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SARNEN: Wenn schon der Vernissage-Apéro verblüfft

Die Wahl-Obwaldnerin Anna-Sabina Zürrer überrascht und fasziniert Besucher der Galerie Hofmatt mit dem Thema «Erinnern und Vergessen». An der Vernissage darf sie auch ein Obwaldner Kunstheft in Empfang nehmen.
Romano Cuonz
Anna-Sabina Zürrer beeindruckt mit einem eigenwilligen Vernissagen-Apéro und ihren Werken in der Galerie Hofmatt. (Bilder: Romano Cuonz (Sarnen, 11. März 2017))

Anna-Sabina Zürrer beeindruckt mit einem eigenwilligen Vernissagen-Apéro und ihren Werken in der Galerie Hofmatt. (Bilder: Romano Cuonz (Sarnen, 11. März 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Selbst in der renommierten Sarner Galerie Hofmatt ist der ­Apéro ein absolut wichtiger Bestand­- teil jeder Vernissage. Bei der aktuellen Ausstellung von Anna-Sabina Zürrer aber machen viele Gäste ein langes Gesicht. Zwar stehen da jede Menge Gläser bereit. Doch wider Erwarten gibt es nirgendwo Wein oder Saft. Stattdessen lässt Anna-Sabina Zürrer mit einer Kanüle aus kleinen Rea­genzgläschen – je nach Wahl – ­einen Duftstoff Orangensaft, Weiss- oder Rotwein ins Glas einschenken. Im Reduzieren des ­Getränks auf seine unsichtbare Essenz wird der Apéro transformiert: vom flüssigen in den gasförmigen Zustand!

Und man sieht es den verblüfften Gesichtern förmlich an. «Mit dem Ausschank dieser rein olfaktorischen Essenzen verändere ich die üblichen Verhaltensweisen der Gäste einer Vernissage», sagt Zürrer. Nicole Seeberger, Mitarbeiterin des Bündner Kunstmuseums, fasst das Phänomen in ihrem Text zur Vernissage so zusammen: «Gerüche können die Präsenz eines Stoffes ebenso wachrufen wie Wein oder Saft im Glas, und die ungewohnte Konsumation aus dem visuell vermeintlich leeren Glas sorgt ­sicherlich genauso für Gesprächsstoff.» In der Tat: Mit diesem Apéro gelingt der Künstlerin ein packender Auftakt zu ihrer Ausstellung.

Ihre Werke geben Denkanstösse

Anna-Sabina Zürrer (36), aufgewachsen im Kanton Zürich, lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Sachseln. Laborartiges Forschen, Experimentieren, und damit einhergehend das prozesshafte Auflösen von Bildern, gehören zu ihrem künstlerischen Alltag. Mit oft seltsam anmutenden Aktionen hat sie in vielen grossen Schweizer Kunsthäusern und Galerien für Aufsehen gesorgt. Umso mehr erstaune, so Edwin Huwyler, Präsident der Obwaldner Kulturkommission, dass das anlässlich dieser Ausstellung präsentierte Obwaldner Kunstheft sozusagen ihr erster Katalog sei. Ein Kleinod übrigens. Voller Überraschungen! Viele Denkanstösse gibt die Künstlerin. Genau wie in der aktuellen Ausstellung. Um unseren Umgang mit der täglichen Bilderflut etwa geht es ihr.

Nicole Seeberger sagt in der Einführung: «Das Erinnern und Vergessen, das Sammeln, Speichern, Konservieren auf der einen Seite und das Auflösen, Auslöschen, Entleeren auf der andern Seite greift Anna-Sabina Zürrer immer wieder auf.» Gut zu sehen etwa in den Arbeiten «Album I–VII, Philatelie». Die Briefmarken in kleinen Einsteckalben zeigen sich nicht so, wie sie für Sammler von Wert sind. Mit der Schere löst die Künstlerin die Markenbilder aus ihren gezähnten Einrahmungen. Entwertet die Briefmarke, nicht aber ihre Botschaft: In der medialen Überreiztheit kann Entleerung reinigende Wirkung haben.

Gegenüber, in einem Wandschrank, präsentiert Zürrer eine entleerte Diasammlung von Meisterwerken aus der europäischen Kunst- und Architekturgeschichte. Sie löst die im digitalen Zeitalter überflüssig gewordenen Lichtbilder in einer chemischen Substanz auf. Zurück bleiben beschriftete, aber eben leere Bildträger. Höchst interessant ist auch die grossformatige Arbeit «still life» im Kellergeschoss. Mit fotografischen Aufnahmen von Dingen, die in Obwaldner Kellern «im Stillen» lagerten, belebt Zürrer ganz spezifisch den Hofmatt-Keller: Das eingefrorene Bild der Fotografie bringt sie mit einer Substanz kurzerhand wieder zum Fliessen. Und da finden sich denn Kellerstillleben erneut in einem Kellerraum. Aufgehängt. Wie zum Abtropfen und Trocknen!

Hinweis

Galerie Hofmatt, Sarnen: Anna-Sabina Zürrer. Bis 9. April 2017. Öffnungszeiten: Samstag/Sonntag 14 bis 17 Uhr. Parallel dazu ist eine Publikation der Reihe Obwaldner Kunsthefte erschienen.

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