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SARNEN: Wie mit einem Kreuz ein Totschlag gesühnt wurde

Nebst dem offiziellen Staatsakt luden gestern verschiedene Institutionen dazu ein, sich Bruder Klaus auf unterschiedliche Arten zu nähern. Das Historische Museum beleuchtete etwa das 15. Jahrhundert. Dies barg Überraschungen.
Matthias Piazza
Das Kreuz für den Seelenfrieden... (Bild: Matthias Piazza (30. April 2017))

Das Kreuz für den Seelenfrieden... (Bild: Matthias Piazza (30. April 2017))

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Nachdem der Staatsakt zum 600. Geburtstag von Bruder Klaus auf dem Dorfplatz zu Ende war, fanden sich gegen halb ein Uhr mittags zahlreiche Leute beim Historischen Museum ein. Unter dem Titel «Hirten und Händler, Hitzköpfe und Heilige» lud das Museum ein zu einer Zeitreise zurück ins Obwalden des 15. Jahrhunderts, also der Zeit von Bruder Klaus. Die erste Station war das Kreuz im Eingangsbereich – erstellt wegen eines Totschlages von 1486. Walter Isner von Kerns erstach damals den amtierenden Landammann Heinzle in der Öffentlichkeit auf dem Dorfplatz. Wurde er deswegen gerädert oder gevierteilt, wie man es für das Mittelalter vermuten könnte? «Nein», klärte Museumsleiterin Klara Spichtig die staunenden Besucher am Rundgang auf. «Totschlag war damals Privatsache. Die Familien des Opfers und des Täters konnten sich einigen, die Höhe des Schadenersatzes und weitere Leistungen aushandeln.»

Ein extra angefertigtes Kreuz sollte auch dem Seelenfrieden des Toten dienen. «Jeder, der am Kreuz vorbeiging, sollte ein kurzes Gebet sprechen und so dem Toten Schritt für Schritt in den Himmel helfen.» Denn ein schneller Tod sei damals eine Horrorvorstellung gewesen. «Man wollte vorbereitet sterben, davor alles erledigt haben, mit sich im Reinen sein.»

Einen Stock weiter oben erfuhr man in einer nachgebauten Stube aus dem Mittelalter mehr über das alltägliche Leben aus dem 15. Jahrhundert. «Viele Obwaldner waren damals unfreiwillige Veganer», erklärte Museumsführer Volkhard Scheunpflug. Auf dem Speiseplan stand vor allem Brei mit irgendwelchem Getreide. Als Selbstversorger bauten die Leute viel Gemüse an, hielten sich Geissen und Schafe. Wasser war problematisch wegen der Käfer. Stattdessen trank man Milch und Wein. Wer aber an einen edlen Tropfen denkt, liegt falsch, wie Volkhard Scheunpflug aufklärte. «Dieser mit Wasser verdünnte Wein wäre für unsere heutigen Begriffe ein Säuerling gewesen, den heute niemand mehr trinken würde.» Auch die Wohnsituation von damals war eine komplett andere. Glasfenster etwa konnten sich nur die reichen Bürger leisten. Holz war damals der verbreitete Baustoff für Häuser, es war viel billiger als Stein, und man kannte das Baumaterial, hatte schon Erfahrungen damit.

Schutzheilige hatten Hochkonjunktur

Ums Thema Schutzheilige ging es beim dritten Posten. Diese hatten im 15. Jahrhundert Hochkonjunktur. «Damals wurden viele Kriege geführt, Krankheiten wie die Pest wüteten. Die Eisengewinnung auf der Frutt etwa kam zum Erliegen, weil der Unternehmer und all seine Mitarbeiter an der Pest starben», erklärte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Silvia Burch. An wen sollte man sich wenden? Ärzte gab es nicht. So erwarteten die Leute Hilfe von den Schutzheiligen. Sie sollten alle Lebensbereiche abdecken, wie auch der ausgestellte ehemalige Lungerer Altarflügel anschaulich darstellte: Gleich 14 Nothelfer sind hier versammelt – vom heiligen Antonius, der einem vor dem Verlieren der Schlüssel bewahren soll, bis hin zum heiligen Christophorus, dem Schutzheiligen für die Reisenden.

Den hohen Lebensstandard von heute vor Augen geführt

«Die Führung war informativ und lebendig, mit Geschichten garniert», zeigte sich Teilnehmerin Heidy Gasser beeindruckt. Diese führe einem auch wieder den hohen Lebensstandard von heute ins Bewusstsein, wenn man von Armut höre, der hohen Sterblichkeit oder dass es damals keine Ärzte gab. Mit Gasser nahmen laut Museumsleiterin Klara Spichtig gegen 300 Leute an den gestrigen Führungen im Historischen Museum teil.

Zu den elf Anlässen gehörte auch die Sammlung Meinrad Burch-Korrodi im Kulturdepartement. Der Obwaldner Goldschmied und Unternehmer Meinrad Burch-Korrodi (1897–1978) schuf die lebensgrosse Figur von Bruder Klaus für die Pfarrkirche Sachseln. In der Ausstellung war das Modell zu bewundern.

Im Museum Bruder Klaus in Sachseln fanden sich rund 100 Leute ein.

oder Schutzheilige spielten zur Zeit von Bruder Klaus eine grosse Rolle, wie man gestern im Historischen Museum in Sarnen erfuhr. Bilder: Matthias Piazza (Bild: Matthias Piazza (30. April 2017))

oder Schutzheilige spielten zur Zeit von Bruder Klaus eine grosse Rolle, wie man gestern im Historischen Museum in Sarnen erfuhr. Bilder: Matthias Piazza (Bild: Matthias Piazza (30. April 2017))

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