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SARNEN: Zentrumslast ist auch Zentrumslust

Obwalden braucht die Stadt Luzern und umgekehrt. Darin waren sich die Teilnehmer am Landenberg-Forum einig. Der Luzerner Stadtpräsident äussert beim Thema Mobilität einen Wunsch an Obwalden.
Georges Roos (v.l.), Beat Züsli, Gesprächsleiter Peter Bucher, Monika Birve und Franz Enderli am Landenberg-Forum. (Bild: Roger Zbinden (Sarnen, 6. Mai 2018))

Georges Roos (v.l.), Beat Züsli, Gesprächsleiter Peter Bucher, Monika Birve und Franz Enderli am Landenberg-Forum. (Bild: Roger Zbinden (Sarnen, 6. Mai 2018))

Die Stadt Luzern liegt nur gerade 20 Zugminuten von Sarnen entfernt. Entsprechend stark ist Obwalden auch mit Luzern verflochten. Die Obwaldner kaufen in Luzern ein oder nutzen eines der vielen kulturellen Angebote, sei es das Kultur- und Kongresszentrum oder das Luzerner Theater. 3300 Obwaldner pendeln täglich nach Luzern, 1600 Luzerner nach Obwalden, wie die rund 60 Besucher am gestrigen Lan­denberg-Forum zum Thema Erwartungen, Überraschungen und Enttäuschungen im Verhältnis von Stadt und Land erfuhren.

Ob er schon einen Obwaldner angetroffen habe, der dem Klischee des etwas knorrigen Landbewohners entspreche, wollte der Obwaldner Regierungsrat Franz Enderli (CSP) vom Luzerner Stadtpräsidenten Beat Züsli wissen. «Ich bin der Meinung, dass es die klassische Stadt-/Landbevölkerung heute nicht mehr gibt», meinte der 54-jährige SP-Politiker, der in Beckenried aufwuchs, diese aber damals noch als Landgemeinde erlebte. Doch bemerke er den Stadt-/Landgraben bei Abstimmungen zum Thema Ausländer.

Monika Birve, ehemalige Sarner SP-Kantonsrätin und Inhaberin einer Kleider- und Schmuckboutique in der Luzerner Altstadt, erzählte von ihren Stadt-/Landerfahrungen. Sie wuchs in Luzern auf, im Alter von 20 Jahren arbeitete sie dann als Kindergärtnerin in Schötz. «Ich war drei Jahre lang das Fräulein aus der Stadt.»

«Wir müssen den Platz besser nutzen»

Die Mobilität bildete am von der SP Obwalden organisierten Anlass einen der Schwerpunkte. Rund 82 000 Arbeitsplätze biete Luzern – was in etwa der Bevölkerungszahl entspreche, erklärte Stadtpräsident Beat Züsli. «Die Frage stellt sich, mit welchen Verkehrsmitteln die Leute pendeln. Denn klar ist: Wir müssen den Platz besser nutzen.» Und da sei das Auto eben nicht das geeignetste Verkehrsmittel. «Man spürt den Anspruch auf einen Parkplatz, das sind nicht immer ganz einfache Diskussionen», gab er zu bedenken und verknüpfte die Feststellung mit einem Wunsch: «Nid- und Obwalden müssten noch verstärkter versuchen, die Leute auf die Bahn zu bringen.» Generell arbeite man in der Zentralschweiz zu wenig eng zusammen, um die Verkehrsprobleme gemeinsam zu lösen.

Für Franz Enderli zumindest braucht es keine Überzeugungsarbeit. «Ich nehme immer den Zug in die Stadt, die Verbindung von Sarnen ist super», lobte der Obwaldner Regierungsrat. Doch zeigt er auch Verständnis, dass nicht alle den Zug nehmen. «Meine Mitarbeiter, welche teilweise mit dem Auto zur Arbeit kommen, begründen dies mit der grossen Distanz von ihrem Wohnort zum Bahnhof.»

Monika Birve gestand, dass sie mit dem Auto ins Geschäft in die Luzerner Altstadt fahre, weil sie Ware zu transportieren habe. Zukunftsforscher Georges Roos setzte ein Fragezeichen hinter die seiner Ansicht nach massive Subvention der Mobilität. «Ist dies wirklich der richtige Anreiz?», fragte er.

Die Last mit der Kultur

Ebenfalls ausführlich zur Sprache brachte Diskussionsleiter Peter Bucher die Kultur, ein weiteres Spannungsfeld zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Für solche Angebote wie etwa dem KKL kämen in erster Linie die Stadtbewohner mit ihren Steuergeldern auf, auch wenn Besucher von ausserhalb kommen. Die Rede ist von rund 18 Millionen Franken Zentrumslasten, die die Stadt Luzern im Kulturbereich 2015 trug, gefolgt von privatem Verkehr und Sport/ Freizeit. «Das Thema Zentrumslasten ist sicher nicht wegzudiskutieren, vor allem im Kulturbereich. Andererseits profitieren wir ja auch von Auswärtigen. So gesehen können wir auch von einer Zentrumslust sprechen», meinte Beat Züsli dazu.

Obwaldner Kulturleben profitiere von Luzern

Auch der Obwaldner Kulturdirektor Franz Enderli sprach von einem gegenseitigen Nutzen. Er bezeichnete sich als Kulturpendler. «Das Kulturleben in Obwalden profitiert von Luzern. Wenn ich im Orchestergraben im KKL einen Obwaldner Musiker erkenne, wird mir jeweils bewusst, dass von diesem hohen Niveau auch sein einheimischer Musikverein profitiert.» Neidisch blicke er darum nie nach Luzern, zumal es für die letztens aufgeführte Faust-Inszenierung eine Institution wie ein Luzerner Theater brauche. «Es wäre ein Verlust, wenn dies niemand mehr machen würde.»

Beat Züsli betonte die Wichtigkeit einer guten Zusammenarbeit unter den Kantonen – auch in finanzieller Hinsicht, ansonsten ein Theaterbillett nach Vollkostenrechnung 300 Franken kosten würde. «Dann besucht das Theater ja niemand mehr.»

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

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