SARNEN: Vor dem Sparen werden klare Facts gefordert

Die Juko-Leitung hätte sich eine breitere Diskussion zur Zukunft des Lokals gewünscht. Das machte am Infoabend der Rückhalt aus dem Publikum wett.

Anna Burch
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Wehren sich gegen die Sparpläne (von links): Lukas Spichtig, Donat Rüttimann, Lea Inderbitzin, Jonas Muff und Sina Kathriner von der Juko-Leitung. (Bild Corinne Glanzmann)

Wehren sich gegen die Sparpläne (von links): Lukas Spichtig, Donat Rüttimann, Lea Inderbitzin, Jonas Muff und Sina Kathriner von der Juko-Leitung. (Bild Corinne Glanzmann)

Anna Burch

Immer wieder ergriff Kantonsrat Markus Ettlin (CVP, Kerns) das Wort. Als Präsident der vorberatenden Kommission hatte er am Donnerstag Kritik an den Sparplänen des Kantons in Sachen Jugendförderung zu parieren. Dazu wollte sich kaum ein anderer Kantonsrat vor dem zahlreichen Publikum im Sarner Juko-Pavillon zu Wort melden. Engagierte Eltern, junge Erwachsene sowie auch einige weitere Kantonsräte waren der Einladung der Juko-Leitung für einen Informationsabend gefolgt.

Besonders viele Gemeindevertreter waren anwesend. Nicht ohne Grund: Auf die Kommunen möchte der Kanton die Kosten für die Jugendförderung künftig abwälzen. Nebst der Kritik daran dominierte an dem Abend aber besonders eines: Niemand konnte mit Bestimmtheit sagen, ob die Kosten für die Infrastruktur des Juko-Pavillons an der Militärstrasse in Sarnen noch weiter vom Kanton getragen werden, sollte der Kantonsrat dem Sparvorschlag der Regierung im März und im April folgen.

Sparen auf Kosten der Gemeinden

«Das zahlreich erschienene Publikum ist ein Erfolg für das Juko. Trotzdem hätten wir uns gefreut, wenn mehr Gegner gekommen wären, um mit uns aktiv zu diskutieren und Lösungen zu finden», bilanzierte Donat Rüttimann von der Juko-Betriebsleitung am Schluss. Mehr Gegenstimmen wären deshalb erwünscht gewesen, weil praktisch nur Markus Ettlin zu den Plänen der Regierung hielt. Vom notwendigen Sparpaket sei zudem keineswegs nur das Juko betroffen, argumentierte er. Die Landwirtschaft müsse mit finanziellen Kürzungen von rund 200 000 Franken leben.

Sollen Gemeinden einspringen?

Kantonsrätin Nicole Wildisen (SP, Sarnen) hielt dagegen: «Spart der Kanton bei der Jugendförderung, dann müssen die Gemeinden zahlen, und zwar für einen Bereich, der eigentlich ausserhalb ihrer Verantwortung liegt.» Dem pflichteten auch Marco De Col von der Gemeinde Kerns sowie der Sarner Gemeindeschreiber und SP-Kantonsrat Max Rötheli bei. Anfallende Kosten für die Förderung Jugendlicher ab 16 Jahren seien weiterhin vom Kanton zu übernehmen, argumentierte Rötheli.

«Ausgaben nicht blind streichen»

Aufgezeigt hat die Juko-Veranstaltung, dass es eine unklare Informationslage gibt, welche die Kommunikation zwischen den Parteien erschwert und nicht zu einer konstruktiven Lösungsfindung beiträgt. «Klare Zahlen und Facts müssen her», empörte sich etwa ein Zuschauer. «Bevor keine akzeptable Lösung für das Juko gefunden wird, können die Ausgaben nicht einfach blind gestrichen oder die Verantwortung herumgeschoben werden», so eine weitere engagierte Meinung aus dem Publikum.

Diskutiert wurde weiter über die Abwägung von Interessen: Wo im Kanton gespart werden solle und wo nicht, sei eine Gewichtungsfrage, bei der die Meinungen weit auseinandergehen, war weiter aus dem Publikum zu vernehmen.

Einzigartiges Konzept

Die Juko-Leitung kämpft für die Beibehaltung des aktuellen Kinder- und Jugendförderungsgesetzes. «Ein Gesetz, bei dem Obwalden eigentlich mit gutem Vorbild voranschreitet», betonte Donat Rüttimann, der zusammen mit Moira Achermann, Vizepräsidentin des Vereins, durch die Informationsveranstaltung mit anschliessendem Apéro führte. Es sei schweizweit ein einzigartiges Konzept, das auf dem freiwilligen Engagement der ambitionierten Betriebsleitung aufbaue und mit der gesetzlichen Verankerung die Jugendarbeit verbindlich mache.

Mehr als nur ein Wochenendtreff

«Wir konnten unseren Standpunkt vertreten und unsere Argumente auftischen, insgesamt war der Abend sicherlich ein Erfolg», war Donat Rüttimann überzeugt. Aufgetischt hatte das achtköpfige Betriebsleitungsteam eine lange Liste von Argumenten, um die Schlüsselfunktion der einzigen Jugendplattform des Kantons aufzuzeigen. Der Kanton habe in den letzten Jahren mit dem Juko auch eine Menge Geld gespart, lautete ein Argument. Dies wegen der vielen Stunden Freiwilligenarbeit, die das Juko-Team auf sich nehme, um mehr zu sein als ein Wochenendtreff für Jugendliche. Das Juko habe eine Geschichte und gehöre zum Kanton, betonten die Vertreter der Betriebsleitung. Die 20 Jahre Arbeit, die in diesem Projekt steckten, dürften nicht einfach zerstört werden.

Und schliesslich: Die Kulturplattform sei auf die finanziellen Zuschüsse des Kantons angewiesen. Nicht nur die Nutzung der Räumlichkeiten, auch die Betreuung und die Unterstützung durch den kantonalen Jugendbeauftragten sind nämlich durch die finanziellen Kürzungen bedroht. Beides seien wichtige Vor­aussetzungen für den Fortbestand des Jugendtreffpunkts, so das Juko-Team.