SARNEN: Üble Attacke gegen Asylsuchende

Passanten entdeckten einen schockierend fremdenfeindlichen Aushang. Nun prüft die Polizei, ob ein strafrechtliches Verhalten vorliegt.

Romano Cuonz
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Der fremdenfeindliche Aushang in Sarnen. (Bild: PD)

Der fremdenfeindliche Aushang in Sarnen. (Bild: PD)

Romano Cuonz

Ausflügler, die an der Sarner Haltestelle Ei – dort, wo es zum Glaubenberg geht – das Postauto besteigen wollten, trauten ihren Augen nicht. An der Wand fixiert war ein Aushang mit der Überschrift: «Wir rufen zum Widerstand auf!» Schon die ersten Zeilen des Elaborats erschienen den Leuten absolut unakzeptabel, wenn nicht sogar strafbar: «Sommaruga und die Volksverräter gehören aufs Schafott und müssen ihrer gerechten Strafe zugewiesen werden, denn als Stiefellecker und Arschkriecher der EU ist es deren Pflicht, das Schweizervolk zu verraten.»

Dem Verfasser (oder den Verfassern?), die mit «We are watching you – es grüsst der Obwaldner Widerstand» unterzeichnen, geht es offensichtlich darum, in der Bevölkerung Widerstand gegen das Truppenlager zu schüren. Dies belegt mehr als nur deutlich auch die beigefügte Fotomontage. Darauf sieht man eine Hinweistafel mit der Überschrift «Schweizerische Eidgenossenschaft» und der Aufschrift «Anmeldung: Asylanten-Vernichtungslager Obwalden».

Den Ausflüglern war sofort, klar, dass ein solches Machwerk in die Hände der Polizei gehört, und sie unternahmen auch unverzüglich die nötigen Schritte.

Gegen jede Regel des Anstandes

Polizeikommandant Stefan Küchler bestätigte den Eingang des Flugblattes. «Wir haben es entgegengenommen und prüfen den Inhalt auf Anhaltspunkte von strafbarem Verhalten», sagte er. Im Moment sei das bei der Obwaldner Kantonspolizei offen. Auf ihrer Stufe läuft das Verfahren vorläufig noch. Würde ein strafbares Verhalten festgestellt, müsste die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden.

Bislang gebe es weder weitere Meldungen über ähnliche Aushänge noch Hinweise oder Verdachtsmomente bezüglich der unbekannten Urheberschaft. Auch sei nicht klar, ob es sich dabei um Leute aus Obwalden oder Auswärtige handle. Auf die Frage, wie sich Personen, die ähnliche Funde machen, verhalten sollen, sagte Stefan Küchler: «Die Ausflügler haben durchaus richtig gehandelt, als sie uns den Aushang brachten.»

Noch besser sei es, wenn man die Polizei sofort telefonisch informiere. Diese würde dann derlei Aushänge selber unverzüglich sicherstellen. Küchlers vorläufiges Fazit: «Ob die Sache nun strafrechtlich relevant ist oder nicht, dieses Schreiben verstösst gegen jede Regel des Anstandes!»

Erinnerung an üble Zeiten geweckt

Das Pamphlet, bei dem ins verwendete Obwaldner Wappen gar noch so etwas wie ein stilisiertes Hakenkreuz eingekratzt ist, stammt offensichtlich von einer Person, die über gewisse Informatikkenntnisse verfügt und vor allem im Stande ist, fehlerfrei zu schreiben. Maya Büchi (Vorsteherin des Justiz- und Sicherheitsdepartements) ist schockiert. «Ich kann nicht verstehen, wie Menschen heute noch ein solches Gedankengut, das an die Zeiten des Zweiten Weltkriegs erinnert, verbreiten können», sagt sie. Wenn sie so etwas höre, mache sie sich auch Sorgen über die Sicherheit der im Glaubenberg untergebrachten Asylsuchenden. Aber, davon ist Maya Büchi, überzeugt: «Es muss sich dabei um eine Minderheit handeln. Viel häufiger bekommen wir Anfragen von Leuten, die den Asylsuchenden auf die eine oder andere Art helfen möchten.»