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Kollegischüler überzeugen auf der Bühne

Das Kollegitheater Sarnen bezaubert beim Stück «Alice im Wunderland» mit neuer Musik, vielen Liedern und lebhafter Bewegung. Eine Inszenierung, bei der alle Beteiligten – auf und neben der Bühne – Superlative verdienen.
Romano Cuonz
«Alice im Wunderland» zieht sowohl die Zuschauer wie auch die Schauspieler in ihren Bann. (Bild: Romano Cuonz, Sarnen, 30. März 2019)

«Alice im Wunderland» zieht sowohl die Zuschauer wie auch die Schauspieler in ihren Bann. (Bild: Romano Cuonz, Sarnen, 30. März 2019)

Stehende Ovationen werden in neuerer Zeit fast schon zur Mode. Indessen: wenn diese besondere Anerkennung – wie nach der Premiere des Musicals «Alice im Wunderland» im Kollegitheater Sarnen – spontan, herzlich und mit hör- und sichtbarer Begeisterung gezollt wird, muss der Funke aufs Publikum übergesprungen sein.

Bei der Obwaldner Musical-Version des wundersamen Nonsens-Märchens, das der Brite Lewis Carroll 1865 schrieb, ist dies zweifellos der Fall. Die Aufführung ist grossartig, und dies in jeder Hinsicht. Mats Michel (Textbearbeitung und Regie), Daniel Mattmann (Komposition und musikalische Leitung), Geri Diller (Dramaturgie) wie auch Lisbeth Schmid (Stimmbildung und Phonetik) gelingt da etwas ganz Besonderes. Etwas, das gerade für ein Gymnasium überaus wichtig ist: Dieses Team weckt und entfaltet bei gut 30 mitwirkenden jungen Leuten Talente, die diese zuvor selber gar nicht gekannt haben.

Die Geschichte eines Sonderlings

Die Geschichte, die der etwas gar sonderbare und pedantische Mathematiklehrer Charles Lutwidge Dodgson (als Autor nannte er sich später Lewis Carroll) erfand, gehört gemäss der Zeitung «The Guardian» zu den tausend Romanen, die jeder gelesen haben muss. Vielleicht, weil sie einerseits so fiktiv und skurril daherkommt, andererseits – als Geschenk des Autors an die kleine Alice Liddell – doch wieder sehr real und voller seltsamer Logik ist. Zum Inhalt: Die Titelheldin Alice (Rebecca Büchi erweckt das Kind spielerisch und gesanglich exzellent zum Leben) ist Zuhörerin des Erzählers Lewis Carroll. Plötzlich bemerkt sie, wie dieser sich in ein sprechendes, weisses Kaninchen verwandelt. Neugierig folgt ihm das kleine Mädchen und purzelt dabei in eine verrückte, verzauberte Wunderwelt. Eine Welt, die nur so vor Paradoxa und Absurditäten strotzt. Nun tritt das Kaninchen auch noch als Weisser Ritter auf. Hannes Krummenacher spielt diese Rolle verwandlungsfähig und mit einer vollen, schönen Singstimme.

Nach und nach begegnet Alice zahlreichen fantastisch verrückten Figuren. Das geht von herrlich duftenden, farbigen Blumen über kuriose Tiere bis hin zum wunderlichen Hutmacher, zur Schachkönigin samt Gefolge oder zu den köstlich herumbalgenden Tweedledum und Tweedledee. Dass auch Zuschauer sich für Stunden in dieses Wunderland versetzt fühlen, dafür sorgt ein grosses und eingeschworenes Team. Markus Bürgi hat mit stilisierten Seifenblasen ein wundervoll einfaches, aber gerade deswegen Minute für Minute fantasievoll bespielbares Bühnenbild gebaut. Markus Schürmann zaubert und hext mit seinem Lichtdesign in allen nur möglichen Farb-, Nebel- und Schattentönen. Wortwörtlich fabelhaft – und Stich für Stich genäht – sind die Kostüme von Marina Landolt. Schliesslich trägt auch die oft witzige «Maske» von Nora-Li Hess zum grossen Zauber dieser Märchenwelt bei.

Verse rhythmisch und melodiös

Allein die rhythmisch gereimte Sprache, der sich die Figuren rund um die verrückte Schachkönigin (Miriam Kafader spielt diese gekonnt diabolisch) bedienen, klingt wie Musik. Der Text stammt teils aus dem Original, teils von Wilson Robert. Er wurde aber ganz aufs Schüler-Musical zugeschnitten. Gerade Wort-Szenen sind oft eindrücklich. Etwa jene, in der Alice den Märzhasen, den Hutmacher und den Siebenschläfer trifft. Regisseur Mats Michel macht mit seinen Leuten Zeitlosigkeit langsam und so geradezu hörbar. Oder Alices leises Spiel mit der hübschen Katze (Alisha Schuler).

Ganz im Mittelpunkt steht – und dies als Uraufführung – die Musik, komponiert von Daniel Mattmann. Mit lauten und leisen, frechen und braven Tönen untermalen sieben Instrumente (Violine, Flöte, Blockflöten, Saxofon, Fagott, Posaune, Piano und E-Bass) Szene um Szene. Dazwischen immer wieder die von Lisbeth Schmid neu erfundenen, für jede Sängerin, jeden Sänger massgeschneiderten Lieder. Wahre Prachtstücke: vom heiseren Song der Raupe (Melanie Jallard) über viele weitere Stimmfarben bis zur sanften Barcarole des weissen Schafs (Norea Relja). Und zu guter Letzt gehört ein ganz dickes Lob der Choreografie: Wie Gianni Schwager – etwa beim «Jabberwocky», dem erlösenden Song für Alice – die Schüler bewegt und auf der Bühne zu Bildern werden lässt, ist schon grosse Klasse. Ein Schüler-Musical, das man gesehen haben muss.

Kollegitheater Sarnen: Musical «Alice im Wunderland» im alten Gymnasium Sarnen. Weitere Aufführungen: 5./6./10./12./13. April jeweils um 19.30 Uhr. Billette: www.kollegitheatersarnen.ch.

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