SARNEN: Viele wollen Asylsuchende unterstützen

Die Freiwilligenarbeit im Bundeszentrum Glaubenberg stösst auf grosses Interesse. Über 150 Personen besuchten den Infoabend.

Philipp Unterschütz
Drucken
Teilen
Michael Büttikofer, Koordinator für die Freiwilligenarbeit im Bundeszentrum Glaubenberg, freut sich über die vielen eingegangenen Ideen. (Bild Philipp Unterschütz)

Michael Büttikofer, Koordinator für die Freiwilligenarbeit im Bundeszentrum Glaubenberg, freut sich über die vielen eingegangenen Ideen. (Bild Philipp Unterschütz)

Zuerst hiess es umbauen. Die Organisatoren des Orientierungsabends im Pfarreizentrum Peterhof in Sarnen wurden offensichtlich vom grossen Aufmarsch überrascht. Zusätzliche Tische und Stühle mussten in den grossen Saal gebracht werden, bis schliesslich alle der über 150 Besucher eine Sitzgelegenheit hatten. «Tatsächlich haben wir mit etwa 50 Personen gerechnet, das riesige Interesse stimmt zuversichtlich», freute sich Pascal Schwendener vom Staatssekretariat für Migration (SEM) über den unerwarteten Besucheraufmarsch. Ganz so einfach wurde es aber dann doch nicht, die Freiwilligenarbeit zu Gunsten der im Bundeszentrum Glaubenberg untergebrachten Asylsuchenden aufzugleisen und die Interessierten zu informieren. Doch der Reihe nach.

Koordination ist entscheidend

Das Staatssekretariat für Migration plant für das Bundesasylzentrum auf dem Glaubenberg ein schweizweit einzigartiges Pilotprojekt zur Einbindung freiwilliger Mitarbeiter. Absicht des bis Ende 2016 befristeten Versuchs: Freiwillige sollen die professionelle Betreuung der Asylsuchenden ergänzen. Dabei ist die Koordination das A und O für eine funktionierende Freiwilligenmitarbeit. So soll verhindert werden, dass jeder Motivierte mit Ideen einfach mal ins Zentrum marschiert. Damit sich Interessierte bereits im Vorfeld über die Möglichkeiten und Grenzen ein Bild machen konnten und über Asylrecht und Verfahren informiert sind, hatten die Organisatoren die Anwesenheit für potenzielle Freiwillige als obligatorisch erklärt. Der Informationsabend wurde im Auftrag des SEM von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe durchgeführt, die bereits auf kantonaler Ebene erfolgreich Freiwilligenprojekte rund um Asylzentren koordiniert hat. Weiter informierten Vertreter des SEM und der Firma ORS, die im Auftrag des SEM das Bundeszentrum im Glaubenberg führt, sowie Kirchenvertreter.

Mitarbeit für zwei Bereiche gesucht

Ein längeres, manchmal etwas subjektiv eingefärbtes Einführungsreferat hielt der sehr motivierte Gasim Nasirov von der Schweizerischen Flüchtlingshilfe. Dabei überliessen ihm die Vertreter des SEM das Feld, um die Verfahren und Abläufe im Asylrecht zu erklären. Nasirov wies unter anderem darauf hin, dass die Freiwilligenarbeit nicht im Bundeszentrum selber geschehe, sondern ausserhalb. Oder dass es den Asylsuchenden freigestellt sei, ob sie die Angebote nutzen wollen.

Die Zeit für die Vorstellung der Betreiberfirma ORS und das Erklären der Rahmenbedingungen für Projekte durch Adrian Arbogast, Leiter der Bundesmandate, und Michael Büttikofer, den zuständigen Koordinator für die Freiwilligenarbeit bei der ORS, war plötzlich knapp. Büttikofer erklärte, dass freiwillige Mitarbeit für zwei Angebotsbereiche gesucht sei: für Aktivitäten im Bereich Freizeitgestaltung und Sport sowie für Sachspenden. Einen dritten Bereich decken die Kirchen ab, beispielsweise mit geeigneten Räumlichkeiten oder dem Aufbau der langfristigen Seelsorge.

Überwältigender Erfolg

Am Ende der Veranstaltung durfte sich der Koordinator über ein grosses Echo freuen. «60 Interessierte haben ihre Kontaktadresse hinterlassen, und wir haben über 100 Ideen für Projekte. Das ist weit mehr als erwartet», meinte Michael Büttikofer. Er werde nun die Ideen sortieren, analysieren und mit den Leuten auf der Adressliste so schnell wie möglich Kontakt aufnehmen. «Und wenn ich jeden Einzelnen persönlich anrufen muss», schmunzelte Büttikofer, der sich über die grosse Anteilnahme vor allem auch aus menschlicher Sicht freute. «Bei einem solchen Projekt ist besonders die Anlaufphase, das Aufgleisen, schwierig», zeigte sich auch Pascal Schwendener vom SEM zufrieden. Man hätte die Ideen und Anliegen klarmachen können.

Es sind viele Fragen offen

Doch trotz positivem Fazit – etliche Personen waren offenbar nicht wegen der Freiwilligenarbeit im Pfarreizentrum, sondern um allgemeine Befürchtungen und Fragen rund um das Bundeszentrum auf dem Glaubenberg loszuwerden oder die Firma ORS zu kritisieren. Wortmeldungen oder Fragen, die wenig mit dem Thema Freiwilligenarbeit zu tun hatten, verzögerten die Ausführungen und brachten die Referenten in Zeitnot. Als sich schliesslich eine Frau beklagte, es sei nicht respektvoll, die Fragen nicht ausführlich zu beantworten, standen zeitweise vier Personen vor dem Publikum, um nochmals klarzumachen, worum es an diesem Abend ging. «Es stehen hier offensichtlich noch Fragen im Raum. Wir werden nach Möglichkeiten suchen, um die Leute nochmals zu informieren», meinte Pascal Schwendener vom SEM auf Nachfrage.

Momentan sind 274 Asylsuchende auf dem Glaubenberg. Überwiegend junge alleinstehende Männer, 17 alleinstehende Frauen und 27 Familienverbände mit Kindern. Der Durchlauf pro Monat beträgt rund 400 Personen, der Aufenthalt maximal drei Monate.

Philipp Unterschütz