prägnant der Chor der Erzähler. Letztere bringen die trotz Tragik stets auch komische Geschichte des kranken Donald Delpe eindrücklich und in beispiellosem Tempo. Man lacht über die burschikose Sprache, lässt sich von Erzählfragmenten voller Sprüche, Brüche und Fragen eins übers andere Mal überraschen. Dass diese Aufführung so stark und authentisch ist, verdankt sie allem voran einem einzigartigen Teamwork. Da ist Regisseur Mats Michel, der keine auch noch so tragische Szene in Kitsch umschlagen lässt. Da gibt es das schlichte, graue Treppen-Bühnenbild von Markus Bürgi. Es ist nicht einfach da. Es prägt die ganze Fülle von Gefühlslagen mit, wenn Markus Schürmann es mit stets stimmig gesetztem Licht ständig wandelt. Oder wenn die Kostüme von Marina Landolt darin glitzern. Und da ist – ganz wichtig – die Theatermusik von Daniel Mattmann und acht Musizierenden. Ein Sound, der in allen entscheidenden Momenten mitfühlt. Und der deshalb zum unverzichtbaren Element des grossen Theaters wird. Zu einem Höhepunkt unter vielen an diesem Theaterabend.

Hinweis

Kollegitheater Sarnen: «Superhero». Aufführungen im alten Gymnasium: 31. März, 1. April, 5. April, 7. April, 8. April jeweils 19.30 Uhr. www.kollegitheatersarnen.ch

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