SARNEN: Wirte sollen private Dorfpatrouillen bezahlen

Im Kampf gegen Lärm und Vandalismus engagiert die Gemeinde Sarnen private Sicherheitskräfte. Bezahlen sollen diese auch die Wirte.

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Peter Muff in seiner Bar Muffi's in Sarnen. (Bild Corinne Glanzmann/Neue OZ)

Peter Muff in seiner Bar Muffi's in Sarnen. (Bild Corinne Glanzmann/Neue OZ)

Viele Sarner Dorfbewohner haben die Nase voll: Praktisch jedes Wochenende müssen sie sich über Lärm, Abfall und Vandalismus ärgern. «Die Meldungen der Dorfbewohner und der Fachgeschäfte haben zugenommen», sagt Gemeinderätin Anna Kathriner.

Der Gemeinderat habe deshalb beschlossen, künftig Sicherheitskräfte «zur Eindämmung von Vandalismus und Nachtruhestörungen» im Dorfzentrum und im Seefeld einzusetzen. Private Sicherheitskräfte dürfen fehlbare Personen lediglich dazu anhalten, sich anständig zu benehmen. «Wir erhoffen uns vor allem eine präventive Wirkung», sagt Anna Kathriner.

Weniger Sofortbussen erteilt, als man glaubt
Seit rund einem halben Jahr darf die Obwaldner Polizei Sofortbussen verteilen, wenn sie fehlbare Personen auf frischer Tat ertappt. Man hatte sich dadurch auch eine Eindämmung von Nachtruhestörungen und Vandalismus erhofft.

Blieb dies in Sarnen ohne Wirkung? «Sofortbussen werden seltener ausgestellt, als viele glauben», sagt Alfred Blättler, Leiter der Verkehrs- und Sicherheitspolizei. So habe die Polizei vom 1. Januar bis 16. Mai in Sarnen lediglich acht Sofortbussen verteilt. «Wenn nachts die Polizei auftaucht, bleiben die Leute meistens anständig. Erst wenn sie unbeobachtet sind, schlagen einige über die Stränge.» Die Polizei befürworte deshalb den Einsatz von privaten Sicherheitsdiensten und sehe diese als «zusätzliche Unterstützung» an.

«Die Polizei soll für Ruhe und Ordnung im Dorf sorgen»
Die Sicherheitskräfte sollen bis Ende Oktober sporadisch im Einsatz stehen vor allem nachts an Wochenenden. Die Gemeinde rechnet dabei mit Kosten von rund 13'000 Franken. Weil die fehlbaren Personen meistens alkoholisiert aus einer Bar oder einer Beiz kommen, sollen sich die Wirtschaftsbetriebe an den Kosten beteiligen – und zwar all jene, die nach 22 Uhr noch Alkohol ausschenken.

Peter Muff, Inhaber des Muffi?s Nachtrestaurant in Sarnen, kann sich mit dem Vorgehen der Gemeinde jedoch nicht anfreunden: «Es geht mir nicht ums Geld. Aber es kann nicht die Aufgabe der Wirte sein, für Ruhe und Ordnung im Dorf zu sorgen. Dafür ist die Polizei zuständig.» Wenn es diese nicht schaffe, gegen Vandalismus und Nachtruhestörung vorzugehen, könne die Gemeinde zusätzliche Sicherheitskräfte engagieren, dies aber nicht auf Kosten von Privatunternehmern.

Auflagen vom Gemeinderat sind erlaubt
«Die Wirte tragen eine Mitverantwortung», verteidigt Anna Kathriner das Vorgehen des Gemeinderats. Sie verweist zudem auf das kantonale Gastgewerbegesetz als Rechtsgrundlage. Danach darf der Gemeinderat gewisse Auflagen gegenüber Betrieben anordnen, wenn diese «wegen Lärms oder Unfugs wiederholt Anlass zum Einschreiten gegeben haben» oder «wenn die öffentliche Ruhe, Ordnung oder Sicherheit schwerwiegend gestört sind».

Adrian Venetz

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Obwaldner Zeitung.