Reportage

Sarner Herbstmarkt findet trotz aller Umstände statt – und lockt Besucher an

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden führte Sarnen den Warenmarkt durch. Der Marktchef ist zufrieden, für Händler ist jeder Markttag ein Segen.

Florian Pfister
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«Heissi Marroni», ruft wieder einmal ein Markthändler durch die Strassen im Sarner Dorfzentrum. Der Geruch der Edelkastanien steigt sofort in die Nase. Vom CD-Stand erklingt Ländlermusik. Hemden, Besen, Stofftiere, Honig – hier gibt es, allerlei zu kaufen. Im Gegensatz zum Stanser Herbstmarkt fand derjenige in Sarnen am Donnerstag statt – trotz aller Umstände, aber natürlich unter Einhaltung von Schutzkonzepten.

Der Herbstmarkt in Sarnen lockte trotz Schutzmassnahmen und Regen einige Besucher an.

Der Herbstmarkt in Sarnen lockte trotz Schutzmassnahmen und Regen einige Besucher an.

Bild: Manuela Jans-Koch (19. November 2020)

Ein Augenschein während der Mittagszeit zeigt: Die Schutzkonzepte werden eingehalten. Plexiglasscheiben sind zwischen Händlern und Besuchern befestigt, die Stände liegen weiter auseinander als sonst. Wo die Strasse zu eng wird, stehen keine Stände. Die Maskenpflicht wird umgesetzt. Nur gelegentlich ist ein Gesicht nicht bedeckt. Der Sicherheitsdienst weist direkt darauf hin, die Maske aufzusetzen.

Die Durchführung sei vertretbar

Es kommt zu keinem Gedränge, denn der Ansturm hält sich in Grenzen. Zeitweise strömen etwas mehr Menschen durch die Strassen, ohne dass der Platz zu eng würde. Als es zu regnen beginnt, wird das Geschehen auf dem Markt übersichtlicher. «Heissi Marroni», ruft der Verkäufer erneut.

Der Gemeinderat hatte entschieden, an der Durchführung des Marktes festzuhalten. Märkte zählen nicht als Veranstaltung und unterliegen daher nicht der 30-Personen-Regel des Kantons Obwalden. «Man kann nicht alles absagen. Es sollte trotzdem etwas laufen», sagt Marktchef André Aufdermauer. Im Gegensatz zum Stanser Markt sei in Sarnen auch zu normalen Zeiten kaum einmal ein Gedränge zu sehen, weshalb die Durchführung Sinn mache. 55 Händler präsentieren ihre Ware, rund 20 hatten abgesagt.

Das Konzept wurde von der Covid-19-Fachstelle des Kantons gutgeheissen. «Nach Abwägung aller Risiken und Möglichkeiten war es vertretbar, den Markt durchzuführen», sagt Kantonsarzt Mario Büttler. Andere Gemeinden haben aufgrund der aktuellen Lage ihre Märkte abgesagt, dennoch versteht er den Entscheid von Sarnen, nicht alle Veranstaltungen absagen zu wollen.

Zeitweise waren die Strassen sehr leer.

Zeitweise waren die Strassen sehr leer.

Bild: Manuela Jans-Koch (19. November 2020)

«Es geht darum, die Kosten zu decken»

Dass sich die Gemeinde Sarnen dazu entschieden hat, den Warenmarkt durchzuführen, freut besonders die Händler. Roger Dreyer aus Malters, Markthändler von Uhren und Schmuck, war in diesem Jahr während vierzehn Tagen auf Märkten vertreten, normalerweise sind es rund 190. «Bis jetzt ging es, nun wird es schwierig», sagt Dreyer.«Es gibt keine Unterstützung mehr vom Bund. In diesem Jahr haben wir nicht einmal 10 Prozent des sonstigen Umsatzes generiert.» Ende Jahr stünden zudem hohe Rechnungen wie jene der Versicherung bevor. «Wie wir diese bezahlen sollen, steht noch in den Sternen», sagt Dreyer.

«Es ist eine schwierige Zeit», sagt auch Marlen Bernoulli, Herstellerin von Silber- und Goldschmuck aus Hölstein im Kanton Baselland. Sie ist das erste Mal am Warenmarkt in Sarnen vertreten. «Wir machen, was wir können», erzählt sie. Sie geht an alle möglichen Märkte und konnte immerhin an 30 Tagen einen Stand betreiben – statt der rund 130 Tage, die es sonst sind. «Es geht darum, die Kosten zu decken», sagt Bernoulli. «Wir verdienen in diesem Jahr sicher nichts daran und spüren jetzt vor allem die fehlenden Herbst- und Weihnachtsmärkte, auch Chilbis finden keine statt.»

Ähnlich viele Besucher wie in den Vorjahren

Doch lohnt es sich für die Händler überhaupt, Stände aufzustellen? «Die Markttage laufen gut, auch hier in Sarnen», sagt Roger Dreyer. Nur der Regen schmälere das Aufkommen der Besucher. Das sei aber auch in anderen Jahren so. Für Marlen Bernoulli ist die Zeit direkt nach dem Lockdown überraschend positiv verlaufen. «Die Leute hatten Freude, wieder etwas machen zu können.» In den vergangenen Monaten sei die Besucherzahl zwar zurückgegangen – nicht aber am Sarner Markt. Laut André Aufdermauer besuchten ähnlich viele Leute den Warenmarkt wie in den Vorjahren. Ob es auch am Geruch der heissen Marroni lag?