SARNEN: Wo Enten den Mond anschnattern

Seit 10 Jahren hat das internationale Improfestival Improsante in Sarnen einen festen Platz gefunden. Für die Jubiläumsshow spielten internationale Gäste aus Deutschland und Belgien.

Birgit Scheidegger
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Was will Philipp Spailier (Mitte) seinen Kollegen Yann van de Branden und Nicole Erichsen wohl sagen? (Bild: Birgit Scheidegger (Sarnen, 5. Mai 2017))

Was will Philipp Spailier (Mitte) seinen Kollegen Yann van de Branden und Nicole Erichsen wohl sagen? (Bild: Birgit Scheidegger (Sarnen, 5. Mai 2017))

Bereits der Auftakt mit den Organisatoren Rachel Röthlin und Lars Bianchi sowie der spontane Auftritt des ehemaligen Kulturbeauftragten des Kantons Obwalden, Christian Sidler, sorgten für Begeisterung im Publikum. Es ist diese Mischung von Schlagfertigkeit und Ironie aus dem Bauch heraus, die Reaktionsschnelligkeit und die spontan entstehenden Ideen, die das Improtheater so spannend machen. Nichts ist voraussehbar, nichts wird wiederholt.

An der Jubiläumsshow spielten mit Roland Trescher und Nicole Erichsen, die spontan für die erkrankte Inbal Lori einsprang, sowie Yann van den Branden und Philippe Spailier Profi-Impro-Darsteller. Ein Geschenk für die erste Dekade Improsante und ein Feuerwerk der besonderen Art. 2007 gründete das Theater «Ohne Wiederholung» das erste Improtheater-Festival in der Schweiz, bei dem sich jedes Jahr rund 40 Teilnehmer aus dem In- und Ausland für Showauftritte, Workshops und Fachgespräche inspirieren lassen. «Wir haben keine Ahnung, was heute passiert, es ist immer wieder eine Überraschung.» Mit diesen Worten eröffneten die Organisatoren den Abend. Und eine Überraschung wurde es auf alle Fälle. «Man muss mit allem rechnen, auch mit dem Unbekannten», so das Motto der Improtheater-Spielerin Nicole Erichsen aus Bremen.

Mischung aus Pantomime und Schauspiel

Im ersten Teil des Abends nahmen die Darsteller das Publikum mit auf eine Reise mit gefühlsbetonten Geschichten. Ob bei der Billettkontrolle im Tram, beim Psychologen, den passend zum Hemd lackierten Stühlen oder dem Film «Dirty Dancing» – es ging schwunghaft von einem Extrem ins nächste, wechselte, um im nächsten Moment wieder in die erste Geschichte reinzugreifen. Eine Mischung aus Pantomime und Schauspiel, doch immer spontan. Kleine und grosse Dramen, in die man hineinschlittert, aber immer den Hals rechtzeitig aus der Schlinge zieht.

Im zweiten Teil wurde Bilanz über 10 Jahre Improtheater Sarnen gezogen. Das Publikum gab Anregungen, die Spieler reagierten – und gaben den eingeworfenen Sätzen ein Gesicht. Wie war das mit der Förderung, oder was ist Seemannsgarn? Die Themen wechselten, der Humor und die knackige, freche Comedy blieben. Vor allem die Schlussszene, in der das Publikum Entenjagd und mondsüchtig als Stichwörter in den Raum warf, und die von Roland Trescher, Nicole Erichsen, Yann van den Branden und Philipp Spailier grandios umgesetzt wurden, zeigte sich als diejenige Prise Salz, die die Suppe zum Brodeln brachte. Beim Improtheater ist alles erfunden, und die Geschichten sind ohne Wiederholung.

Birgit Scheidegger

redaktion@obwaldnerzeitung.ch