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Sarner Kollegischüler lernen den Glottisschlag oder auch das korrekte «ch»

Ende März ist Premiere am Kollegitheater. In «Alice im Wunderland» singen 27 Spieler. Für manchen eine Herausforderung. Stimmbildnerin Lisbeth Schmid lässt nicht locker, bis alle Lieder gut klingen. Sie trainiert die Schüler auch in Phonetik.
Marion Wannemacher
Lisbeth Schmid (am Flügel sitzend) bildet Schauspielerinnen und Schauspieler des Kollegitheaters aus. So wie hier Hannes Krummenacher und Rebecca Büchi. (Bild: Pius Amrein (Sarnen, 7. März 2019))

Lisbeth Schmid (am Flügel sitzend) bildet Schauspielerinnen und Schauspieler des Kollegitheaters aus. So wie hier Hannes Krummenacher und Rebecca Büchi. (Bild: Pius Amrein (Sarnen, 7. März 2019))

Rebecca Büchi, Hannes Krummenacher und Lisbeth Schmid ziehen Grimassen, bewegen ihren Mund von rechts nach links, lassen den Unterkiefer hängen und seufzen laut auf, springen auf Kommando in die Luft und stossen dabei ein lautes «R» aus. Was für den Betrachter gewöhnungsbedürftig anmutet, gehört für die beiden Kollegischüler zum normalen Aufwärmprogramm. Gesangsunterricht bei Lisbeth Schmid. Gemeinsam singen die drei Chorstücke aus «Alice im Wunderland». Am 30. März ist Premiere. Die Probe klingt bereits jetzt perfekt.

«Dass ich singen kann, hätte ich nie gedacht», erzählt Hannes Krummenacher. Seit 2016 ist er am Kollegitheater, mittlerweile in der 6. Klasse und schon ein «alter Hase». Anfänglich habe er Hemmungen gehabt, sich vor Leute zu stellen und zu singen. «Du lernst, damit umzugehen. Es ist erstaunlich, wie schnell man da reinkommt.»

Allein die Kieferstellung lässt Laute anders klingen

«Es ist spannend, zu sehen, was es für Techniken gibt und dass es ausschlaggebend für den Klang ist, wie man beispielsweise den Kiefer herunter schiebt», erzählt Rebecca. Lippe, Zunge und Gaumensegel und sogar die Zähne wollen kontrolliert eingesetzt werden. Die Sechstklässlerin, die vergangenes Jahr die Rolle des Teufels in «Die schwarze Spinne» hatte, spielt in dieser Produktion die Hauptrolle der Alice.

Alle Hände voll zu tun hat Lisbeth Schmid mit der Stimmbildung der 27 Spieler im Team. Alle singen auf der Bühne, im Chor oder gar solo. «Es geht darum, sie von den Herbstferien bis zur Premiere Ende März so weit zu bringen, dass sie anständig klingen», erklärt sie ihre Arbeit. Solosänger besuchen in der Regel ihren Gesangsunterricht.

Oft frage sie sich am Anfang der Proben: «Hoppla, geht das?» Im Januar merke sie dann regelmässig: «Wow, das klappt.» Ziel sei, «dass sich die Spieler sicher fühlen, dass es anständig klingt und sie ihren Auftritt geniessen».

1994 hat die heute 55-Jährige zum ersten Mal im Kollegitheater mit Adrian Hossli zusammengearbeitet, der damals das Theater leitete. Richtig eingestiegen ist sie vor zehn Jahren. Im Team kümmert sie sich nicht nur um Stimmbildung, sondern auch um die korrekte Aussprache. Im Kollegitheater wird meistens hochdeutsch gesprochen. Manche ihrer Schüler bringt sie in der Phonetik so weit, dass Zuschauer glauben, es handele sich um Deutsche. «Diese Rückmeldung bekomme ich immer wieder mal», erzählt sie.

Immer wiederkehrende Themen bei der Aussprache seien der Glottisschlag, der durch die plötzliche, stimmlose Lösung eines Verschlusses der Stimmlippen gebildet wird. Während der Schweizer die Worte überzieht, hackt der Deutsche die einzelnen Worte ab. «Das klingt verständlicher», sagt Sprachprofi Lisbeth Schmid, die ursprünglich aus Hitzkirch stammt und neben ihrer Ausbildung als Primarlehrerin ein Gesangsdiplom hat.

Wichtig ist ihr auch, dass jeder Spieler das raue «ch» wie bei «acht» oder «Bauch» und das weiche wie bei «schlecht» korrekt anwendet. Die Konsonanten müssen weit vorne gesprochen werden, damit die Aussprache verständlich rüberkommt. «Viele machen es einfach vom Fernsehen nach», weiss die Phonetiklehrerin aus Erfahrung. Wer glaubt, dass die aus Deutschland stammenden Schüler von vornherein perfekt sind, hat sich getäuscht: «Sie sind zu schnell und verschlucken unbetonte Silben.»

Gemeinsam lernen, spielen, kochen, handwerken

Mit Hochdruck arbeiten alle bis zur Premiere. Aus der Küche riecht es nach Essen. Ein Team stellt Pastetlifüllung her, die eingefroren wird. Lisbeth Schmid vertraut einem Schüler mit Fahrausweis ihr Auto und ihren Geldbeutel an: Der Brokkoli ist ausgegangen. Auf der Bühne wird fleissig am Bühnenbild geschafft. «Wir sind eine kleine Familie, man baut zusammen etwas auf, wir machen es von Herzen», sagt Hannes Krummenacher mit Überzeugung. «Es ist eine andere Seite unserer Schule, ein Riesenkontrast zum Schulalltag und das Hobby Nummer eins von uns allen», bekräftigt Rebecca Büchi.

Alice im Wunderland

Um die Verknüpfung zweier Geschichten geht es in der aktuellen Produktion des Kollegitheaters Sarnen. Das Stück verwebt die reale Ebene des Autors Lewis Carroll, der einem Mädchen namens Alice eine Geschichte erzählt, mit der fiktiven. Die beiden Protagonisten wechseln immer wieder von der Realität in eine verzauberte, verrückte Wunderwelt. Der Gesang steht im Stück des Kollegitheaters im Vordergrund. Die Musik hat Daniel Mattmann komponiert, Lisbeth Schmid die Texte dazu geschrieben. Regie führt Mats Michel, Geri Dillier ist dramaturgischer Berater. Für Dillier steht fest: «Der Klassiker hat auch heute nichts an Kraft eingebüsst.»

Premiere von Alice im Wunderland am 30. März im Kollegitheater Sarnen, 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen www.kollegitheatersarnen.ch

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