SARNEN: Verbannte oder auch versteigerte Geister

Im Historischen Museum spukt es ganz gewaltig. Ein Ort also wie gemacht für eine Ausstellung rund um Sagen und Mythen.

Romano Cuonz
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Kuratorin Klara Spichtig zeigt das berühmte «Toggeli» aus Hanspeter Niederbergers Sammlung. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 30. April 2017))

Kuratorin Klara Spichtig zeigt das berühmte «Toggeli» aus Hanspeter Niederbergers Sammlung. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 30. April 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Einfach skurril die Geschichte, die Volkhard Scheunpflug im Historischen Museum zwischen Toggelipuppen, Gebetbüchern und andern Objekten mit Geister bannenden Kräften zum Besten gab: Eine Frau aus Neuseeland habe im Jahre 2010 im Internet zwei Geister in Glasfläschchen angeboten und diese bei 214000 Seitenaufrufen für umgerechnet 2100 Franken tatsächlich verkauft. Unglaublich!

Und man staunte nicht weniger, als Kuratorin Klara Spichtig – mit einem Blick weit zurück – nachdoppelte: Im Kernser Weiler Siebeneich, so versicherte sie glaubhaft, sei vor geraumer Zeit bei einem Stall ein Fläschlein vergraben worden. Seither stinke es dort gottlos aus dem Boden heraus. In diesem Fläschchen habe nämlich ein Pfarrherr einen Geist verbannt. Und vor etwas habe der Geistliche dabei klar und deutlich gewarnt: Er wolle es keinem geraten haben, dort je in der Erde zu graben ...

Weil zu diesen und mehr Gespenstergeschichten auch unheimlich schräg-schöne Töne von «Glaserpeters» (Peter Berchtold) Schwyzerörgeli durch den Raum klangen, bekamen an der Vernissage zur Sonderausstellung doch etliche Gäste eine Hühnerhaut. Der Titel dementsprechend: «Sagen, Mythen und Legenden in Obwalden».

Gruselgeschichten sind zeitlos

In der Ausstellung, zu der Besucher «ausziehen können, um das Gruseln zu lernen», werden überlieferte Geschichten erzählt. Geschichten von unerlösten Armen Seelen, aber auch vom gar grausamen Vogt Landenberg, der den Heini vom Melchtal hatte blenden lassen. Oder schöne Legenden um Bruder Klaus im Ranft, die schon zu seinen Lebzeiten erzählt wurden, um seine Heiligkeit zu beweisen. Myriam Nufer vom Historischen Verein Obwalden warnte das Publikum, dem übrigens an der Vernissage ein aromatischer Trank – so giftgrün wie der Geist in einer Vitrine – kredenzt wurde, vor allfälligen bösen Überraschungen. Das Museumspersonal jedenfalls wisse längst, wie es die knackenden Geräusche, die flackernden Lampen und flatternden Wesen in den alten Räumen zu deuten habe. Natürlich werden im Historischen Museum dieser Spuk und mit ihm all die zeitlosen Geschichten nicht einfach nur (via Kopfhörer) erzählt, sondern auch mit zahlreichen ausgestellten Gegenständen farbig und überaus lebendig illustriert. Zu verdanken hat man diese Reise in die Sagenwelt vor allem der Kuratorin Klara Spichtig und ihren Helfern Silvia Burch und Volkhard Scheunpflug, die sie – in diesem Fall wohl mit einigem Respekt vor dem Ausstellungsgut – gestaltet haben. Indessen: All dies ist nur möglich geworden, weil die Familie des bekannten verstorbenen Obwaldner Sagenforschers Hanspeter Niederberger dem Museum dessen Sammlung übergeben hatte. Klara Spichtig dazu: «Die berühmte Toggelipuppe, die auf dem Umschlag seines Buches ‹Geister, Bann und Herrgottswinkel› war, und viele andere Gegenstände haben uns animiert, diese Ausstellung zu gestalten.» Apropos Hanspeter Niederberger und Christof Hirtler: Das 2000 erschienene Buch mit einem Vorwort von Sergius Golowin soll noch dieses Jahr in einer zweiten Auflage erscheinen.

Hinweis

Sonderausstellungen im Historischen Museum Obwalden: «Sagen, Mythen und Legenden» und «Gestempelt und versandt» mit Bruder-Klaus-Briefmarken und Ansichtskarten. 30. April bis 30. November, geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr.